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Veröffentlicht am 15.03.2010 | von Gianna Slomka

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KRISTOF MAGNUSSON – Das War Ich Nicht

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„Nun wurde alles besser. Beruflich. Gab bestimmt auch eine Zeit für das Privatleben. Frau. Kind. Später. Ich war erst 31. Zwischen 30 und 40 muss man brennen.“

So sieht Jasper Lüdemann sein Leben zu Beginn der Geschichte, die Kristof Magnusson in seinem neuen Roman Das war ich nicht erzählt. Er arbeitet als Trader bei einer großen Bank in Chicago und nach einer Fortbildung glaubt er, dass seinem Aufstieg innerhalb der Bank nichts mehr im Wege steht. Doch er verspekuliert sich gehörig und muss feststellen, dass es wichtigere Dinge gibt im Leben als zu „brennen“. Zum Beispiel diese faszinierende Frau, die er in seinem Stammcafe getroffen hat. Zeitgleich wird dem gealterten Bestsellerautor Henry LaMarck klar, dass er nicht mehr schreiben kann und er versucht vor seinem eigenen Leben zu fliehen. Als er dann aber das Foto des scheinbar verzweifelten Bankers Lüdemann in der Zeitung sieht, scheint er wieder inspiriert zu sein und geht auf die Suche nach dem „business boy„. Und seine Übersetzerin Meike geht auf die Suche nach LaMarck selbst, denn auch sie ist vor ihrem Leben in Hamburg geflohen und auf sein neues Manuskript angewiesen, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Und das nicht nur finanziell. So kreuzen sich die Wege der drei in Chicago und bis sie begreifen, dass sie sich alle gegenseitig auf die eine oder andere Weise brauchen, bricht auch schon der Schlamassel des Finanzmarktes über sie herein.

Magnusson beschreibt in Das war ich nicht drei gänzlich verschiedene Persönlichkeiten, die sich zunächst nicht richtig miteinander beschäftigen wollen und dann feststellen, dass sie aufeinander angewiesen sind, um aus ihren persönlichen Krisen herauszufinden. Da drei Sichtweisen in einem Buch verwebt sind, kann Magnusson immer, wenn es ein wenig dröge wird im Leben des einen, zum nächsten wechseln. So erfährt man zwar viel über Jasper, den Banker, und seine Arbeit im besonderen, doch es liest sich zum Glück meistens nicht wie der Wirtschaftsteil der Zeitung. Und auch Meike, die durch die Entscheidungen, die sie im Laufe des Buches trifft, etwas anstrengend wird, kann man durch die kürzeren Episoden ertragen. Für mich persönlich ist sie eine Figur, bei der man nicht begreift warum sie plötzlich ihr Leben komplett über den Haufen wirft und die man deshalb gerne mal an den Schultern packen und schütteln würde. Je mehr man allerdings von ihr erfährt, desto deutlicher wird, dass sie schon seit langer Zeit auf diesen Punkt zugesteuert hat, und nun selbst begreift, wie dumm das war. Mit Henry LaMarck zeigt Magnusson, dass auch 60-jährige Bestsellerautoren Probleme haben, obwohl sie Millionen auf dem Konto liegen haben. Und dass Alter manchmal auch nicht vor Dummheit schützt.

Vorallem den letzten Teil des Buches hätte ich so nicht erwartet, aber das macht ja ein gutes Buch aus. Ein erfrischender, lustiger und manchmal irgendwie verdrehter Roman, der super in die Zeiten der Finanzkrise passt. Von mir erhält er definitiv ein lesenswert.

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Kristof Magnusson, Das war ich nicht
Verlag Antje Kunstmann, 2010
ca 300 Seiten, gebunden
€ 19,90
ISBN 978-3-88897-582-0

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