Musik

Veröffentlicht am 24.10.2012 | von Benjamin

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BS1 – Rust EP

Die neueste, auf dem Boysnoize Records Sublabel Trax erschienene EP stammt von dem gemischtgeschlechtlichen, italienischen Duo BS1 und trägt den sehr bezeichnenden Titel ‚Rust‚, dem man zugleich das bisher schönste Artwork der Reihe zu verdanken hat. In seiner gestalterischen Schönheit, die thematisch zum Titeltrack der Platte passt, erschöpft sich allerdings die Aussage des Covers keinesfalls. Vielmehr wird hier visualisiert, was auch auf musikalischer Ebene zu erkennen ist. Der erste Aspekt, den das Artwork verspricht und sofort ins Auge fällt, ist dabei natürlich eine gewisse Vielschichtigkeit, die nicht nur ein optisches Versprechen bleibt, sondern auch eingeholt wird mit den drei Tracks der EP.

Gold Rush‚ baut beispielsweise eine Spannung auf zwischen einer groovigen, massiv drückenden Bassline und Tunes, die eher an zerrig verspielte Electro-Sounds erinnern, doch im Zusammenspiel dann doch eine Deephouse-Nummer ergeben. Schon hier deutet sich mit diesem Genregrenzen- austestenden Gestus etwas an, was momentan in der ambitionierten elektronischen Musik in der Luft liegt. ‚The Need‚ erweckt zunächst den Anschein, als würde das Stück sich noch weiter in Richtung House bewegen, nachdem es der pumpenden Kickdrum ein gepitchtes, weibliches Vocal hinzufügt und diese Kombination um flirrend-melodiöse Glockenspiele erweitert. Zwar kehrt das Stück immer wieder zu diesem Thema zurück, doch zwischendurch zerfällt dieses Arrangement wieder in den Rhythmus dekonstruierender, rauer Technopassagen. Diese bereiten wiederum auf ‚The Rust‚ vor, den eigentlichen Höhepunkt der Platte. Hier übernimmt der technoide 4/4 Takt die Oberhand, gemeinsam mit Claps, Hi-Hats und einer guten Portion LFO Synth.

Was diese EP aber vor allem so spannend macht – und hier kann man nun wieder zum Motiv des Rosts zurückkommen – ist die unterschwellige Spannung, die durch jene Elemente erzeugt wird, die eben an Electro und vielleicht sogar noch etwas an Rave erinnern – diese fast schon überkommenen Versatzstücke, die gleichzeitig vertraut wirken und dennoch befremdlich sind in den Tracks, da hier schon neue Töne angeschlagen werden à la New (Jack) Techno. Genau zu dieser Spannung passt das Bild vom Rost: Altes reagiert und oxidiert, wird rauer und brüchiger bis es etwas bisher Unsichtbares, aber doch schon Angelegtes zuerst nur durchschimmern lässt und von diesem dann ganz abgelöst oder abgestoßen wird. Zeitgemäßer Techno trifft auf seine Vorgänger.

Nach ihrem bereits gelungenem Debüt ‚Be As One‚ machen BS1 mit dem 23. Release von Trax vor allem eins: kluge, spannende und dennoch keine verkopften Tunes, die sicher jede Clubnacht bereichern. Auch in Berlin muss man sich also keineswegs vor der neuen kanadischen Turbo-Schule verstecken. Alex Ridha beweist erneut sein brilliantes Gespür für junge innovative Produzenten.

BS1 – Rust EP
VÖ: 15.10.2012, BNR TRAX
www.boysnoize.com

 

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