JONATHAN BREE – Don’t Call It Love


Foto-© David Romero

Are you feeling like it’s all so alien?
Are you looking for a cosplay heroine?
Screen siren?

Because it all comes down to what you like
What makes your heart beat faster in the night

(Jonathan Bree – Chameleon)

Das Gesicht verhüllt von einer weißen Spandexmaske und einer schwarzen Perücke: Diese gleichzeitig erotisch aufgeladene und distanzierte Aufmachung wurde zu Jonathan Brees Markenzeichen. Der Neuseeländer, der Songs schreibt, seit er neun Jahre alt ist, und einst die Indie-Pop-Gruppe The Brunettes mitbegründete, ist seit 2013 solo unterwegs. 2018 landete er seinen ersten großen Hit mit You’re So Cool, dessen Video auf Youtube viral ging und mehrere Millionen Aufrufe erreichte. Darin trugen er und seine Musiker zum ersten Mal die Masken in einer Art grotesk verzerrter Anspielung auf die Beatles in den 1960er Jahren. Seitdem trägt Bree die Maske bei Live-Auftritten und auch auf dem Cover seines vierten und fünften Albums.

Mit Don’t Call It Love legt er nun seinen sechsten Longplayer vor. Der Titel klingt dabei fast wie eine Warnung: Bloß nicht zu schnell Gefühle entwickeln. Das Cover ist diesmal kein verhülltes Gesicht, sondern im Gegenteil ein fast enthüllter Hintern, geziert von Strapsen und mit Lederhandschuhen bedeckten Händen. Die Botschaft ist eindeutig: Es wird lasziv.

Disappear eröffnet das Album mit einem hypnotischen Drumbeat und schnarrenden Synth- und E-Gitarren-Riffs, die direkt in ihren Bann ziehen, als würde man einen dunklen Club betreten. Brees Gesang erinnert stark an die 80er Jahre und besonders an David Bowie mit seinem dramatischen, kehligen Vibrato. Die düstere Eleganz hat auch ein bisschen was von Depeche Mode, was der zweite Track Chameleon mit seinen sirenenartig heulenden Synths und dem düsteren Groove noch mehr betont. Die Vocals von Gastsängerin Bambi, fast flüsternd vorgetragen, bohren sich unter die Haut, und in typischer 80er-Manier gibt es auch das obligatorische Bass-Solo und einige Fetzen Französisch. Die Songs verbreiten eine atmosphärische Stimmung wie bei Kavinsky oder M83, zu der man nachts auf einsamen Straßen herumkurven könnte.

Nach diesen Openern wird das Album allerdings etwas eintönig, die Tracks bleiben zwar hypnotisch, es passiert aber einfach nicht mehr soviel. Live To Dance beeindruckt noch mit seiner ausdrucksstarken Bassline, die den zurückhaltenden Call-and-Response-Gesang von Bree und Gastsängerin Princess Chelsea kontrastiert, und Medicine ist schön abgehoben und schwurbelig-psychedelisch, aber ansonsten zieht fast kein Song das Tempo an oder sticht hervor. Nur Part-time Lover bringt eine andere Stimmung rein mit einer gewissen Leichtigkeit und melancholischen, subtilen Synths, und Don’t Call It Love hebt sich vielleicht noch am ehesten von der Masse ab mit seinem kühlen, aber federnden Groove und den schneidenden Vocals von Adah Dylan.

Don’t Call It Love ist ein Album für eine ganz bestimmte Atmosphäre, nämlich als perfektes Setting für einen coolen, düsteren, lasziven 80ies-Club. Als Soundtrack dafür funktioniert es hervorragend, auch wenn das Tempo der Songs irgendwann einschläfernd wird. Wer auf diesen Stil nicht steht, wird wohl nicht viel mit dem Longplayer anfangen können; insgesamt ist er gut gemacht, aber wenig abwechslungsreich. Das Album wird seinem Titel ironischerweise gerecht: Liebe kann man es nicht nennen, aber zumindest gespanntes Interesse, ob der Mann hinter der Maske mit den nächsten Werken vielleicht noch mehr Experimente wagt und sich tiefer in die Karten blicken lässt.

Jonathan Bree – Don’t Call It Love
VÖ: 28. August 2026, Lil‘ Chief Records
www.jonathanbreemusic.com
www.facebook.com/jonathanbree666

YouTube Video

Tamara Plempe

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