Musik

Veröffentlicht am 17.08.2012 | von Dominik

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YEASAYER – Fragrant World

We will live on forever!

(Yeasayer – Henrietta)

Mit ihrem 2010er Album ‚Odd Blood‚ unternahm das Trio Yeasayer den Sprung in die Wahrnehmung vieler Menschen, trotz oder gerade auch aufgrund ihres außergewöhnlichen Klangs, der auf Albenlänge allerdings auch abschreckend wirken kann. Heute schieben die US-Amerikaner ihr drittes Album ‚Fragrant World‚ nach und beweisen damit, dass sie sich nicht verbiegen lassen und trotzdem für den ein oder anderen formidablen Hit gut sind.

Fingers Never Bleed‚ ist dann auch gleich einer dieser Sorte. Während im Hintergrund diverse Samples und Sounds sich um die perkussive Rhythmusarbeit duellieren, legt sich die Stimme von Chris Keating beruhigend über das hypnotische Gewirr von Synths und Samples. Man könnte es intelligenten Pop nennen, auf jeden Fall kann man sich an diesem Song so schnell nicht satt hören. ‚Longevity‚ funktioniert etwas schleichender und R&B-lastiger, verursacht dabei etwas weniger Euphorie, ohne aber komplett abzufallen. Bei ‚Blue Paper‚ übernimmt dann Gitarrist und zweite Yeasayer-Stimme Anand Wilder den Gesangspart. Ein bisschen hört sich das nach Hot Chip an, mitsamt Gitarreneinsatz, der auf dem dritten Album der Band noch weiter zugunsten der Synthies reduziert wurde.

Gewohnt vielschichtig kommt auch die erste Single der Platte daher, wobei ‚Henrietta‚ sich zur Mitte hin eine Pause gönnt, zum lautesten Part zu kollabieren scheint und sich von einer einzelnen Synth-Fläche nach und nach wieder aufbaut, wobei auch der ein oder andere Stimm-Effekt aufgefahren wird. ‚Devil And The Deed‚ versammelt dann noch mal alle schiefen Töne und wilden Ideen des Albums in einen etwas schwer zu verdauenden Song. Ähnlich verhält es sich auch beim darauffolgenden ‚No Bones‚, der irgendwo zwischen Fischerspooner-experimentell und Beats mit Kitsch-Synths einzuordnen ist.

Reagan’s Skeleton‚ ist dagegen leichte Pop-Kost, beschwingt, zugänglich, tanzbar und dabei unbeschreiblich gut. ‚Folk Hero Shtick‚ bemüht sich dann wieder, um wirre Soundexperimente, leiernde Flächen, Flöten und überhaupt wirkt der Song, als sei man gerade auf einem schlechten Trip. ‚Glass Of The Microscope‚ fährt dann zum Ende der Plätte das Sound-Wirrwar etwas zurück, gibt sich etwas mystischer und hat dafür noch mal einige Stimm-Effekte, die Keatings Stimme bis zur Unkenntlichkeit verfälschen, zu bieten.

Yeasayer werden nie gradlinige, einheitliche Alben machen. Zu verspielt und experimentell geben sich die drei Bandmitglieder im Bezug auf ihren Sound – was sicherlich nichts schlechtes ist, beinhaltet doch auch ‚Fragrant World‘ wieder einige Songs von hypnotischer Schönheit, am Rande des Pop-Genres. Daneben gibt es aber auch immer eine gehörige Portion wilder Ideen, was nicht jedermanns Sache sein wird. Wer sich allerdings an das neuste Yeasayer-Album traut, wird mit einer Platte belohnt, die alles ist – nur nicht langweilig!

Yeasayer – Fragrant World
VÖ: 17. August 2012, Mute
http://yeasayer.net
www.facebook.com/yeasayer

YEASAYER-Longevity from Jason Foster on Vimeo.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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