Musik

Veröffentlicht am 11.05.2016 | von Eva-Marie

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RADIOHEAD – A Moon Shaped Pool

Radiohead - A Moon Shaped Pool
Photo-© Alex Lake

Stay in the shadows
Cheer at the gallows
This is a round up
This is a low flying panic attack
Sing a song on the jukebox that goes

Burn the witch
Burn the witch
We know where you live

(Radiohead – Burn The Witch)

Da ist es. ‚A Moon Shaped  Pool‘ haben sie es genannt. Das neue Album von Radiohead. Manche haben schon vor Monaten mit dem Release gerechnet, weil die Bandmitglieder immer wieder uneindeutig eindeutige Kommentare zum Stand der Dinge in Interviews gestreut haben. Letzte Woche wurde es dann endlich konkreter. Also konkret in einem eher unüblichen Sinne, denn erstmal verschwand die Band aus dem Internet, um dann mit ihrem ersten Song ‚Burn The Witch‘ wieder aufzutauchen. Dann folgte ‚Daydreaming‘ und dann am Sonntag endlich die ganze Platte.

So als Fan eine Kritik über die Lieblingsband zu schreiben, ist nicht das einfachste. Aber man kann auch objektiv ausrasten. Seit Sonntagabend gegen 20 Uhr lief das Album bestimmt an die zwanzig Mal. Jedesmal wieder dieser Moment, wenn die Platte mit ‚Burn The Witch‘ beginnt. Außenwelt? Die gibt es bestimmt irgendwo. Hier sind erstmal die neuen cineastischen Radiohead! Nachdem die Vorgängerplatte ‚The King Of Limbs‘ noch wie eine Teilwerk zwischen Yorkes Soloplatten und Atoms For Peace klang, meint man hier eben jene Band zu hören, die damals mit der ‚OK Computer‘ alle Welt umgefegt hat. Die Streicher und das bassige Knarzen als Einstieg lässt einen sofort einen Zusammenhang zu Jonny Greenwoods Nebentätigkeit als Soundtrackbastler vermuten. Vielleicht hat ihnen auch das Komponieren für ‚Spectre‘ so viel Spaß gemacht, dass sie diese Stimmung mit ins Studio genommen haben.

Aufgeputscht durch den Opener, verlangsamt sich der Herzschlag wieder bei ‚Daydreaming‘. Jeder Anschlag des Klaviers ist spürbar, Thom Yorkes Stimme doppelt sich, verschwindet wieder, baut sich von Neuem auf, wird von geisterhaften Streichern umrahmt und endet rückwärts. Und dann ist da auf einmal ‚Desert Island Disk‘. Ist das ein Led Zeppelin Riff, das den Song trägt? Es scheint so, als hätten Radiohead auch vor solch klassischen Einflüssen keinen Halt gemacht und machen sich diesen markanten Sound dennoch zu eigen. Mit ‚Ful Stop‘ dann der nächste Richtungswechsel. In den ersten Sekunden könnte man meinen, dass da ein Prodigy-Song auf einen zukommt, bis im immer dichter und tiefer werdenden Sound der Gesang erklingt und nach etwa drei Minuten ein großartiges Zusammenspiel zwischen Gitarre und Bass folgt.

‚Identikit‘ ist einer der Songs, den Radiohead auch schon vor ein paar Jahren live gespielt haben. Und es ist einer der Songs, der zeigt wie stark Phil Selway am Schlagzeug und Colin Greenwood am Bass zusammen sind. Eben wegen seiner Komplexität ein typischer Radioheadsong, der aber dann doch mit einem unerwarteten chorartigen Moment überrascht, in dem sich zum Ende hin die Gitarre hackt. ‚Present Tense‘ wurde auch bereits live gespielt und war Fans dadurch ebenfalls bekannt; was die meisten aber besonders rühren dürfte, ist, dass es mit diesem Album nun endlich eine Studioaufnahme von ‚True Love Waits‘ gibt. 1995 wurde das Lied zum ersten Mal gespielt und existiert seitdem nur als Liveversion. Bis jetzt. Kannte man ihn vorher als schlichte Piano-Version, bekommt er hier als letzter Song einen komplexeren Anstrich. Es steht nach wie vor das Klavier im Vordergrund, aber es wirkt wie in Watte gepackt.

Manchmal wartet man richtig lange auf Dinge und wenn man sie dann hat, merkt man, dass die Vorfreude das Beste war. Radiohead haben mit ‚A Moon Shaped Pool‘ ein Album aufgenommen, bei dem es sich gut angefühlt hat, darauf zu warten, aber bei dem es sich noch besser anfühlt, es zu hören.

5von5

Radiohead – A Moon Shaped Pool
VÖ: 08. Mai 2016, XL Recordings
www.radiohead.com
www.facebook.com/Radiohead


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