CONGRATULATIONS – Join Hands


Foto-© Josh Armstrong

Don’t you want more
work 9 to 5 then you’re dead
you wait for the weekend
blow all your beans in one go

(Congratulations – My Hair)

Erinnert sich noch jemand an Wendy & Lisa? Die beiden Musikerinnen waren in den glorreichen 1980ern zunächst Teil der legendären Prince-Band The Revolution und später auch als Duo erfolgreich. An den smarten Funk-Pop von Wendy Melvoin (Gitarre) und Lisa Coleman (Keyboards) erinnert nun der Sound von Congratulations, einem Quartett aus Brighton, dessen frisches, freches, funkensprühendes Debüt Join Hands nicht nur zu vielfältigen Vergleichen mit diversen Eighties-Ikonen einlädt – sondern vor allem zum Tanzen. Und das ist ja per se schon mal was Gutes in dieser bleiernen Winterzeit.

Das 10-Track-Album sei „ein Aufruf zum Handeln, eine strahlende Aufforderung, seine Sorgen hinter sich zu lassen – let the good times roll“, jubiliert die Album-PR des britischen Auskenner-Labels Bella Union. Von „ungezügeltem, intensiv groovigem Indie-Dance-Rock“ ist da die Rede, oder auch vom Spitznamen „Punkrock Power Rangers“, der Congratulations schon mehrfach zugeschrieben worden sei.

Der Opener Nevagonna erinnert nach balladeskem Beginn (und nicht zum letzten Mal) rhythmisch an Prince und dessen diverse Begleitmusikerinnen wie Wendy & Lisa, Sheila E., Apollonia 6 oder Jill Jones. Fought 4 Love (man beachte die vom großen kleinen Mann aus Minneapolis häufig verwendete Schreibweise) geht mit dem legendären Riff aus My Sharona von The Knack mitreißend los – und lässt Gitarren/Keys dann Richtung Art-Funk à la Talking Heads driften. Mit My Hair, This Life und Dr. Doctor (das nicht nur im Titel vom Doctor Doctor der Thompson Twins inspiriert sein dürfte) behalten Congratulations den Fuß konsequent auf dem Gaspedal.

Sängerin Leah Stanhope ist dabei mit ihren hellen, unbekümmerten, an Debbie Harrys Blondie-Zeit erinnernden Vocals die halbe Miete, um beim Hörer gute Laune wachzukitzeln. Aufmunternde, positive Wirkung haben auch die Lyrics auf Join Hands. So sei This Life eine Ode an die Selbsttäuschung – „ihr wisst schon, Leute, die darüber jammern, dass sie die schlimmste Zeit ihres Lebens haben, aber in Wirklichkeit ein Dach über dem Kopf und genug zu essen haben, und letztendlich ist es gar nicht so schlimm“, sagt Leah Stanhope. Gitarrist Jamie Chellar sagt zur Song-Konstruktion: „Der Refrain wurde von Prince inspiriert, insbesondere vom Album Parade. Ich habe sehr darauf geachtet, dass die funky Gitarre diese scharfen Kanten hat, die Prince hinbekommen hat.“

Man kommt tatsächlich kaum zum Atemholen angesichts dieser produktionstechnisch prall gefüllten, scheppernden, quietschenden, funky bis schräg groovenden Tracks. Stanhope, Chellar, Greg Burns am Bass und James Gillingham am Schlagzeug halten sich mit Subtilitäten nicht lange auf und regeln das Tempo erst gegen Ende, mit dem komplexen, orientalisch angehauchten Midtempo-Stück Bubbles und dem ähnlich ambitionierten Art-Punk-Pop von Hollywood Swingers, zeitweise etwas herunter.

Congratulations seien „vielleicht die Band, die es am ernstesten nimmt, sich selbst nicht ernst zu nehmen“, schreibt Bella Union über seinen mit berechtigt hohen Erwartungen ins Rennen geschickten neuen Act aus dem Süden Englands. Ein wesentlicher Teil des Sound-Puzzles sei der Produzent Luke Phillips alias Bella-Union-Labelkollege ICEBEING, laut Band das de facto „fünfte Mitglied“. All es in allem: ziemlich unwiderstehlich, was diese Newcomer mit Join Hands abliefern. Da kann man nur „Congratulations!“ ausrufen – also „Herzlichen Glückwunsch!“.

Congratulations – Join Hands
VÖ: 13. Februar 2026, Bella Union
www.congratulationsband.com
www.facebook.com/congratulationstheband

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Werner Herpell

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