Film

Veröffentlicht am 26.11.2011 | von Dominik

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NAOKOS LÄCHELN – Filmkritik

Wenn ich dir eine Wunde zugefügt habe, dann ist das nicht allein deine Wunde, sondern auch meine.

(Naoko – Naokos Lächeln)

Roman-Verfilmungen haben es zumeist schwer: gar unmöglich ist es ausufernde Beschreibungen mit den, durch Gewohnheit gesetzten, zeitlichen Begrenzungen des Mediums Film bzw. die Vision einiger mit der Phantasie vieler so abzugleichen, dass das Produkt letztlich als zufriedenstellend angesehen werden kann. Eine sehr schwierige Aufgabe also, gerade im Fall von ‚Naokos Lächeln‚, dem bekanntesten Besteller des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami, wurde dieser doch weltweit mehr als 13 Millionen Mal verkauft. Regisseur und Drehbuchautor Trần Anh Hùng (‚Der Duft der grünen Papaya‚) nahm sich dieser trotzdem an.

Nach dem Selbstmord seines besten Freundes Kizuki flüchtet der junge Toru Watanabe (Ken’ichi Matsuyama) völlig verstört nach Tokio, wo sich der Einzelgänger mit dem Studium der Theaterwissenschaften mehr beschäftigt, als darin aufzugehen. Vielmehr als die Vorlesungen, genießt er das Lesen von klassischer Literatur, zurückgezogen im Studentenwohnheim, während seine Kommilitonen auf die Straßen gehen, um das Establishment zu stürzen. Als er durch einen Zufall auf Naoko (Rinko Kikuchi), die ehemalige Freundin Kizukis, trifft, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, vielleicht gar Liebe, zwischen den beiden, die unter dem selben Verlust leiden. Doch nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht, verschwindet Naoko, wie sich herausstellt aufgrund eines Nervenzusammenbruchs, und lebt fortan in einer Nervenheilanstalt.

Torus Leben verfällt daraufhin in einen Schlaf aus Einsamkeit, Arbeiten und gelegentlichen Aufreißtouren mit seinem einzigen Freund Nagasawa – bis Midori (Kiko Mizuhara) in sein Leben tritt und es mit ihrer ungestümen und impulsiven Art durcheinander wirbelt. Trotz ihrer Avancen und der ausweglosen Situation mit Naoko, bleibt Toru standhaft. Jedoch beschleicht ihn langsam die Ahnung, dass das Leben für die beiden Hinterbliebenen nie wieder so unbeschwert sein wird, wie es vor dem Tod ihres Freundes einmal war.

Regisseur Trần Anh Hùng scheint in dem Wissen, einen 416-Seiten Roman nie adäquat verfilmen zu können, an die Aufgabe ‚Naokos Lächeln‘ herangegangen zu sein. Vielmehr wirkt seine Adaption zu beginn wie ein Stöbern durch die Seiten: Personen erscheinen und gehen, als Zuschauer bleibt man unbeteiligt und sucht die Tiefe in den Charakteren, die Zusammenhänge zwischen den Situationen und vermisst die Brillanz der Vorlage. Gar fragt man sich, wie man überhaupt ohne die Vorkenntnis jener, die Geschehnisse richtig einzuordnen vermag, kratzt das Ganze doch noch nicht mal an der Oberfläche des Romans. Vielmehr verliert sich der Film in schönen Einstellungen, der Schönheit der Kulissen und überhaupt der Inszenierung an sich, die sich ruckartig von Szene zu Szene, in einer Unmenge an Schnitten hangelt, bis Naoko und Midori ins Leben von Toru treten und die Schnitte weniger und das Geschehen schlüssiger wird. Dann erst entfaltet sich die Ganze Kunst der Macher und ihr Werk ergeht sich zum Ende hin fesselnd in einer Tour de Force, um einen letztlich mit gemischten Gefühlen zurückzulassen.

Noruwei no Mori (Jap 2010)
Regie: Trần Anh Hùng
Darsteller: Ken’ichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Reika Kirishima, Kengo Kora, Eriko Hatsune, Tetsuji Tamayama
DVD-VÖ: 18. November 2011, Alive
http://naoko.pandorafilm.de

httpvh://www.youtube.com/watch?v=BzN511xmUic

In Zusammenarbeit mit Alive verlosen wir drei Exemplare der DVD zu ‚Naokos Lächeln‘. Wer gewinnen will, schreibt uns bis zum 10. Dezember eine Mail mit seiner Adresse und dem Betreff ‚Naokos Lächeln‘ an gewinnen@bedroomdisco.de. Wir wünschen viel Glück!

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