Musik

Veröffentlicht am 23.04.2013 | von Lisa

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JUNIP – Junip

What would you say
if you had to leave today?
leave everything behind
even though for once, you’re shining.

Standing on higher ground
when you hear the sounds
you realize it’s just the wind.
And you notice it matters
who and what you let under your skin.

Put to the test
would you step back from the line of fire?
Hold everything back
all emotions set aside it.

(Junip – Line Of Fire)

Als 2005 José Gonzalez mit seinem Cover des The Knife-Songs ‚Heartbeats‚ auf einmal auf der Bildfläche erschien, war die Indiepresse zunächst ein klitzekleines bisschen verwirrt. Schwer einzuordnen war er, der stille Schwede mit dem mexikanischen Namen & Äußeren – allein das schon ein Paradoxon, das nicht zusammenzupassen zu schien. Und dann dieses The Knife-Cover, so reduziert wie es nur sein konnte, und trotzdem so mitreißend, seltsam poetisch, entrückt.

Gonzalez’ reduzierter Folk fand durch den Erfolg der Single durchaus eine Menge Beachtung, sein Debütalbum ‚Veneers‚, bereits 2003 in seiner Heimat Schweden veröffentlicht, fand endlich auch im Rest der Welt Abnehmer, er spielte auf Touren vor ausverkauftem Haus, und ich erinnere mich noch zu gut an das Konzert im Kölner Rheinpark, in dem ein verschüchtertes Männlein bloß mit seiner Stimme und seiner Gitarre eine seltsam liebevolle Stimmung im Publikum auslöste, wie ich sie selten erlebt habe.

Nach dem Soloerfolg konzentrierte er sich auf seine Band Junip, in der er mit den befreundeten Musikern Elias Araya, Tobias Winterkorn seit der Jugendzeit spielte. Junip veröffentlichten noch 2005 eine EP, und wer darauf den romantisch-verzweifelten Gitarrenfolk von Gonzalez’ Soloplatten suchte, tat dies vergebens. Bei Junip trat Gonzalez eher in den Hintergrund, nur seine außergewöhnliche Stimme wies noch auf den selben Künstler hin, ansonsten dominierten geschrammelte Gitarren, Krautrock und verschrobener Indiepop. Es schien, als hätte Gonzalez, dem der Soloruhm nie so wirklich recht zu sein schien, nur darauf gewartet, den eigenen Erfolg als Vehikel für seine eigentliche Leidenschaft, Junip, zu nutzen. Eine Rechnung, die leider nie vollständig aufging.

Nun, nach dem 2010 erschienenen Nachfolger ‚Fields‚, erscheint das dritte Album der Band, schlicht und einfach ‚Junip‚ betitelt. Und an alle, die sich den superspärlichen Sound a la ‚Heartbeats‘ zurückwünschen sei gleich gesagt: diesen sucht man hier bis auf Ausnahmen eher vergeblich. Trotzdem ist ‚Junip‘ ein richtig gutes Album. ‚Line Of Fire‚, der Opener, ist einer der besten Songs dieses spannenden Albums, ein Slowburner, der sich langsam aber dafür umso gewaltiger in den Gehörgang schleicht. Ein krautrockiges Gitarrenstück, das sicherlich auch durch Gonzalez’ besondere Stimme und das daraus erzeugte Gefühl besticht. Aber das Tolle an diesem Song – und vielleicht an Gonzalez’ Musik überhaupt – ist, dass sie in einem immer ein unmittelbares Gefühl erzeugt und meist untrennbar mit bestimmten Momenten und Ereignissen verbunden bleibt. Ich kann noch heute genau sagen, wo ich war, als ich ‚Heartbeats‘ damals das erste Mal hörte. Und ich sehe auch immer noch wehmütig die staubtrockenen Straßen im heißen Kalifornien vor mir, sobald ich einen Song von ‚Veneer‘ oder ‚Fields‘ höre – begleiteten sie mich doch dort immer und immer wieder.

Junip lassen sich hier durchaus auch auf Experimente ein: ‚Your Life Your Call‚ hat das Potential, ein kleiner Indie-Sommerhit zu werden, mit seinen pluckernden Beats, den rythmischen Claps und ohrwurmigem Refrain – ähnlich cool und entspannt wie zuletzt Solange KnowlesLosing You‚ (ein seltsamer Vergleich,und doch passt er irgendwie).

‚Junip‘ wird nicht langweilig, weil kein Song ist wie der andere. Es gibt die poppigen Ohrwürmer die krautrockigen Schrammelsongs, die langsamen Folknummern wie der letzte Song des Albums, ‚After All Is Said And Done‘. Und doch wird alles zusammengehalten von Josés samtiger Stimme, die stets so vertraut wirkt, dass man sich einfach fallenlassen möchte, ohne irgendwelche Vorbehalte zu haben. ‚Junip‘ ist ein Album für die langen Sommerabende, an denen das Licht so golden über die Dächer scheint, dass es einem ganz glücklich und wehmütig zugleich ums Herz wird, aber ‚Junip‘ ist auch ein Album für die grauen Wintertage, die auf den ersten Blick wie verschwendete Zeit wirken, aber dennoch immer einen gewissen Zauber innehaben. So traurig und doch so schön ist ‚Junip‘; und es wird es vielleicht schwerhaben, die ganz breite Masse für sich zu gewinnen, aber für die, die sich drauf einlassen, wird es sich auf jeden Fall lohnen.

Junip – Junip
VÖ: 19. April 2013, City Slang
www.junip.net
www.facebook.com/junipmusic

httpvh://www.youtube.com/watch?v=DYvKXVoAXmg

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