RUFUS WAINWRIGHT WITH THE PACIFIC JAZZ ORCHESTRA – I’m a Stranger Here Myself – Wainwright Does Weill


Foto-© Julien Benhamou

Before Lord God made the sea and the land
He held all the stars in the palm of his hand
And they ran through his fingers like grains of sand
And one little star fell alone

Then the Lord God hunted through the white night air
For the little dark star in the wind down there
And He stated and promised He’ll take special care
So it wouldn’t get lost again

Now a man don’t mind if the stars grow dim
And the clouds blow over and darken him
As long as the Lord God’s watching ovеr them
Keeping track how it all goes on

But I’ve been walking through thе night and the day
‚Til my eyes get weary and my head turns gray
And sometimes it seems maybe God’s gone away
Forgetting the promise that we heard Him say

And we’re lost out here in the stars
Little stars, big stars
Blowing through the night
And we’re lost out here in the stars
Little stars, big stars
Blowing through the night
And we’re lost out here in the stars

(Rufus Wainwright – Lost In The Stars)

Berührungsängste zur „Hochkultur“ kennt Rufus Wainwright schon lange nicht mehr. Davon zeugen die Arbeiten des kanadisch-amerikanischen Singer-Songwriters für Robert Wilsons Shakespeare-Sonette am Berliner Ensemble, die Opern Prima Donna und Hadrian sowie zuletzt das monumentale Orchester-Chor-Werk Dream Requiem. Einiges davon fand eher gemischte Resonanz bei Musikkritikern und Fans. „Schuster bleib bei deinem Leisten“, hieß es sogar von manchen beinharten Rufus-Verehrern. Wie schlägt er sich nun mit dem auch schon viele Jahrzehnte alten, ikonischen Liedgut des Kurt Weill (1900-1950)?

Die Kombination Wainwright Does Weill (so der Untertitel des Tribute-Albums) passt zumindest auf dem Papier perfekt. Trifft dieser fabelhafte, furchtlose Popsänger mit Wohnsitz Los Angeles hier doch, begleitet von einem 40-köpfigen Jazz-Orchester, auf einen legendären, bis heute beliebten deutschen Komponisten der Weimarer Theatermusik und sinfonischer Werke mit Hollywood-Touch. So wird I’m A Stranger Here Myself tatsächlich, wie erhofft, zu einem opulenten Fest der Interpretationskunst. Weill hätte vermutlich seine Freude daran gehabt, wie theatralisch und virtuos, eigenständig und respektvoll zugleich der inzwischen 52-jährige Wainwright diese unsterblichen Songs live vor einem begeisterten US-Publikum präsentiert.

„Die Lieder von Kurt Weill beschäftigen mich schon seit langem und sind für mich nach wie vor geheimnisvoll. (..) Diese wundersame musikalische Reise hat begonnen, dauert an und wird niemals enden“, sagt Rufus Wainwright, der nicht nur wegen seines deutschen Lebenspartners eine enge Beziehung zur deutschen Kultur pflegt, über eine langjährige Weill-Faszination. Die einzigartige Mixtur aus „Popmusik mit opernhafter Sensibilität, dem Profanen mit dem Göttlichen“ berühre ihn bis heute.

Und das kann man nun wirklich hören auf diesem wunderschönen Hommage-Album mit vielen Weill-Klassikern zwischen Kunstlied, Klavier-Jazz, Swing und sinfonischer Klassik, die sich Wainwright grandios zu eigen macht. Die Premiere im New Yorker Café Carlyle vom Mai 2023 war seine erste umfassende Auseinandersetzung mit Weills Repertoire. Nach den fünf ausverkauften Abenden in New York erweiterte er seinen Ansatz mit einer üppig orchestrierten Konzertversion, die 2024 auf der großen Bühne des Theatre at Ace Hotel in Los Angeles mit dem Pacific Jazz Orchestra unter Leitung von Chris Walden aufgeführt wurde. Vom September Song über Surabaya Johnny und Mack The Knife bis Je ne t’aime pas und Lost In The Stars bleiben keine Wünsche offen.

Aber Wainwright würdigt die Weimarer-Republik-Phase des jungen Weill und die USA-Jahre des jüdischen Emigranten seit 1935 auch mit weniger vertrauten Stücken, um diese Musik „durch die Linse des 21. Jahrhunderts mit Witz, Grandeur und unverfälschtem Herz“ zu vermitteln. Der Musikproduzent Peter Asher schreibt in den Liner Notes der Wainwright/Weill-Platte: „Ich würde sagen, dass dieses Album alle Bereiche abdeckt. Rufus nähert sich diesen Songs weder wie ein Jazzsänger noch wie ein klassischer Musiker. Er verkörpert sie vielmehr wie ein Singer-Songwriter.“ Und das glückt Wainwright so überzeugend, dass ihm – nach manchen halbgaren „Hochkultur“-Projekten – diesmal wirklich der allergrößte Applaus gebührt.

Rufus Wainwright with the Pacific Jazz Orchestra – I’m A Stranger Here Myself: Wainwright Does Weill
VÖ: 21. November 2025, Rock and Roll Credit Card Inc
www.rufuswainwright.com
www.facebook.com/wainwrightofficial

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Werner Herpell

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