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Veröffentlicht am 10.05.2016 | von Lisa

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ANOHNI – Hopelessness

Anohni - Hopelessness CD-Kritik

You drew lines miles high
In steel or nuclear
The forests of Borneo
White water in your mouth
I don’t want your future
I’ll never return
I’ll be born into the past
I’m never coming home

(Anohni – Why Did You Separate Me From the Earth?)

6 Jahre ist es her, seit wir ein neues Album von Anohni hören durften – damals noch unter dem Namen Antony & The Johnsons veröffentlichte die Britin viele Alben lang eher introvertierte Kammerpopsongs. Doch davon ist 2016 nicht viel übrig geblieben. Zusammen mit den Produzenten Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never, zwei der innovativsten Produzenten der modernen elektronischen Popmusik, hat Anohni unter ihrem neuen Namen mit ‚Hopelessness‚ ein Album geschaffen, das noch lange seinesgleichen suchen wird.

Drone Bomb Me‚, die erste Single aus dem Album, die mit einem fantastischen Video mit Naomi Campbell in der Hauptrolle bereits die Richtung anzeigte, eröffnet das Album direkt mit einem explosiven Statement. Darin versetzt Anohni sich in die Perspektive eines afghanischen Mädchens, das fast schon in freudiger Erwartung seinen Tod durch die feindlichen Bomben erwartet: “Drone bomb me / Blow me from the mountains, and into the sea / Blow me from the side of the mountain / Blow my head off, explode my crystal guts / Lay my purple on the grass…” heiβt es in den schockierend-direkten Lyrics, die Anohni dem Hörer vor bedrohlich-kantigen Synthiebeats ins Ohr croont. Dieser Kontrast zwischen ausnahmslos politisch-aktionistischen Lyrics, hymnischen Elektrobeats und Anohnis souliger, gefühlvoller Stimme ist genau das, was ‚Hopelessness‘ zu einem solch faszinierenden Gesamtkunstwerk macht.

Bestes Beispiel: ‚Watch Me‚, eine vibrierend-eindringliche Hymne gegen den modernen Überwachungsstaat. Mit Anohnis intimen Gesang zu wabernd-atmosphärischen Beats spiegelt die musikalische Umsetzung einen faszinierenden Kontrast zu den Lyrics, die die konstante Überwachung eines jeden modernen Bürgers anprangert: “Watch me in hotel room / Watch my outline as I move from city to city / Watch me watching pornography / Watch my talking to my friends and my family / I know you love me / ‘Cause you’re always watching me…

4 Degrees‚, der vielleicht eingängigste und poppigste Song des Albums ist ein verzweifelter Hilferuf gegen die weltweite Klimaerwärmung. Treibende Synthiebeats begleiten Anohnis anklagenden Gesang und pushen sich eindrucksvoll in den Gehörgang. ‚Crisis‚ ist fast schon ein Dance-Gospel-Soul-Hybrid, während sich ‚Why Did You Separate Me From the Earth?‚ mit post-punkigem Trotz dem dunklen Wandel unserer Welt entgegenstellt: „I don’t want your future / I’ll never return / I’ll be born into the past“ schleudert Anohni dem Hörer da mit mitreiβender Verzweiflung entgegen.

‚Hopelessness‘ ist ein Album, das vom ersten Hören durch Mark und Bein geht – ein politisches Gesamtkunstwerk, durchzogen von punkigem Widerstand, moderner Hoffnungslosigkeit und der trostlosen Erkenntnis, dass unsere Welt so wie sie ist nicht mehr allzu lange Bestand haben kann. Es gibt kaum einen Künstler im Jahr 2016, der das mit solch schonungsloser Offenheit und Direktheit thematisiert wie Anohni auf diesem Album, und das zugleich mit solch künstlerisch-musikalischer Innovation. Eine Platte, die uns noch lange beschäftigen wird!

45von511

Anohni – Hopelessness
VÖ: 6. Mai 2016, Rough Trade Records
www.anohni.com
www.facebook.com/AntonyandtheJohnsons

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