
Foto-© Neon
What are you?
(Liz – Keeper)
Liz (Tatiana Maslany) lässt sich wider besseren Wissens auf ein Wochenende in dem abgelegenen Ferienhaus mit ihrer noch recht frischen Liebschaft Malcolm (Rossif Sutherland) ein. Das Haus tief im Wald ist weit entfernt von den Schuppen, die man aus Horrorfilmen gewohnt sein könnte, sondern eine wunderschön romantische Konstruktion aus Holz und Glas, gelegen an einem verträumten Bach, umgeben von tiefem Grün des Waldes. Dennoch kommt Liz nicht ansatzweise zur Ruhe, merkwürdige Geräusche, unwirkliche Schattenspiele, düstere Tagträume, das Unheil scheint sich jederzeit direkt abseits ihres Blickfeldes abzuspielen und lässt Liz zusehends an ihren Sinnen und den Absichten und der Ehrlichkeit ihres Gastgebers zweifeln.
Nachdem Regisseur Osgood Perkins zuletzt mit dem schwarzhumorigem The Monkey (2025) und dem Überraschungserfolg Longlegs (2024) für seine Verhältnisse relativ direkt erzählte Filme abgeliefert hat, gibt er sich mit Keeper wieder maximal abstrakt. Zum einen war in den vorherigen Filmen „das Böse“ mit dem Serienmörder Longlegs und dem Spielzeugaffen wesentlich greifbarer, zum anderen waren die Erzähler zuverlässiger. Hier hingegen ist, wie eingangs beschrieben bis auf die latente Gefahr durch Malcolm die Bedrohung völlig abstrakt. Man weiß weder woher sie kommt noch was sie ist, lediglich, dass da irgendwas auf uns zukommt. Zum anderen rutscht der Zuschauer mit Liz gemeinsam zusehends in den Wahnsinn ab und die Grenzen zwischen Realität, Raum und Zeit verschwimmen zusehends. Wem also schon die letzten Osgood Perkins Filme zu viel Fokus auf Inszenatorik gelegt hatten und zu wenig auf konkreten Inhalt, der sollte einen großen Bogen um Keeper machen. Wem aber I am the Pretty Thing That Lives in the House (2016) zum Beispiel gut gefallen hat, der bekommt hier die absolute Alptraumversion davon geboten.
Unterschwellig schwingt dann auch noch viel Gesellschaftskritik und Feminismus mit, was den Film auch über die reinen Bilder hinaus weit über das Standardniveau des Genres hebt. Was jedoch in keiner Weise bedeutet, dass man sich nicht auch einfach herrlich gruseln kann. Hier muss sich der Film nicht vor Longlegs, seinem bisher wohl gruseligsten Werk verstecken. Auch vom Gewaltlevel her wird sich hier, besonders für einen Geisterfilm, nicht zurück gehalten. Man sollte also bestenfalls sowohl harten Horror als auch dem Arthouse Kino etwas abgewinnen können. Einzig auf einen umfassenden Plot oder eine klar gezeichnete Protagonistin müsst ihr verzichten. Wobei die beiden zentralen Figuren durchaus Tiefe bekommen und die Auflösung der konfusen Geschehnisse überraschend klar und kohärent daher kommt. Ob diese und auch die Konklusion der Geschichte einem gefällt, ist sicher Geschmackssache und wird das Publikum spalten, aber das ist bei Kunst nun einmal keine Seltenheit.
Wer sich diesen Winter mit Anspruch, vor allem aber auf der unterschwellig emotionalen Ebene gruseln und dabei in herrliche romantischen bis alptraumhaften aber immer gekonnt inszenierten Bildern abtauche möchte, der sollte definitiv in Osgood Perkins Cabin in the Woods für die knapp 100 Minuten einkehren. Visuell ergreifend, akustisch subtil, erschreckend, schockierend und mit einer sehr ergreifenden Message, die viel Potential für Diskussion in den langen Winterabenden bietet.

Keeper (US CA 2025)
Regie: Osgood Perkins
Darsteller: Tatiana Maslany, Rossif Sutherland, Claire Friesen, Christin Park, Birkett Turton, Eden Weiss
Kinostart: 20. November 2025, DCM
In Kooperation mit DCM verlosen wir 2×2 Freikarten zum Kinostart von Keeper! Ihr wollt ins Kino und gewinnen? Dann schickt uns bis zum 27. November eine Mail mit dem Betreff „Keeper“ an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr nächste Woche frohe Gewinnkunde und digitale Kinoticket-Gutscheine von uns in eurem digitalen Postfach!

