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Veröffentlicht am 23.02.2016 | von Sophia Sailer

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ED TULLETT – Fiancé

Ed Tullett - Fiancé CD-Kritik
Photo-© James Perolls

I know it cannot tier itself
Bliss, a shallow tease in mouth
Oh, the narrow keel of health
Drank a dapper fear, aimed out

(Ed Tullett – Malignant)

Eigentlich ist Ed Tullett so ganz und gar nicht jungfräulich. Denn er ist nicht nur durch den Remix von Bon Iver’s ‚Hinnom TX’ und den von Local Natives’ ‚Bowery’ sondern auch durch seine Zusammenarbeit mit Novo Amor nicht mehr ganz unbekannt in der Indieszene. Uneigentlich betrachtet er sein neues Album ‚Fiancé’ aber trotzdem als sein Debüt. Der in Brighton lebende Künstler legt mit dem selbsternannten Erstwerk also seinen Grundstein, welcher durch harmoniereiche, düstere Klänge, gepaart mit Folkeinflüssen und Falsett-Stimme glänzt.

Tullett schlägt die Brücke zwischen Elektronik und Akustik bereits gekonnt im ersten Song ‚Irredeemer’ und beweist, dass die Mischung gar nicht so abwegig ist, wie sie zunächst scheint. Ruhig, fast zierlich beginnend und dahinplätschernd wartet man auf das Platzen der Seifenblase fast bis zum Ende des Lieds, als der Hörer mit kanon-artigem Gesang belohnt wird, der einen wunderbar bombastischen Gegensatz darstellt. Anschließend wird man dann doch ein wenig vom nervösen Anfang von ‚Malignant’ überrumpelt, der aber bereits nach wenigen Sekunden überwunden ist und durch den Rest des Liedes entschädigt wird. Wie in allen anderen Songs auch, lassen die Lyrics viel Interpretationsspielraum, obwohl sie eigentlich von Sterblichkeit und Krankheit handeln. Da hat sich Tullett keine einfachen Themen zum Gegenstand gemacht, die aber angesichts der melancholischen Musik passend erscheinen.

Wo ‚Canyine’, ‚Kadabre’ und ‚Saint’ durch basslastigen R’n’B und die hohe, glasklare Stimme an the Weeknd und SOHN erinnern, ist ‚Posturer‚ aufgrund der hervorstechenden akustischen Gitarre der folkigste Song der Platte. Dahingegen klingt ‚Ply’ viel dunkler und sphärischer durch die aufgebrochene Songstruktur, dem repetitiven Gesang und der langsam anschwellenden Geräuschkulisse, die mittig abreißt, nur um einen anschließend mit viel Bass und Synthesizer in den Song ‚Are you real’ zu entlassen. Elemente, die sich auch in den meisten anderen Songs der Platte wiederfinden.

Obwohl man sein Muster die Lieder aufzubauen relativ schnell durchstiegen hat, ist es im Großen und Ganzen ein rundes und spannendes Album, das den Titel „Debüt“ angesichts der Veränderungen zum Vorgänger ‚Never Joy‚ durchaus verdient hat – Ed Tullett hat sich praktisch selbst neu erfunden. Der Künstler schafft seinen eigenen Stil und zeigt, dass Musik kein Genre braucht. Wer hätte gedacht, dass Folk und Techno-Elemente eine so hervorragende Mischung abgeben würden? Das Album klingt irgendwie ein bisschen kirchlich, herbstlich, an anderen Stellen düster, atmosphärisch und doch nicht zu schwer durch verspielte elektronische Melodien und lockere Akustik-Gitarre. Funktioniert.

4von5

Ed Tullett – Fiancé
VÖ: 19. Februar 2016, Monotreme
www.edtullett.co.uk
www.facebook.com/edtullett

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