
Foto-© LEONINE
So much time has passed. But I’m asking you to please come back to our special place. Something’s happened.
(Mary Crane – Return To Silent Hill)
Horror boomt aktuell. Klassische Stoffe wie Frankenstein oder Dracula werden neu verfilmt und Fortsetzungen und Reboots von Filmreihen aus den 90er und 00er Jahren kommen gut an, wenn sie den Nostalgiefaktor bedienen, aber das Franchise auch mit neuen Ideen auffrischen, wie bei 28 Days Later, Scream oder Final Destination. In diesen illustren Trend reiht sich jetzt auch Return To Silent Hill ein, der genau 20 Jahre nach Silent Hill (2006) erscheint, der ersten Verfilmung des legendären Videospiels von Konami. Wieder werden die Zuschauenden in die verfluchte Geisterstadt Silent Hill entführt, die tagsüber in äschernen Nebel gehüllt ist, in dem gesichtslose, deformierte Gestalten umherwandeln. Das wäre an sich schon gruselig genug, aber nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich der Ort in eine wahre Höllenlandschaft, in der es nicht nur vor monströsem Ungeziefer wimmelt, sondern auch noch weitaus unheilvollere Dämonen ihr blutiges Unwesen treiben.
Der Protagonist ist diesmal James Sunderland (Jeremy Irvine), der nach dem tragischen Verlust seiner großen Liebe Mary (Hannah Emily Anderson) traumatisiert ist und seinen Schmerz mit Alkohol betäubt. Eines Tages erhält er einen rätselhaften Brief, in dem er aufgefordert wird, nach Silent Hill zurückzukehren – den Ort, an dem er Mary kennengelernt hat. Seine Therapeutin (Nicola Alexis) rät ihm davon ab, weil James über den Verlust hinwegkommen und die Vergangenheit hinter sich lassen soll. Er reist trotzdem in die verlassene Stadt in den Bergen, die bei seiner Ankunft im Nebel verborgen liegt. Die wenigen Einwohner sind scheinbar durch verseuchtes Wasser entweder schwer krank geworden oder bereits tot. Außerdem wandern entstellte, geisterhafte Gestalten umher, die den ohnehin schon labilen James an seinem Verstand zweifeln lassen. Und dann ertönt auf einmal eine Sirene und in unnatürlicher Geschwindigkeit bricht eine Dunkelheit herein, in der noch mehr Gefahren lauern…
Return To Silent Hill basiert lose auf dem legendären Videospiel Silent Hill 2 und wurde von Christophe Gans inszeniert, der auch schon beim ersten Teil Silent Hill (2006) Regie führte. Der Film ist dabei keine Fortsetzung, sondern ein Reboot, wobei Gans einfach die bekannte Silent-Hill-Ästhetik sowie einige Figuren und Plot-Bausteine übernimmt und diese bunt durcheinanderwürfelt, aber keine neuen Ideen einbringt oder die Welt weiter ausbaut. Unterm Strich bleibt der Eindruck, dass er vor allem auf den Nostalgiefaktor als kommerziellen Köder setzt. Diagnose: Cash Grab.
Dementsprechend fällt weniges an der Inszenierung positiv auf: Gans erzeugt zwar einige starke Bilder, die dem Horror-Genre jedoch auch nichts wirklich Neues hinzufügen. Der Soundtrack ist stimmungsvoll, da er wieder von Akira Yamaoka stammt, der schon für die Musik der Silent-Hill-Videospiele verantwortlich war. Die Effekte sind gut, und die Schauspieler*innen tun wirklich alles, was sie können, um über das hölzerne Drehbuch hinwegzutrösten.
Aber leider ist das Beste, was man über Return To Silent Hill sagen kann, dass man den ersten Film von 2006 nochmal mehr zu schätzen lernt. Dieser war nicht perfekt, aber immerhin stabiler Psycho-Horror mit originellen Visuals und einer gewissen emotionalen Sogkraft. Der Plot von Return To Silent Hill ist dagegen einfach nur verwirrend, und die Zeit- und Ebenensprünge machen es nicht leichter. Die Motivation der Charaktere bleibt oft völlig unklar, weswegen man sich kaum mit ihnen identifizieren kann. Dadurch geht eine zentrale Stärke der Silent-Hill-Reihe verloren. Sie basiert auf psychologischem Symbolismus: Die Horrorgestalten und -orte stehen für komplexe, unterdrückte oder überwältigende Gefühle oder Traumata und sind für Interpretationen offen. In Return To Silent Hill werden diese Metaphern kaum als Bilder ausgelotet oder sinnig mit dem Plot verknüpft, und genauso wenig dürfen die Szenen einfach für sich atmen und die Zuschauenden ihre eigenen Schlüsse ziehen. Stattdessen werden alle Emotionen durch ein oberflächliches Voice-Over vorgekaut. An sich können starke Charaktere und eine eindringliche Bildsprache in Horror-Settings gut über Logiklücken hinwegtrösten, aber auf diesen Ebenen ist der Film so erschreckend einfalls- und mutlos, dass die Plot Holes umso mehr auffallen.
Return To Silent Hill ist damit nicht nur der schwächste Film der Silent-Hill-Reihe – und das will nach Silent Hill: Revelation (2012) schon was heißen – sondern einer der schwächsten Horrorfilme des neuen Jahrtausends. Man bleibt mit Erstaunen im Kino zurück, wie wirr dieser Film zusammengekleistert wurde, und freut sich bzw. hofft auf die qualitativeren Veröffentlichungen im Horrorjahr 2026.

Return To Silent Hill (FRA, UK, USA 2026)
Regie: Christophe Gans
Darsteller: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Eve Macklin, Evie Templeton
Kinostart: 5. Februar 2026, LEONINE

