Filmnews Enter The Void - Filmkritik

Veröffentlicht am 29.11.2011 | von Fred

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ENTER THE VOID – Filmkritik

Enter The Void - Filmkritik

Alex: You know what this reminds me?
Oscar: What?
Alex: Smoking. It reminds me of sucking on my mother’s nipples. Best thing in my life.
Oscar: Yeah, freak… When is this acid gonna be hitting me?

ENTER

An Gaspar Noé scheiden sich die Geister. Von seinen Fans als grenzüberschreitender Visionär gelobt und von seinen Kritikern als menschenverachtender Filmemacher verschrien. Was man dem Franzosen jedoch nicht absprechen kann, ist eine avantgardistische Experimentierfreudigkeit und der Mut zur existenzialistischen Auslotung des Films. Und so ist auch sein drittes Machwerk ‚Enter the Void‚ ein Film, der mit cineastischen Konventionen bricht und Kunst schafft.

Oscar (Nathaniel Brown) lebt mit seiner Schwester Linda (Paz de la Huerte) in Tokio. Er dealt mit Drogen, sie arbeitet als Stripperin. Ein letztes Mal sieht man die Geschwister von dem Balkon eines düster-entrückten Apartments in Tokios befremdlich zitternden Neonschein starren. Danach begibt sich Oscar auf einen Trip. Auf der Droge DMT halluzinierend findet man ihn auf seinem Bett. Schweißgebadet wird er durch Kumpel Alex (Cyril Roy) aufgescheucht. Ein wichtiger Drogendeal wartet. Oscar folgt träge dem weisenden Alex und lauscht währenddessen seinen Ausführungen über das tibetanische Buch der Toten. Übergabeort ist die Spelunke The Void. Hier wartet jedoch ein Hinterhalt auf Oscar, der von Pistolenkugeln durchbohrt zu Boden sinkt. Oscars Seele entledigt sich seines Körpers. Im Todeskampf erinnert er sich an sein Versprechen an Linda. Sie niemals alleine zu lassen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen ineinander. Eine transzendentale Irrfahrt beginnt.

In den nächsten zwei Stunden wird der Zuschauer mit einem Feuerwerk aus fraktal- und fragmenthaften Ereignissen aus Oscars Leben und Zukunft konfrontiert. Friedvolle Momente aus der Kindheit oder jüngeren Vergangenheit wechseln sich, manchmal auch in einer einzigen Montage, mit schockierenden Vorfällen ab. Die enge Verbindung zu seiner Schwester wird erläutert. Das Leid Lindas nach der Nachricht vom Tod ihres Bruders wird subjektiv wahrgenommen, bevor man in dessen Vergangenheit abtaucht und Zeuge von unangenehmen Erinnerungen wird. Erlebnisse, die einer sprichwörtlichen Hölle gleichen, werden quasi miterlebt. Jegliche Ereignisse werden stumpf dargestellt und erinnern in ihrer Objektivität an eine Dokumentation. Einen Spannungsbogen im klassischen Sinne gibt es nicht, denn Oscar ist tot. Der Pistolenschuss beendete die weitere Entwicklung seines Lebens und damit auch die der Story. Spannung entsteht durch die Auseinandersetzung mit dem visuell gezeigten. Überall strobt, blitzt, wabert und vibriert es. Sowohl neon-grell überzeichnete, als auch grau-braun realistische Farbräume finden ihren Platz. Nur eine Vorraussetzung muss erfüllt sein: der Hang zu Extremen. Vor allem optisch ist ‚Enter the Void‘ ein extremer Film, aber gleichsam eine Erfahrung. Gaspar Noé sagte in einem Interview, dass ‚Enter the Void‘ der Versuch sei, den Trip, der durch das südamerikanische Halluzinogen ‚Ayahuasca‘ erzeugt wird, umzusetzen.

Gaspar Noés ‚Enter The Void‘ ist ein bemerkenswerter und mutiger Film. Ein Meisterwerk, das seinen Zuschauern nichts schenkt. Mit seinen zweieinhalb Stunden ist dieser auf Film gebannte Nekrolog eine halluzinierende Erfahrung, die mit Worten nur fehlerhaft zu beschreiben ist. Es geht bei ‚Enter the Void‘ nicht darum, die Geschehnisse auf der Leinwand zu verstehen oder gar nachzuvollziehen, denn wie bei jedem Drogentrip muss hier Mut zum Rausch beweisen und Logik ausgeschaltet werden.

THE VOID

Enter The Void (Frankreich)
Regie: Gaspar Noé
Darsteller: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta, Cyril Roy
DVD-VÖ: 20.Mai 2011, Alive

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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