Musik

Veröffentlicht am 13.02.2013 | von Monya

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DELPHIC – Collections

Changes and the danger of
those phases and the love you lost

(Delphic – Changes)

Delphic machen es ihren Fans mit der neuen Platte ‚Collections‚ nicht ganz leicht. Und sie haben es sich selbst nicht leicht gemacht. Der Hype um ihr Debutalbum ‚Acolyte‚ begründete sich vor allem darauf, dass hier mitreißender Indietronic gemacht wurde, der sich so nach dem Jetzt in seiner buntesten Form anhörte. Und doch schlägt die Band aus Manchester nun mit dem zweiten Album eine andere Richtung ein, indem sie sich bewusst ein breiteres musikalisches Spektrum erschließt, neu zu orientieren versucht und dem Trott entflieht, bevor da überhaupt ein Trott war.

Der Opener ‚Of The Young‚ ist durchtränkt mit spannenden, reichlich übereinander gelegten musikalischen Elementen und der Refrain macht den Song wundervoll catchy. Schade ist, dass etwas Härte fehlt in diesem Dunst aus James Cooks sanftem Gesang und den ineinander verschwimmenden Schichten der Instrumentation. Macht aber nichts. Denn mit ‚Baiya‚ folgt ein fetziger, fast kitschig anmutender Sample-80s-Hit, der den ein oder anderen Kick bereithält und beim Zusammenspiel von Geige und funkigem „All hell is breaking loose“-Gesang schonmal die Tanzfläche bohnert. ‚Changes‚ setzt ruhig ein und überrascht dann mit Hip Hop (Rappt Cook hier sogar?! Sowas in der Art, ja!) und R’n’B, immer wieder herrlich mit trashigen Synthieparts gespickt. ‚Atlas‚ versetzt in eine Trance und fühlt sich an wie eine süße, verführerisch duftende Tinktur, der dunkle Kräfte innewohnen. Wieder und wieder kommen Dubstep-Fetzen hinzu, ein etwas verstörender, packender Geräuschpegel schleicht sich an. Der Chorus ruft Erinnerungen an die Band hervor, die Delphic beim ersten Album war, und streckt den Arm sofort wieder nach einem ambitionierten Sammelsurium aus musikalischen Ansätzen aus. Hier funktioniert dies ganz prima. ‚Tears Before Bedtime‚ erzeugt eine bedrückende Ästhetik, mit Mailbox-Einspielern – oder was auch immer die weibliche Stimme da tut – und einem sehnsüchtigen, von Wind und Luft durchdrungenen Gesang. Leider ist spätestens beim Einsetzen eines flehenden und bettelnden 80s-Klischee-Saxophons ein etwas verärgerter Blick in Richtung der Produzenten zu werfen, denn diese glattgeschliffene Auftürmung von tausend Ideen kann auch zu weit gehen. ‚The Sun Also Rises‚ ist im Ansatz ein Hit, den man in den hippen Tanzstuben hipper Viertel hören könnte, im Ganzen dann jedoch arg weinerlich und schwülstig. Das Violinenstakkato im Hintergrund gibt den Rest.

Memeo‚ schafft es dann wieder, auf durchgeplante und etwas durchgedrehte Weise Spaß zu machen. ‚Don’t Let The Dreamers Take You Away‚ und ‚Exotic‚ sind R’n’B und Hip Hop Songs (auf Letzterem hat man sich sogar einen Gastrapper dazugeholt), was ja erst einmal gut und schön ist, dann aber dann letztlich doch einfach nur unschön und ein bisschen flach. Was durchaus spannend sein könnte, bleibt hinter seinen eigenen Erwartungen zurück.

Es wirkt, vor allem gegen Ende der Platte, als hätten Delphic sich etwas verloren in dem Wunsch nach Innovation. Innovation ist auf ‚Collections‘ an einigen Ecken mehr Zölibat und Hochglanz-Produktion als ein unbeschwertes Sich-neu-bedienen an Genres, Ideen und Stilen. Wenn die Leichtigkeit durchkommt und man locker mitgeht, -wippt, -tanzt, dann zeigt das allzu deutlich, wozu diese Band kreativ fähig ist. Sie muss nur noch ihre Mitte finden, etwas innere Ruhe, ein „Ommm“ in Richtung früherer Indietronic-Vibes.

Delphic – Collections
VÖ: 01. Februar 2013, Cooperative Music
www.delphic.cc
www.facebook.com/delphicmusic

httpvh://youtu.be/abu4oTXdFC0

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