Musik

Veröffentlicht am 26.02.2013 | von Monya

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FICTION – The Big Other

Big things,
Giant things,
Sinking with gravity,
Landing with paper wings,
Things not to think about.

(Fiction – Big Things)

Fiction zelebrieren mit ihrem Debutalbum ‚The Big Other‚ den Klang der Achziger, den Klang von The Smiths und David Bowie, von Roxy Music und Joy Division. Es weht der Pathos dieser Zeit durch Synthie und Gesang und es ist geradezu rührend, mit welcher Feinfühligkeit die vier Londoner das, was sie musikalisch rezipieren, mit den aktuellen Indie-Klängen Londons anreichern. Diese sind natürlich auch wieder 80s-inspiriert und durchdrungen von Tribal- und Tropical-Elementen, einem dumpf hallenden Wummerschlagzeug, das klingt, als hätte man eine alte Schallplatte auf die Snare gelegt, und ravigen Synthie-Trash-Spuren. Also wo hört die Nostalgie auf und fängt das Jetzt an? Nirgends, denn dieser Brei ist as British as it gets und das, was nicht nur die Musik, sondern auch das Lebensgefühl der Insel und vor allem deren exzentrischer Hauptstadt ausmacht.

Der Opener ‚Parting Gesture‚ ist schon ein New Wave-Meisterwerk, das mit Gitarrenträllereien im Collegepop-Stil (Vampire Weekend) erweitert wird und den Duktus der 80er im Gesang trägt. Ein Song geprägt von Pausen, verzogenen Gitarren- und wirren Basstönen. ‚Careful‚ ist direkt, wenn der jaulende Synthie einsetzt, ein 80s-Revival wie es im Buche steht. Der Gesang, der mal jugendlich-reißerisch und mal erwachsen, gar versichernd daherkommt, klingt nach einem schmächtigen Körper in einem etwas zu großen, knallbunten Schulterpolster-Jackett. Okay, vielleicht springt beim typischen Achziger-Gesang einfach auch die Pop-Uniform jener Tage in den Kopf, aber ein passendes Bild ist das trotzdessen. ‚Museum‚ flirrt daher und ist das perfekte Beispiel für die sich rhythmisch abwechselnden Instrumente und dynamischen Strukturwechsel in der Musik der Band. ‚Big Things‚ ist so grandios frech und britisch und dürfte sich sofort einen Platz auf der Liste der absoluten Lieblingslieder krallen. Es vereint am eindeutigsten die wahren 80er mit den Mystery Jets-artigen 80er-Anleihen, erinnert an Talking Heads und Metronomy. Es ist definitiv unmöglich, sich hier nicht zu bewegen und wer es doch schafft, in dessen Leben ist das Bunteste wahrscheinlich die Modelleisenbahnlandschaft im Keller. ‚Step Ahead‚ lullt einen ein mit einem hübschen, fetten Reverb auf der Gitarre und einem Harmoniegebilde, das wunderbar verträumt und charmant klingt, fast märchenhaft. Außerdem müssen hier die grandiosen Lyrics erwähnt werden: „If you could teach me to dance like I don’t have the soul of a white man / Like I don’t habe seven left feet“. ‚See Me Walk‚ und ‚Mirror Box‚ sind raffinierte, geschichtete Konstrukte, geometrisch in ihrer Form und weich im Klang – trotz spitzer Akzente durch Rhythmusspiele, den bei Fiction elementaren, zu viel Action befugten Bass und verschrobene Gitarren-und Synthie-Experimente. ‚The Apple‚, der letzte von elf Songs, ist geprägt von dem süßen, über-rhythmischen und flinken Gitarrenspiel, das den Rahmen bildet für die tragische Geschichte des schwulen Mathematikers Alan Turing, dessen Erkenntnisse maßgeblich zur Entwicklung des Computers beitrugen („They said it’s alright / And we can’t let you do that / We can’t let you get away with that / So I took a bite / ‚Cause they’ve been making my mind up / They’ve been making my body into something it’s not“). Ein so wortgewandtes und feinfühliges Lied in einem bunten, glitzernden Gewand.

Fiction ist schon jetzt eine Band, auf die man 2013 ein vor Freude und Rührung tränendes Auge werfen sollte! Außerdem muss man auch unbedingt auf ein Konzert gehen, wenn die Jungs demnächst nach Deutschland kommen – schon alleine, weil es unfair ist, dass Mama ’83 die Smiths live in London gesehen hat. Und da wir die 80er jetzt wie eine bunte Kiste Accessoires behandeln können, aus der wir uns kreativ bedienen dürfen und mit deren Inhalt wir machen können, was wir wollen, ist der Spaß noch viel größer! Ha! Denn zwischen Nostalgie und dem Jetzt ist ganz viel Raum für eine Party – also weg von der Modelleisenbahn.

5von56

Fiction – The Big Other
VÖ: 4. März 2013, Moshi Moshi
http://fictionlondon.com
www.facebook.com/FictionLondon

httpvh://youtu.be/NbU-_sYA4X4

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