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Veröffentlicht am 23.06.2014 | von Lara

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LANA DEL REY – Ultraviolence

Well, my boyfriend’s in the band
He plays guitar while I sing Lou Reed
I’ve got feathers in my hair
I get down to Beat poetry
And my jazz collection’s rare
I can play almost anything
I’m a Brooklyn baby
I’m a Brooklyn baby

(Lana Del Rey – Brooklyn Baby)

2012 gab es wohl kaum ein größeres Gesprächsthema in der Musikwelt  als Lana Del Rey. Das Pop-Phänomen mit der glamourösen ´Bad Girl- Attitude´ katapultierte sich mit ‚Video Games‘ und ‚Blue Jeans‘ direkt nach oben in die Charts. Obwohl das Debüt ‚Born To Die‚ schließlich gemischt von den Kritikern aufgenommen wurde, ist Lolita Lana aus dem Popkosmos nicht mehr wegzudenken. Zum Glück hat sie sich es anders überlegt, mit der Plattenaufnahme aufzuhören – denn mit dem Nachfolger  ´Ultraviolence´  hat Lana zu sich selbst gefunden.

Im Gegensatz zum Bombast Hip-Hop-Sound von ‚Born To Die‘ dominieren jetzt langsame psychedelische Blues-Arrangements, die dem Vintage-Image der Sängerin viel mehr schmeicheln. Zusammen mit Produzent Dan Auerbach von The Black Keys legt Del Rey nun den Schwerpunkt auf Reduziertheit  ohne an Intensivität einzubüßen. Vielmehr gewinnen die Songs mehr an Authenzität und Stärke, was zum Teil den besseren Lyrics zuzuschreiben ist.

Anders als auf dem Debüt singt Lana selbstbewusster und schwebt nicht immer im Liebesrausch. ´Shared my body and my mind with you, that’s all over now. Did what I had to do, ‚cause you’re so far past me now´, singt sie mit tiefer Stimme auf dem Opener ‚Cruel World‚, der mit Gitarrenriffs den  früheren R´n´B weit hinter sich lässt. ‚Brooklyn Baby‚ ist eine Hommage an ihren Musiker-Boyfriend, der dennoch nicht so cool ist wie sie selbst. Lana, auf einmal die Powerfrau?

Insgesamt bleibt sich Del Rey dennoch textlich treu. Die schmerzhafte Liebe zu ihrem Bad Boyfriend und der ‚American Way of Life‘ sind nach wie vor die Hauptthemen. Der Titeltrack ‚Ultraviolence‚ handelt sogar von häuslicher Gewalt: ´ I can hear sirens, sirens, he hit me and it felt like a kiss. I can hear violins, violins. Give me all of that ultraviolence.´ Hier verkörpert Del Rey die unterworfene Frau, die sich nicht von ihrem Geliebten loslösen kann. Na, hoffentlich basiert der Track nicht auf realen Erfahrungen.

Ähnlich sind auch ‚Sad Girl‚ und ‚Pretty When You Cry‚, auf denen die Sängerin wieder das zerbrechliche Girl Next Door mimt, das ein Faible für Gangstertypen hat. Lana, die Liebestrunkene. Kaum ein Lied ist schneller als eine Ballade; der Fokus liegt vor allem auf dem Gesang, der meistens mit Gitarre, Klavier und langsamen Drums begleitet wird.  Referenzen an die atmosphärischen späten Sechziger sind hier durchgehend anzutreffen und geben der Platte die melancholische Grundstruktur.

Besonders die erste Single ‚West Coast‚ ist ein bluesiger Groover, auf dem Del Rey von der Westküste schwärmt. War sie nicht vorhin noch das coole Brooklyn Baby? Die Sängerin spielt eben gern mit Bildern. Auf ironische Weise setzt sie sich mit ihrer Berühmtheit auf ´Money Power Glory´ auseinander. ´You talk lots about God, freedom comes from the call, but that’s not what this bitch wants, not what I want at all, I want money, power and glory´. Die Sängerin wirkt facettenreicher als noch auf der Debütplatte. Man weiß immer noch nicht ganz, was sie verkörpern will. Das Badgirl? Die Lolita? Die Unterwürfige? Oder das Glamourgirl? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Dass Lana Del Rey jedoch in irgendeiner Weise fake sein soll, ist unzureichend. Sie kokettiert mit all diesen Rollen als Kunstfigur und kreiert dabei mit ihrem Gesang, ihren Texten und ihrem Sound einen fast schon einzigartigen Stil. Album Nummer Zwei zeigt nun einmal mehr, dass sie eine Ausnahmekünstlerin  auf ihre Weise ist.

Lana Del Rey – Ultraviolence
VÖ: 13. Juni 2014, Vertigo Berlin
http://lanadelrey.com/
https://www.facebook.com/lanadelrey

 

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