SAINT ETIENNE – International


Foto-© Rob Baker Ashton

You’re looking down your street
To tell yourself that things could be better
Sometime
When you ask about
All that stuff would feel so important
There’s no reply

Don’t it make you sad
When you are lonely
Don’t it make you sad
When you’re alone

Don’t you make you glad
When the sun shines in your eyes
Don’t it make you glad
To be alive

(Saint Etienne feat. Jez Williams – Glad)

Kann es dieses Jahr einen tolleren Dancefloor-Popsong geben als Glad von Saint Etienne? Wohl kaum, denn da kommt alles zusammen, was Stil hat und zugleich mit zwingendem Groove die Beine in Bewegung versetzt. In den gut drei Glad-Minuten verquirlen die Briten Sophisticated-Pop- und Club-Elemente von Everything But The Girl, Swing Out Sister, Prefab Sprout, Pet Shop Boys (diese Synthie-Fanfare!) und den Doves (deren Jez Williams hier nicht zufällig gefeatured wird) mit der wunderbaren Stimme der göttinnengleichen Saint-Etienne-Frontfrau Sarah Cracknell. Es ist ein Fest (ähnlich überwältigend wird’s später auch nochmal mit Brand New Me).

Der fabelhafte Opener und die Qualität weiterer Tracks von International – das ist die gute Nachricht zum neuen Album des 1990 von Bob Stanley und Pete Wiggs in London gegründeten Trios. Die schlechte: Dies ist ihre letzte Platte, heißt es vom langjährigen Label Heavenly Recordings. Wie schade. Aber wenn schon Abschied, dann so – wenn’s am schönsten ist. Goodbye with a bang! Das sieht die Band auch selbst so. Die drei Musiker trennen sich nicht aus Entfremdung oder wegen Streitereien, betont Heavenly. „Sie sind nach 35 Jahren gemeinsamer Aufnahmen immer noch die besten Freunde – aber sie haben nicht das Gefühl, dass sie ewig weitermachen wollen, und möchten sich deshalb mit einem Knall verabschieden.“

Und so feuern Saint Etienne für ihren (Achtung, Phrasen-Alarm!) Schwanengesang eine Club-Pop-Granate nach der anderen raus. Auf Glad folgen Dancing Heart, ein Synthpop/House-Banger der alten, vornehmen Schule, und The Go Betweens, das nicht nur den Namen einer legendären Indie-Band trägt, sondern auch von Nick Heyward mitgesungen wird, einem etwas in Vergessenheit geratenen Helden des 80s-Pop, seinerzeit mit Haircut 100 und dem tollen Soloalbum North Of A Miracle (1983).

Mit dem passend betitelten Sweet Melodies schalten Saint Etienne zwei Gänge runter. Um mit Save It For A Rainy Day wieder in einen ganz und gar unpeinlichen Pet-Shop-Boys-Modus zu verfallen. Und so geht es höchst unterhaltsam und elegant weiter, immer durch hübsche internationale Samples verbunden (eines davon sogar auf Deutsch, oder vielmehr Schwäbisch), zwischen melancholischen Chillout-Moods (Fade, Why Are You Calling) und Tanzboden-Euphorie (Take Me To The Pilot, He’s Gone). All killers, no fillers.

International folgt direkt auf das erst im vorigen November veröffentlichte The Night, und der Unterschied könnte kaum größer sein (was die Vielseitigkeit von Saint Etienne wieder mal belegt). „Vielleicht das ruhigste, zarteste, entspannteste, untanzbarste (Album) in der rund 35-jährigen Geschichte des Londoner (Electro-)Pop-Trios, das nach einer französischen Stadt beziehungsweise deren zeitweise berühmtem Fußballclub benannt ist. Saint Etienne go Ambient gewissermaßen“, war dazu hier zu lesen.

Die zwölf neuen, vielleicht tatsächlich letzten Songs von Saint Etienne fassen zusammen, was man an diesem Trio seit Foxbase Alpha (1991) immer schon geliebt hat. Der letzte Track heißt The Last Time„a tear jerker, reflecting on where they’ve been and who they’ve become over three and a half decades“, so das Label. Der Kreis hat sich geschlossen. Ein perfekter Abschluss.

Saint Etienne – International
VÖ: 05. September 2025, Heavenly Recordings
www.saintetienne.com
www.facebook.com/SaintEtienneOfficial

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Werner Herpell

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