FAMILY STEREO – The Thread


Foto-© Brendan Buccanan

You′re only twenty-two
And going down that road again
But it won’t take you far
Some things hurt more than staying in

And I′m nearly twenty-two
But sitting in your car I’m older
There was once a day
You could put me on your shoulders

And with that sense of an end
I might have been on the brink of something then
If I could only feel that way again
Oh, I’d keep it with me
And there were moments of truth
When you held out hope for me too
And I remember the night I said to you
„I think I can be someone that we both believe in“

(Family Stereo – DLR)

Tracey Thorn und Ben Watt, vielen Musikfans auch (oder sogar besser) bekannt unter dem Duo-Namen Everything But The Girl, sind mächtig stolz dieser Tage, man kann es in diversen Social-Media-Posts nachlesen. Nicht etwa weil sie (was ja auch schön wäre) mal wieder ein neues Album veröffentlicht hätten. Sondern weil ihre musikalische und eheliche Harmonie gerade in der nächsten Generation weiterwirkt: Blake Watt, der Singer-Songwriter hinter dem Projekt Family Stereo, ist nämlich niemand anderer als der Sohn von Tracey und Ben. Und er macht mit The Thread seinem Gen-Pool (übrigens schon rein optisch ein Ebenbild der berühmten Eltern) und ihrem guten Namen alle Ehre.

Rückblende: Everything But The Girl (EBTG) waren in den 80ern zunächst Vorreiter eines taufrischen britischen Jazz- und Sophisticated-Pop, ehe sie mit elektronischen Texturen und tanzbaren Rhythmen weltweite Hits wie Missing hatten. Dem Sohnemann scheint nun das Weiche, Träumerische, Zärtliche der Duo- und Soloarbeiten von Thorn und Watt näher zu liegen als der Dancefloor – wobei seine feine, auch mal ins Falsett steigende Stimme sicher hilfreich ist. Man darf wohl vermuten, dass der Mittzwanziger Blake Watt ein ziemlicher Softie ist – daran lässt das auf dem Auskenner-Label Bella Union erschienene folkpoppige Debüt The Thread kaum einen Zweifel.

Es sind elf wunderschöne, sanft bezaubernde Lieder, die Watt hier als erste Family Stereo-Talentprobe anbietet. Um nochmal auf die Eltern zurückzukommen – irgendwo zwischen den frühen EBTG-Klassikern Love Not Money (1985) und The Language Of Life (1990) lassen sich diese warmen, melodieseligen Songs einordnen. Dabei macht er zum Glück nicht den Fehler, allzu dick aufzutragen, selbst wenn sich zu Gitarren, Keys, Bass und Schlagzeug gelegentlich ein Hauch von Mandoline, Banjo, Mellotron und Strings gesellt. „Ich glaube, mein Songwriting ist im Laufe der Zeit immer reduzierter geworden“, sagt Watt. „Ich liebe es, eine Geschichte auf die einfachste Art und Weise zu erzählen oder ein Gefühl auf die einfachste Art und Weise zu vermitteln, ohne zu viel Schnickschnack.“

Als Schlagzeuger gestartet, begann Blake Watt seinen Weg zu den Liedern dieses ersten Family Stereo-Albums, als er mit 15 Jahren zur Gitarre griff. Beeinflusst sei er von Künstlern wie Elliott Smith, John Martyn, Bob Dylan, Neil Young und Adrianne Lenker, schreibt sein Label. Ein Hipster ist dieser Singer-Songwriter also nicht, es geht eher in die klassische Richtung. Dass Watt ein ganz eigenes Profil noch fehlt und manches Lied noch nicht so originell klingt wie bei den großen Vorbildern – geschenkt.

„Es kommt im Moment so viel gute Musik heraus, und es ist ein ziemlich zurückhaltendes Album“, sagt der junge Engländer sympathisch bescheiden. „Aber ich hoffe, dass die Leute ihm etwas Zeit geben. Ich versuche einfach, das Handwerk so gut wie möglich zu erforschen und immer besser zu werden.“ Auf den Nachfolger von The Thread darf man sich also jetzt schon freuen. Und die Eltern werden auch künftig stolz sein auf ihren talentierten Sprössling.

Family Stereo – The Thread
VÖ: 31. Juli 2026, Bella Union
www.familystereo.net
www.facebook.com/p/Family-Stereo-100092487319172

YouTube Video

Werner Herpell

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