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Veröffentlicht am 3.08.2016 | von Christian Weining

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HALEY BONAR – Impossible Dream

Haley Bonar - Impossible Dream CD-Kritik

Such a beautiful ring of black fire
I can see it for miles and miles
When I come back I’ll be
Something to somebody
Hometown goes wherever you go.

(Haley Bonar – Hometown)

Polterndes Schlagzeug, Synthie-Stürme und Gesang zwischen Zärtlichkeit und Rebellion bringt das neue Album der gebürtigen Kanadierin Haley Bonar mit sich und bietet damit einen potenziellen (Spät)sommer-Soundtrack für eine unruhige Zeit. Nach der letzten Platte ‚Last War‚ vor zwei Jahren ist ‚Impossible Dream‚ neben einigen EPs nun das siebte Album der Songwriterin und klingt auch genau so ausgereift wie man es demnach erwarten würde.

Mit ‚Hometown‚ beginnt das Album sehr verträumt und gemütlich. Westernartige E-Gitarren düdeln vor sich hin und bringen heimische Wärme durch die Lautsprecher. Der Sound ist hier wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass Produzent Chris Coady auch Beach House produziert. Gleich in den nächsten beiden Stücken steckt dann schon mehr Power. Mit treibendem Beat und kräftiger Stimme. Vor allem die Solo-Gitarre bei ‚Kismet Kill‚ ist geschickt eingesetzt und verleiht dem Stück das besondere Etwas.

Dann kommt ‚I Can Change‚, die erste Singleauskopplung. Mit zurückhaltender Begleitung und Synthie-Teppich lässt man sich behutsam tragen von den Worten: „If you don’t cut it out and set it free, You’re doomed to repeat. Thinking ‘I can change I can change I can change“. Toller Song! Grade auch weil Bonars Stimme hier am besten funktioniert.

Bei aller Ruhe die teilweise durch die Songs strahlt ist immer ein bisschen Anspannung unter der Oberfläche. Es ist ein sehr emotionales und bewegtes Album und doch gibt es keine, sich durchziehende Story dazu, wie Haley Bonar zu ihrem Werk selbst erklärt. Deswegen wird es vielleicht auch nicht vorhersehbar oder redundant und dennoch gibt es einige Elemente die sich durchweg treu bleiben. Gradlinige verzerrte Gitarren, rockiges Schlagzeug und die immer ähnlichen Melodieverläufe, die teilweise fast etwas punkig daherkommen, wie bei ‚Stupid Face‚ oder ‚Called You Queen‚ oder dem letzten Stück ‚Blue Diamonds Fall‚.

Skynz‚ ist zwischendurch nochmal eine von den träumerischen Nummern mit herrlich mitsingbarem Refrain und viel Tiefe: „History is nothing but a memory, from someone paid to write it. They don’t know time or understand. The price we pay to be complacent“. Und genau diese Songs bleiben dann auch besonders im Gedächtnis und man sehnt sich anschließend danach weiter von diesen Klängen, sanft und gleichzeitig rau, umspielt zu werden.

Es dreht sich ums Erwachsen werden, Heimat, Homosexualität und Eltern. Haley Bonar wirft teilweise einen Blick zurück und ebenso ins Jetzt und in die Zukunft und man spürt bei jedem Song, dass es um ihre persönlichen Erfahrungen geht. Dabei findet man sich beim Hören selbst aufgerieben und an anderen Stellen tiefen entspannt. Sie nimmt uns mit und das mit einer ordentlichen Portion 80er Indierock, der Rauheit des amerikanischen Folks und Synthie umwobenen Klanggerüsten. Ohne Frage ist das ein starkes Album mit viel Kraft und Tiefgang. Für das nebenbei laufende Radio nicht glatt genug, dafür umso besser passend in diese Zeit auf dieser Welt.

45von5111

Haley Bonar – Impossible Dream
VÖ: 5. August 2016, Memphis Industries
www.haleybonar.com
www.facebook.com/HaleyBonarMusic

Haley Bonar live:
13.10.2016 Kleiner Donner, Hamburg
14.10.2016 Privatclub, Berlin
15.10.2016 Hauskonzerte, München
16.10.2016 Hafen 2, Offenbach

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