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Veröffentlicht am 18.01.2016 | von Jana

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ISBELLS – Billy

Isbells - Billy CD-Kritik

Billy was sad boy
He didn’t even know
Until he was old enough
Billy was beautiful
With a heart of gold
Ready to unfold
And now he’s ready, ready to
To leave his pain, his pain for good
And show what he is all about to the world

(Isbells – Billy)

Billy‚ ist ein schönes Album voller Wohlklang, eine Schmeicheleinheit für die Ohren und doch mag man sich nicht darin verlieren. Vielleicht liegt es auch gar nicht an ‚Billy‘ oder den Isbells, dass einem das Ganze seltsam kitschig vorkommt, vielleicht hat sich auch die Musik außen herum geändert. Keine glockenhellen, glasklaren und sanften Gesänge prägen mehr die Jahrescharts. Bands wie Other Lives haben ihr drittes Album herausgebracht und zählen damit auch schon zu den alten Eisen. Auch Bon Iver hat sich in letzter Zeit eher mit Nebenprojekten auf anderen Feldern ausgetobt und selbst der schunkelnde Folkbarde Dan Mangan ist wütend geworden. Die spannenden Acts des letzten Jahres bedienten sich sowieso wieder schrammliger Gitarren und einer lässigen Slacker-Attitüde, anstatt in melancholischen Erinnerungen zu schweben. Die Popwelt dreht sich weiter, während Isbells da weitermachen wo sie vor 4 Jahren mit ‚Stoalin‚ stehengeblieben sind. Ein bisschen glattgebügelter und herausgeputzter vielleicht.

Beständigkeit kann etwas sehr Schönes sein, wenn man sich dennoch behaupten kann. Musik, die aus sich heraus spannend genug ist, braucht keine Hypes und Strömungen. Ob das Isbells mit ‚Billy‘ gelingen kann, muss sich jetzt beweisen. ‚Calling‚ hat da mit seinem getragenen Gesang und seinem atmosphärischen Klirren und Rasseln im Hintergrund gute Voraussetzung, auch gerade weil es eine klassische Songstruktur verneint und so dem Kitsch noch einmal von der Schippe springt. Während ‚I was Told‚, sich dann schon wieder in folkige Glückseeligkeit kuschelt und dabei auch gut einen Weihnachtssong für eine Kutschenfahrt im Schnee abgeben würde. Bei ‚Nothing Goes Away‚ und ‚The Art of Knowing‚ sind es dann leider die elektronischen Beats, die sich nicht wie selbst in den Sound einfügen, sondern eher wie ein etwas zu gewollter Aufwertungsversuch klingen. Wenigstens ‚Hand on the Chest‚ hält dann doch noch eine kleine Überraschung parat, wenn es gegen Ende an Fahrt aufnimmt und die Gitarren auch einmal zerren – dazu ein Chor wie ihn Arcade Fire auf ‚Funeral‚ nicht besser hätten hinbekommen können.

‚Billy‘ ist ein Album über die Kindheit des Sängers Gatean Vandewoudes, über Schüchternheit und Aufbruch. Nicht die schlechtesten Themen für ein Folk Album. Aber haben sich das in letzter Zeit nicht schon ein paar viele gedacht? Auch das wäre an sich noch kein Problem, nur muss es für ein herausragendes Album dann so klingen als wäre es das einzig logische gewesen und zwar auf genau diese Weise. Das Gefühl kommt nur leider nicht immer auf. Ein gutes Folk Album muss nach einer Essenz suchen. Schönklang funktioniert nur da, wo er auf Unbequemes trifft. ‚Billy‘ geht aber jeglicher Bruch ab. Es ist schön, in jeder Ecke, in jedem Moment und Atemzug. Aber auch das kann langweilig sein.

3von5

Isbells – Billy
VÖ: 15. Januar 2016, Zealrecords
www.isbells.be
www.facebook.com/isbells

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