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Veröffentlicht am 18.07.2016 | von Jonathan Hirschhäuser

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THE AVALANCHES – Wildflowers

The Avalanches - Wildflowers

In den letzten Wochen gab wohl es eine Art Wettbewerb unter Musikjournalisten. Jeder schrieb über das nach 16 Jahren Pause erschienene, neue Album von The Avalanches. Die Aufgaben dabei sind klar: Das Wort Sampling darf nicht überstrapaziert werden (auch wenn gefühlt 90 Prozent des Albums genau daraus bestehen) und es müssen die kreativsten Metaphern und Beschreibungen für diesen wilden Mix gefunden werden. Gar nicht so einfach, doch dieses 21-Songs-starke Potpourri bietet auch genügend Möglichkeiten, sich auch musikalisch daran abzuarbeiten.

Dank der Vorabsingle ‚Frankie Sinatra‚ konnten sich auch Spätgeborene ein wenig auf den neuen Langspieler einstellen. Ein Mischmasch aus Polkabeat, Reggae-Refrain und Fußball-Fangesängen findet sich in solch einer schrägen Form nicht nochmal in der Tracklist. Was nicht heißen soll, das ‚Wildflower‚ ein einladendes Album geworden ist. Eher ein Allerlei das sich selbst nicht ganz so ernst nimmt. Gefühlt wurde alles in den Produktionsprozess aufgenommen, was so auf den Computern des australischen Duos Trios zu finden war: U.a. The Beach Boys, Father John Misty und unzählige Film- und Soundtrackzitate sind zu entdecken. Dabei balanciert ‚Wildflower‘ permanent auf der Kippe zwischen spaßig und nervig. Das beste Beispiel hierfür auf der Spaßseite ist vielleicht das grandiose ‚If I Was A Folkstar‚ mit Toro Y Moi im Handgepäck. Der Instanthit könnte mit seinen nie langweilig werdenden Loops und dem relaxten Gesang auf jedem Festival des Sommers eine gute Figur machen. Dass Unernsthaftigkeit auf der anderen Seite aber auch zu unerträglichen Stücken führen kann, beweist ‚The Noisy Eater‚. Für diesen Track wurde die Skiptaste erfunden. Ein Mampfen, Schlürfen und Schmatzen von Cornflakes in Kombination mit einer taktangebenden Tröte, zwischendurch Raplines und der unverzeihlichen Misshandlung von ‚Come Together‚ durch einen Kinderchor. Diesen Mist in die Welt zu lassen, ist unverantwortlich.

Auch sonst täte ‚Wildflower‘ eine Entschlackungskur gut, wirkt doch gerade das letzte Viertel nur wie eine Repitition der vorrangegangen Titel. Nur der Closer ‚Saturday Night Inside Out‚ stich noch einmal heraus. Verzerrte Stimmen schwirren durch die Stereokanäle, karibische Gitarrenmelodien und ein paar Percussions und schon ist der Sommer da. Wie alle anderen Tracks hat auch das gesamte Album kein richtiges Outro. Konnten die einzelnen Songs noch einfach ineinander verwoben werden, holt ein einfaches Fade Out die Hörer aus diesem musikalischen Labyrinth.

Was bleibt, ist mindestens die Erkenntnis, dass auch aus bereits bestehender Musik ganze Alben an originellen Songs mit dann doch eigenem Trademark-Sound entstehen können. ‚Wildflower‘ ist nach langer Arbeit zu einer Art Manifest des Sampelns geworden. Wer den gleichen Humor hat wie The Avalanches, kann damit sehr viel Spaß haben. Vielleicht aber keine weiteren 16 Jahre lang.

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The Avalanches – Wildflower
VÖ: 08. Juli 2016, XL Recordings
www.theavalanches.com
www.facebook.com/theavalanches


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