Musik no image

Veröffentlicht am 10.07.2012 | von Monya

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WHITE RABBITS – Milk Famous

Are you alive
And are you free
You look so surprised
I got what you need but you can’t be sure
That I won’t run away

(White Rabbits – Are You Free)

Zurück in die Zukunft: Das dritte Album der White Rabbits, ‚Milk Famous‚, bläst einem das Hirn weg auf einer Reise, die in unbekannte Jahrzehnte führt und ihren Drive aus den 80ern zieht. Beeindruckend und verwirrend gleichermaßen, werden hier psychedelische, verzerrte, teilweise jazzige Elemente zu Indie-Rock kombiniert, der es allen Umständen zuwider schafft, eingängig und letztendlich durchschaubar zu sein. Schürfende Gitarren, rhythmische Wirrheit und experimentelle, fast spirituell anmutende Melodien unterwerfen sich doch irgendwie einer ungeahnten Ordnung. Dass White Rabbits im Dunstkreis von Spoon verkehren, klingt auch bei der neuen Platte durch, bei der man sich deren Produzent Mike McCarthy einlud. Es ist nicht zu überhören, wieviel Arbeit man in die Produktion von ‚Milk Famous‘ gesteckt hat – wahrscheinlich ein Muss, denn wie sonst könnte so viel Geklimper und elektronisches Geklapper berühmte Milch ergeben? Haha. Sorry dafür…

Die Instrumentation klingt teilweise nach einem Insektenschwarm aus Metall; in Verbindung mit oft dissonant angeschärften Akkorden, die die schon erwähnte Spoon-Referenz heraufbeschwören, erzeugt dies beim Hören eine gewisse innere Unruhe. Die wird durch viel abgespacetes Falsett und eine schüchterne Coolness im Gesang gebändigt, findet hier ihre Struktur und positive Energie. So oder so ähnlich hört sich das schon beim ersten Song ‚Heavy Metal‚ an. Bezeichnend ist die durchgehende Wiederholung einer Melodie, die sich ein wenig nach diesen Momenten in Horrorfilmen anfühlt, wenn sich etwas Abartiges anbahnt. So Abartig ist das, was sich im Song letztlich anbahnt, dann jedoch gar nicht und ‚Heavy Metal‘ bleibt in Erinnerung als eine abgeklärte, poppige Nummer mit herrlich rauen, schneidenden Gitarrensounds.

Erfrischend ist ‚Temporary‚, das unheimlich groovt und gleichzeitig sehr schroff ist. ‚Are You Free‚ und ‚It’s Frightening‚ vereinen den markant abgehackten Rhythmus, der sich durch das Album zieht, mit minimalistischen Melodien. ‚It’s Frightening‘ mutet hierbei verträumt und nett an, während ‚Are You Free‘ rockig ist und dabei stellenweise fast schon ein bisschen nach Black Rebel Motorcycle Club klingt, nur mit hohem statt tiefem Gesang. In diese Richtung (und noch weiter) geht dann auch ‚Danny Come Inside‚, denn das ist sehr… nennen wir es mal „sexy“. Bei ‚Back For More‚ – das äußerst catchy ist – wird spürbar, dass das Album in der zweiten Hälfte greifbarere Hits zu bieten hat. Diese Feststellung wird bestätigt durch ‚The Day You Won The War‚ und das ruhige ‚I Had It Coming‚, das, passend zum generellen Eindruck des Albums, ein bisschen wie eine Raumfahrt wirkt. Diese Band schafft es, unglaublich abwechslungsreich in ihrer Monotonie aus Mustern und Wiederholungen zu sein.

‚Milk Famous‘ rügt Kritiker und Musiknerds, lächelt weise und etwas benebelt von oben herab und macht ihnen klar, dass White Rabbits mehr als eine ewige Vorband und zu Beeindruckendem, Interessantem und Frischem in der Lage sind. Die elf Songs klingen, als würden sie sagen: Wem das Album nicht gefällt, der ist einfach zu doof dafür. Dem hat schon etwas anderes das Hirn weggeblasen. Der kann sich nur nicht darauf einlassen, spontan zurück in die Zukunft zu fahren, denn es ist ihm zu riskant. Pech gehabt.

White Rabbits – Milk Famous
VÖ: 9. März 2012, Mute
http://whiterabbitsmusic.com
www.facebook.com/whiterabbits

httpvh://youtu.be/OQ7Bc-nrplw

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