
Foto-© WHATS WRONG WITH YOUR DOGG, LLC
You’re a good boy, but you cannot save me.
(Todd – Good Boy)
Indys Herrchen Todd (Shane Jensen) zieht nach dem Tod seines Großvaters in dessen abgelegene Waldhütte. Beim Mithören von Telefonaten mit seiner Schwester (Vera) lernt Indy, dass der Tod unter mysteriösen Umständen, die mit dem verlassenen Haus zusammenhängen sollen, erfolgte und auch dass es seinem Herrchen ebenfalls nicht gut geht. Während Indy von allen Seiten dunkle Bedrohungen auf die beiden zukommen sieht und hört, scheint sein Herrchen für diese Gefahren völlig blind zu sein.
Good Boy ging vor allem als der Horrorfilm aus der Sicht eines Hundes durch die Medien, was zugegebenermaßen auch die größte Besonderheit des Filmes ist. Dies jedoch nicht nur als Gimmick, sondern weil Regisseur und Co-Autor Ben Leonberg diesen ungewöhnlichen Ansatz nicht nur bemerkenswert konsequent umsetzt, sondern ihn auch vielfältig und weit über den reinen Perspektivenwechsel hinaus einsetzt. So werden die Menschen bis auf wenige pointierte Ausnahmen immer nur im Anschnitt und nie mit ihrem Gesicht gezeigt, Unterhaltungen erleben wir passiv und selten komplett. Das wird jedoch nie so anstrengend und abstrakt wie zum Beispiel in einem Skinamarink (2022). Die Perspektive mag ungewöhnlich sein, die Bilder hingegen sind klar und folgen größtenteils den aktuellen Sehgewohnheiten, nur eben einen Meter näher am Boden. Einzig die fehlenden Dialoge unterscheiden den Film somit inszenatorisch von einem „Standard“ Horrorfilm, es muss also niemand Angst haben, dass es zu verkopft wird.
Auch wenn die sehr stimmungsvolle Geistergeschichte (es gibt ein paar fantastische Gewitterszenen) eher dem „Elevatedhorror“ Genre zuzuordnen ist und nicht mit Metaphern geizt, kann man sie getrost als „einfachen“ Haunted House-Film genießen. Entsprechend dem Subgenre geht es auch fast absolut unblutig zu, auch wenn gerade Hundeliebhaber sicher dennoch ein paar Mal aufjaulen werden. Nicht nur diesen wird der unumstrittene Star des Films, der unglaublich süße „Nova Scotia Duck Tolling Retriever“ Indy ans Herz wachsen. Die Performance der vierbeinigen Hauptfigur entstand tatsächlich ganz ohne den heutzutage üblichen CGI-Einsatz, sondern ist komplett oder zumindest im selben Maße wie bei realen Darstellern, dem tierischen Schauspieler zuzuschreiben. Ein Kraftakt, der sich sicher nur bewerkstelligen ließ, weil die kleine Indie Produktion mit einer minimalistischen Crew es sich leisten konnte, viel Geduld mit dem Hauptdarsteller zu haben (der Dreh dauerte über 400 Tage, verteilt auf drei Jahre), zum anderen weil Regisseur Ben Leonberg das reale Herrchen von Indy ist und somit wie kein anderer wusste, wie er die gewünschte Performance aus dem Vierbeiner heraus kitzeln konnte.
Wer also klassischen Geisterhaus-Horror aus einer frischen Perspektive erleben will, der sollte unbedingt mit Indy Gassi gehen. Mit nur 72 Minuten kommt der Ausflug sehr angenehm kurz daher, was bei einem Film ohne Dialoge perfekt passt, wie wir zuletzt bei Azrael (2024) festgestellt hatten. Denn irgendwann ist das, was man ohne es auszusprechen, erzählen kann, gezeigt. Neben einer kompetent erzählten Gruselgeschichte, sagt der Film auch noch viel über unseren Umgang mit und die Perspektive von unseren vierbeinigen Weggefährten aus. Wie kein anderer Film wird es Good Boy schaffen, euch zu gruseln und im nächsten Moment „Oh Gott wie süß“ rufen zu wollen.

Good Boy (USA 2025)
Regie: Ben Leonberg
Darsteller: Indy, Shane Jensen, Arielle Friedman, Larry Fressenden, Stuart Rudin, Hunter Goetz, Anya Krawcheck
Heimkino VÖ: 02. Januar 2026, DCM

