
Foto-© Plaion Pictures
So that’s Ultraman.
(Yume Funaberi – Shin Ultraman)
Nachdem die Erde (sprich Japan) wiederholt von S-Klasse Wesen (sprich Kaiju, sprich Riesenmonster) angegriffen wird, ruft die japanische Regierung das „S-Class Species Suppression Protocol“ aus und damit einher die SSSP-Einheit. Diese Einheit besteht aus ihrem Leiter Fumio Tamura (Hidetoshi Nishijima), dem Strategen Shinji Kaminaga (Takumi Saitoh), dem Physiker Taki Akihisa (Daiki Arioka) und der Biologin Yume Funaberi (Akari Hayami). Mit einer gewissen Routine wehrt die Einheit einen Angriff nach dem anderen ab, bis ein Elektrizität fressendes Monster sie an ihre Grenzen bringt. Doch als alles aussichtslos scheint, erscheint eine gigantischer, komplett silberner Humanoid und wendet das Blatt. Für die Investigation dieser Kreatur wird die Analystin Hiroko Asami (Masami Nagasawa) dem Team zugewiesen. Doch zunächst kann auch sie nichts zu der Herkunft des von ihr „Ultraman“ getauften Wesens in Erfahrung bringen.
Der Plot erinnert viele sicher ein wenig an Guillermo del Torros Pacific Rim (2013), kein Wunder, stellte dieser doch eine Hommage an eben diese klassischen Kaiju / Sentai Geschichten dar. Andere erwarten aufgrund des Shin (japanisch für „neu“) eine ähnlich ernste und realistische Neuauflage von Ultraman wie der 2016er Shin Godzilla es zu der Riesenechse ablieferte. Diese Vermutung liegt besonders nahe, denn Co-Regisseur Shinji Higuchi führte auch bei Shin Godzilla Regie, zusammen mit Hideaki Anno, der dieses Mal „nur“ am Drehbuch mitgearbeitet hat und auch die andere Hälfte des Regie-Teams, Ikki Todoroki, war bei Shin Godzilla dabei, damals als Second Unit-Regisseur. Trotz all diesen Verbindung hat Shin Ultraman außer, dass es eben ein neuer Ultraman und ebenfalls ein Kaiju-Film ist nichts mit Godzilla gemeinsam. Weder von der Tonalität noch von irgendwelchen „Shared Universe“-Bestrebungen. Denn wo Shin Godzilla radikal modernisiert hat und den Realismus über alles hebt, ist Shin Ultraman eine poppige, funky Hommage an die original Ultraman-Serie, die bis in die 1966er zurück reicht. Nicht ganz so albern wie die Power Rangers, aber auch nicht weit weg. Dass der Film dazu noch ein wenig episodenhaft, vier an der Zahl, daherkommt, lässt ihn vom Seherlebnis noch näher an die Ultraman-Fernsehserie rücken. Da überrascht es dann auch wenig, dass neben Hideaki Anno, Eiji Tsuburaya als Co-Autor aufgeführt wird. Dieser verstarb zwar bereits 1970, hat also nicht direkt mitgewirkt, aber sein Einfluss (immerhin wirkte er nicht nur bereits bei dem ersten Godzilla mit, sondern war auch später an der Erschaffung der Ultraman-Filme beteiligt) wirkt noch immer enorm. Nicht nur inhaltlich, auch optisch spürt man die Nähe zu den damaligen Filmen und Serien, denn auch wenn die Monster hier per Computer auf die Leinwand gebannt wurden, muss man schon genau hinschauen, um nicht zu denken, es wären doch Menschen in Kostümen. Sowohl Design als auch Bewegung der Figuren sind sehr nah an der klassischen Machart japanischer Kaiju-Filme. Nicht umsonst nutzte man Fotos der ursprünglichen Ultraman-Serie als Storyboard für die Kämpfe dieses Filmes.
Am Ende bekommt man hier somit ein knapp zweistündiges Medley von allem, was Ultraman und Kaiju- Filme im Allgemeinen ausmacht. Einen Film, der gleichzeitig den perfekten Einstieg liefert und ein Fest für alle Fans ist. Einzig wer den Tiefgang und Realismus eines Shin Godzilla erwartet, wird enttäuscht.

Shin Ultraman (JP 2022)
Regie: Shinji Higuchi & Ikki Todoroki
Darsteller: Takumi Saito, Masami Nagasawa, Hidetoshi Nishijima, Daiki Arioka
Heimkino-VÖ: 24. Juli 2025, Plaion Pictures

