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Veröffentlicht am 25.01.2016 | von Jonathan Hirschhäuser

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ARCA – Mutant

Soll das Kunst sein? Ist das Avantgarde? Oder drischt da jemand wild auf sein Laptop ein? Arcas zweites Album ‚Mutant‚ ist vor allem eines: anstrengend. Wird man bei komplexer elektronischer Musik zum Beispiel von Aphex Twin oder Flying Lotus mit ein wenig Durchhaltevermögen mit immer neuen Entdeckungen belohnt, wirkt ‚Mutant‘ mit jedem Hören stumpfer und eintöniger. Es scheint, als wolle Alejandro Ghersi, wie Arca bürgerlich heißt, das Außergewöhnliche erzwingen. Das Ergebnis klingt allerdings nicht sehr andersartig als sein Debut ‚Xen‚ aus 2014.

Bis auf ein paar wenige Ausnahmen sind die 20 Tracks alle nach dem gleichen Schema aufgebaut: sphärische Klänge im Hintergrund, die durch Blockbuster-Bässe alle zwei, drei Takte akzentuiert werden, kombiniert mit einem Durcheinander von synthetischen Klängen im Vordergrund. Organische Töne wie beispielsweise der Schrei zu Beginn von ‚Anger‚ werden nach wenigen Sekunden zerstückelt und verschluckt. Die industriellen Geräusche verheddern sich ineinander wie Kopfhörerkabel in der Jackentasche. Eine klare Linie ist nicht zu erkennen. Alles wirkt zusammengewürfelt.

Der entstandene Klangbrei strengt schon beim zweiten, namensgebenden Stück an. Siebeneinhalb Minuten prallen hier ein Mischmasch aus Maschinengewehren, einschlagenden Bomben und R2-D2s Piepen im Dubstepremix auf das Trommelfell des mutigen Hörers. ‚Front Load‚ besitzt als einziger Track eine Art Beat. Das macht ihn gleich griffiger und lässt ihn als einzelnstehenden Song funktionieren. ‚Sirene Interlude‚ im letzten Abschnitt des Albums würde ohne seinen Namen nicht weiter auffallen. Die zu hörenden endzeitlichen Alarmsignale schockieren zu diesem Zeitpunkt des überdimensionierten Albums längst nicht mehr. Wer dennoch den Maschinensex bis zum Schluss durchhält, bekommt mit ‚Peonnies‘ einen gut hörbaren Closer als Belohnung. Der letzte Track zeigt durch gnadenlose Reduktion des sonstigen Sounds und der leisen Ahnung einer Melodie, wohin die Reise hätte gehen können, ohne anspruchslos zu werden. Dass Arca sein Handwerk versteht, merkt man hier deutlich. Andernfalls hätte er auch wohl kaum an den letzten Alben von Björk und Kanye West mitgewirkt.

‚Mutant‘ hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck. Was möglicherweise als Hintergrundmusik für avantgardistische Kunstausstellungen funktioniert, geht als Musikalbum in die Hose. Schade, denn das Potential kann man hören und die Vergangenheit zeigt, dass in elektronischen Genres auch Interpreten mit schwieriger Musik Erfolg haben können.

Bildschirmfoto 2016-01-04 um 22.47.09

Arca – Mutant
VÖ: 20. November 2015, Mute
www.arca1000000.com
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