Film

Veröffentlicht am 9.03.2012 | von Benjamin

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DIE LIEBESFÄLSCHER – Filmkritik

Ich gehe jetzt ein Risiko ein – möchten Sie meinen Lieblingswitz hören?

(James Miller – Die Liebesfälscher)

Die Liebesfälscher‚ – was übrigens eine sehr unzutreffende Übersetzung des französischen Titels ‚Copie conforme‚ ist – folgt einem Paar, das eigentlich noch keines ist. Zumindest macht es den Anschein, als wären die beiden erst drauf und dran, sich ineinander zu verlieben.

Die namenlose Protagonistin, grandios gespielt von Juliette Binoche, was ihr die Goldene Palme bescherte, verfällt dem Charme des englischen Buchautors James Miller (gespielt von Opernsänger William Shimell), während er auf Lesereise in der Toskana die Übersetzung seines Buche bewirbt. Das Buch argumentiert für die Aufwertung der Kopie in der Kunst gegenüber dem Original. Als Kunsthändlerin kann die weibliche Figur zunächst noch professionelles Interesse vorgeben, doch schnell ist sie durchschaut.

Also sich die Kunstexperten auf einen Ausflug ins Umland begeben, geht es eigentlich nur darum, Zeit miteinander zu verbringen und doch ist der Ort an den sie fahren bedeutungsvoll aufgeladen, denn er ist berühmt dafür, dass Paare von weit her dorthin kommen, um zu heiraten. Mit den Paaren konfrontiert, verschwindet die anfängliche Leichtigkeit des Kennenlernens. Sie sehen sich bedroht durch die Zeit, die das euphorische Gefühl der Verliebtheit gefährdet. So lassen sich die beiden auf ein Spiel ein: Sie imaginieren sich eine 15-jährige Ehe und lassen sich treiben von der Phantasie.

Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Obwohl man die beiden nie aus den Augen verliert, zweifelt man bald daran, ob sie sich tatsächlich erst kennenlernen oder ob sie nicht doch schon eine gemeinsame Vergangenheit teilen. Sie erstellen eine Kopie, zu der es kein Original gibt. Noch nicht! Das ist die Hoffnung, die bleibt nach den zwei Stunden, die man nahe an den Figuren verbringt.

Abbas Kiarostamis inszeniert hier einen rätselhaftes Meisterstück. Vielschichtig und artefiziell, so wie das Geschäft der Figuren, ist auch dieser Film. Er zeigt die Fragilität des Moments, in dem wir versuchen, ganz wir selbst zu sein.

Copie conforme (FRA 2010)
Regisseur: Abbas Kiarostamis
Darsteller: Juliette Binoche, William Shimell
DVD-VÖ: 24. Februar 2012, Alamode Film

httpvh://www.youtube.com/watch?v=noN88co3cVU

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