Buchvorstellung

Veröffentlicht am 29.12.2011 | von Jenny

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JOHN IRVING – Das Hotel New Hampshire

Es gibt Romane, die kann man guten Gewissens weiterempfehlen, weil sie unterhalten. Des Weiteren Romane, die sind Wegweiser in aktuellen Lebenslage. Dann gibt es noch diese persönlichen Meisterwerke, die niemanden vorenthalten werden sollten, die beides zugleich sind, die man allerdings am Liebsten trotzdem nur zögerlich weiterempfehlen möchte, da man so viel Freude beim Lesen empfindet, dass das Buch eigentlich ein persönlicher Geheimtipp bleiben soll.

So auch eines der zahlreichen Bücher von John Irving, der durch Werke wie ‚Gottes Werk und Teufels Beitrag‚ internationale Resonanz erfahren hat und somit wiederum auch nicht als Geheimtipp im eigentlichen Sinne zu verstehen ist.

Unbedingt empfehlenswert ist ‚Das Hotel New Hampshire‚, das zugleich unheimlich traurig und lustig ist. Die Geschichte handelt von der Familie um Win Berry, die, mit fortschreitender Seitenzahl, mal aus neun, mal aus fünf Familienmitgliedern besteht. Oder sechs. Je nachdem ob man Kummer dazu zählt oder nicht. Das kann man nie so konkret sagen, da man sich beim Lesen eines besonders gewiss sein sollte: Kummer wartet überall, an jeder Ecke. Schwimmt oben auf. Aber bis es erstmal soweit ist leidet der Hund – zum Ärgernis aller Familienmitglieder – an Flatulenz im Endstadium.

Der Titel gibt bereits einen Hinweis darauf, das der Ort der Handlungen ‚Das Hotel New Hampshire‘ ist. Hierbei wird nicht nur ein Hotelkomplex sehr bildlich geschildert, vielmehr sind es gleich drei Hotels, die die Familie zu unterschiedlichen Phasen ihres Lebens bewohnt. Mal steht es irgendwo in der Pampa eines alten Schulgeländes in Maine, mal in Wien und wird von irren Radikalen (oder radikalen Irren) und Prostituierten bewohnt, und zuletzt in New York.

Neben den immer wiederkehrenden Motiven in John Irvings Büchern wie Ringern, sexuell-irritierenden Konstellationen wie die Geschwisterliebe und Bären, überzeugt dieses Meisterwerk durch die liebevoll ausstaffierten Charaktere. Jeder einzelne der Protagonisten hat Schwächen oder unkonventionelle Vorlieben, die unverblümt aufgezeigt werden und dazu führen, dass man Empathie und Verständnis für sie entwickelt. Wunderbar. Urkomisch. Brilliant.

Fast möchte man dem Leser raten, sich nicht zu sehr in die Geschichte zu vertiefen, hat man doch mit dem Lesen der letzten Seite das Gefühl, eine sehr liebgewonnene Austauschfamilie nach langer Zeit für immer zu verlassen.

Das Hotel New Hampshire von John Irving
596 Seiten
ISBN: 978-3257211948
Diogenes Verlag, 1. Januar 1984 (33. Auflage)
12,90 €


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