A.S. FANNING – Take Me Back To Nowhere

Today is for forgetting, drifting away
What before seemed black and white is turning to grey
Secrets of the material world on the tip of my tongue
All the world’s a prison
We’ve been sprung

Today is for forgetting, turning to air
Absolved of anxiety
Untethered from care
There is nobody losing out
Nothing to be undone
Nothing less than dying
Nothing beyond the sun

This unbearable miracle, imperious, improbable
Unbearable miracle seems to be unstoppable

(A.S. Fanning – Today Is For Forgetting)

Als Singer-Songwriter mit überwiegend pessimistischer Weltsicht präsentierte sich der Ire A.S. Fanning schon auf früheren Alben – und ganz besonders auf Mushroom Cloud (2023), das ihn 2023 auch in Deutschland bekannter machte. Insofern wundert man sich nicht, dass die erste Vorab-Single seiner neuen, vierten Platte nun Today Is For Forgetting betitelt ist. Und ist es nicht so, dass wir alle angesichts der Weltlage derzeit öfter finden, dass „dieser Tag heute zum Vergessen“ ist? Fanning trifft also, erst recht im Winter, eine weit verbreitete triste Stimmung. Das ist aber zum Glück nicht alles, was die 13 neuen Stücken des Wahl-Berliners ausmacht.

Denn da ist ja auch noch diese charismatische Bariton-Stimme, von der viele Reviewer bereits vor drei Jahren schwärmten – irgendwo zwischen Scott Walker und Jim Morrison, Neil Hannon und Richard Hawley. Nun also heißt es Take Me Back To Nowhere – und wieder sind die Songs herrlich opulent, die Vocals edelsamtig und sanft sedierend, die Texte nicht gerade von der zuversichtlichen Sorte.

Der Opener Save Us, das schon erwähnte Today Is For Forgetting (ganz nebenbei eine veritable Leonard-Cohen-Hommage) und das treibende Idiot Leader deuten eine zum 80s-Electropop tendierende, experimentellere Ausrichtung des Songwritings an. Aber durchgehend kühl und keyboard-lastig sind die Arrangements zum Glück nicht. Das regelrecht jubilierende Now I’m In Love könnte auch eine Platte von The Divine Comedy zieren, im Instrumental Back To Nowhere II nähert sich Fanning einem melodischen Post-Punk, ehe er gegen Ende mit dem prachtvollen Stay Alive und Talking To Ourselves als melancholischer Crooner im Nick-Cave-Modus brilliert.

Für Take Me Back To Nowhere arbeitete Fanning erneut mit dem Produzenten und Tontechniker Robbie Moore zusammen. Aufgenommen wurde im Studio Idea Farm, einem umfunktionierten Bauernhof in Südschweden, an dessen Ausbau der aus Dublin stammende Stephen „A.S.“ Fanning in den vergangenen Jahren selbst häufiger mitgewirkt hatte. Die neuen Songs entstanden gemeinsam mit seiner international zusammengesetzten Live-Band: Bernardo Sousa (E-Gitarre), Dave Adams (Orgel, Synthesizer, Klavier), Fred Sunesen (Schlagzeug), Felix Buchner (Bass) sowie als Gastmusikerin Marta Zapparoli mit „atmosphärischen Klangtexturen“. Die ursprünglich live eingespielten Stücke wurden „im Prozess dekonstruiert und völlig neu zusammengesetzt, wodurch Ambient-Elemente und karge, weitläufige Klanglandschaften weiter in den Vordergrund treten“, schreibt Fannings umtriebiges Vertriebs-Label K&F Records. Ein Handgelenk-Bruch zwang Fanning dazu, seinen Songwriting-Prozess von der Gitarre an Keyboards und Drum-Machine zu verlagern (was man, wie erwähnt, durchaus hören kann).

„Die Herangehensweise ist eine völlig andere“, sagt der Multiinstrumentalist. „Man denkt viel stärker darüber nach, wohin die Dynamik eines Songs führen soll. Manchmal lässt man sich einfach vom Momentum der Texte tragen, anstatt an Akkorden oder klassischen Songstrukturen festzuhalten.“ Das Ergebnis ist eine Platte, die nicht wie eine schnöde Kopie des bejubelten Vorgängers klingt, Hörer von Mushroom Cloud aber kaum weniger begeistern dürfte.

A.S. Fanning – Take Me Back To Nowhere
VÖ: 06. Februar 2026, Proper Octopus
https://asfanning.bandcamp.com
www.facebook.com/asfanning

A.S. Fanning Tour:
16.03.26 Langenberg, KGB
28.03.26 Altenkichen, KulturSalon Stadthalle
21.04.26 Hamburg, Knust
22.04.26 Leipzig, Secret Location
23.04.26 Dresden, Ostpol
25.04.26 Oberhausen, Gdanska
02.05.26 Berlin, Neue Zukunft

YouTube Video

Werner Herpell

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