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Veröffentlicht am 12.09.2016 | von Robert Heitmann

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LUCY DACUS – No Burden

Lucy Dacus - No Burden CD-Kritik

But I feel fine and I made up my mind
To live happily, feeling beautiful beneath the trees
Above a ground that’s solid at the core

Oh please, don’t make fun of me
Oh you know I get frightened so easily
When I’m all alone and the floorboards creak
It’s those noises in the dark

(Lucy Dacus – Map On A Wall)

Gleich zweimal in diesem Jahr hatte Chris Lombardi, Label-Chef des New Yorker Indies Matador Records, einen extrem guten Riecher und nahm zwei der vielversprechendsten Acts 2016 unter Vertrag: Will Toledo aka Car Seat Headrest und Lucy Dacus. Zwei junge Menschen in ihren frühen Zwanzigern, konfrontiert mit gesellschaftlichen und sozialen Pflichten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, obwohl da doch nur das eine in ihrer Vorstellung Sinn macht und Platz in ihrem Leben hat: Songs schreiben.

Will Toledo hat hier bereits ungewöhnlich viel Erfahrung vorzuweisen: Von seinen Kommilitonen missverstanden gefühlt, war seine Studienzeit eine schwierige und zugleich beeindruckend kreative Phase – über 200 Songs, verteilt auf ein Dutzend Alben hat der junge Songwriter hervorgebracht. Die aus Richmond in Virginia stammende Lucy Dacus hat hier zwar weniger Veröffentlichungen vorzuweisen, doch ihr am 2. September erschienenes Debüt ‚No Burden‚ befindet sich auf einem nicht minder hohen Qualitätsniveau. Auch Dacus’ musikalische Entwicklung findet ihre Ursprünge in der Studienzeit: Als Support für lokale Musiker sowie mit ersten Aufnahmen im Umfeld von College-Projekten von Mitstudenten konnte die mittlerweile 21 jährige erste Erfahrungen sammeln.

Im Opener ‚I Don’t Wanna Be Funny Anymore‚ thematisiert Dacus die Bemühungen und Anstrengungen einer jungen Erwachsenen, ihren Platz in der Welt zu finden. Sei es als mögliches neues Bandmitglied, das sich auch als Fan zufrieden gibt (“Is there room in the band? I don’t need to be the front man / If not, then I’ll be the biggest fan”), oder als Außenseiter, der nun Initiative ergreifen möchte (“I don’t want to the joke to be on me / Yeah, I’ll read the clothes and I’ll be the best dressed / Yeah I’ll buy the books and I’ll be smartest”). Dacus singt hier gegen das Schubladendenken und verleiht dem Stück mit einem verzerrten scharfen Gitarrenriff einen energischen Ausdruck.

Dacus hat ihr Debüt in einer nur eintägigen Session in den Startruck Studios in Nashville aufgenommen und auf dieser Weise der Platte einen sehr charmanten, unverkopften Charakter verliehen. Es scheint als sei ihr und ihren Studiomusikern dadurch die natürlichste Dokumentation dieses jungen und begabten Songwritings gelungen. Die Melodien sind stets verspielt und entwickeln sich zu einprägenden Hooks – all das verpackt in einem warmen DIY-LoFi-Sound. So auch bei dem Stück ‚Dream State…‚, dessen schwingende, reverb-lastigen Gitarrenakkorde gepaart mit Zeilen wie “We woke up to the thunder / We huddled under covers / We didn’t say anything” den Hörer auf Anhieb andächtig lauschen lassen.

Dacus versteht es mit einem reifen organischen Gitarrensound und ihrem streckenweise fragilen, doch stets bestimmten Gesang bildhafte Szenen und Gedankengänge in die Köpfe der Hörer zu übermitteln. Spätestens wenn bei ‚Map On A Wall‚ – einem der letzten Songs der Platte – der Röhrenamp angenehm zu brummen beginnt und Dacus nur von ihrer Gitarre begleitet singt, wünscht man sich, dass Dacus mit dem Geschichten erzählen nicht mehr aufhört.

4von5

Lucy Dacus – No Burden
VÖ: 2. September 2016, Matador Records
www.lucydacus.com
www.facebook.com/lucy.dacus

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