JOE JACKSON – Hope And Fury


Foto-© Frank Veronsk

It’s a tart of a town, but she’s still holding on
And still looking sexy in the right kind of light
Where the good days are coming and the good days are gone
Come for the funfair, stay for a fight

It’s a tramp of a town and it gets in your blood
Like Red Bull, champagne, lager and coke
Till you fly like like an angel with feet in the mud
And wind up face down bragging and broke

Sushi bar, greasy spoon
Steak and Ale, vindaloo
Peppa Pig, Daisy Bell
Little Mix, Little Nell
Hampshire wine, Yorkshire tea
Single malt, Mickey D
We got the sand, we got the sea
We got fish and chip’s with an apostrophe

Burning by the sea
Is a bloody place to be
Talk about history
Burning by the sea
Burning by the sea
Take a little trip with me
Better bad company
Burning by the sea

(Joe Jackson – Welcome To Burning-By-Sea)

Die Sorge, dass der verdiente Piano-Rocker und begnadete britische Spötter Joe Jackson mit fast 72 Jahren und nach knapp fünf Dekaden im Pop-Business doch mal ein bisschen müde und milde geworden sein könnte, verflüchtigt sich schon nach den ersten Sekunden seines Album-Openers Welcome To Burning-By-Sea. Wie er da mit seiner typisch nasalen Stimme singt, fast schon rappt, seinen Sarkasmus rausrotzt, das hat durchaus noch die ätzende Schärfe und den cleveren Biss, der bereits das Postpunk/Pubrock-Debüt Look Sharp! von 1979 auszeichnete.

Dazu groovt der seit dem Jackson-Superhit Steppin‘ Out (1982) bewährte Latin-Jazz, das zentrale Klavier/Synth-Riff klingt wunderbar kapriziös, und der Bass des ewigen Sidekicks Graham Maby bollert wie in den alten New-Wave-Zeiten, aus denen die beiden ja kommen. Letzteres gilt auch für das ähnlich schön fiese I’m Not Sorry – Jackson/Maby waren, sind und bleiben eine kongeniale Kombination, die im Britpop-Himmel erdacht worden sein muss.

Dafür – und für die weiterhin hohe Relevanz des großen Singer-Songwriters aus der Südküsten-Hafenstadt Portsmouth – steht das neue Album Hope And Fury, das schon mit seinem ambivalenten Titel bei Jackson-Klassikern wie Night And Day (1982), Body And Soul (1984), Laughter & Lust (1991) oder Heaven And Hell (1997) anknüpft. Ähnlich vorteilhaft gealtert sind nicht viele der zum ambitionierten Pop konvertierten Post-Punk-Kollegen aus den späten Seventies, mir fallen spontan vor allem Madness (immer wieder super!) und Squeeze (tolles Comeback kürzlich mit Trixies!) ein.

Beim britischen Ska-Pop der 70er-Jahre bedient sich auch Do Do Do, eines der unintellektuellsten, fröhlichsten Lieder von Joe Jackson seit langem. Fabulous People entwickelt indes die Sophisticted-Pop- und Jazz-Einflüsse weiter, die der Engländer während seiner Weltstar-Phase der frühen bis mittleren 80er verstärkt in sein Songwriting einfließen ließ. Aus diesen glorreichen Jackson-Zeiten mit all ihrer lässigen Pianopop-Grandezza könnten auch der wiederum lateinamerikanisch angehauchte Midtempo-Track After All This Time, das fantastische Album-Highlight The Face und das berührende Sozialporträt End Of The Pier stammen. Bei der cineastischen Bossa-Ballade See You In September“ sitzt Jackson schließlich quasi neben Casablanca-Sam am Klavier.

„Bitte einordnen unter Bicoastal Latin Jazz Funk Rock“ empfiehlt die Album-PR für Hope And Fury – damit hat der werte Kollege aber sowas von Recht. Auch wenn er sich mit einem Superlativ („… könnte tatsächlich sein bislang bestes Album sein“) danach ziemlich weit aus dem Fenster hängt, so ist diese Platte doch ein mehr als gelungenes (Über-)Lebenszeichen eines Wave-Pop-Veteranen. Schon Fast Forward (2015), Fool (2019) und die Music-Hall-Hommage Mr. Joe Jackson presents Max Champion in: What A Racket! (2023) klangen erstaunlich frisch. Die neun aktuellen Songs ergeben im Ganzen nun das erste herausragende Alterswerk von Joe Jackson.

Joe Jackson – Hope And Fury
VÖ: 10. April 2026, earMUSIC/Edel
www.joejackson.com
www.facebook.com/OfficialJoeJackson

YouTube Video

Werner Herpell

Mehr erfahren →