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Veröffentlicht am 29.03.2017 | von Janina Sommerlad

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SERAFYN – Foam

Hey you runners are you running
With the spin or against it
And all you changers are you changing
For the good thing

(Serafyn – Good Thing)

Von der Straßenmusik zum Internetwunder, vom Internetwunder auf Tour –  mit ihrem Debütalbum Foam bringt die Basler Band Serafyn den Folk-Pop in 11 Songs auf zauberhafte Weise auf den Punkt. Was 2015 auf der EP Quantum Leap bereits so selbstbewusst und harmonisch klingt, bewegt sich mit dem neuen Album in eine noch impulsivere und reifere Richtung. Gefühlvolle und einnehmende Stimmen dominieren hier in Begleitung mit Cello, Gitarre und Bass und erinnern dabei hin und wieder an die Band BOY.

Wie „ein Schneeleopard, der durch die Arktis streift“ – so beschreibt SRF Virus die erste Single Good Thing und entwirft damit eine Metapher, die treffender nicht sein könnte. Mit diesem feinen Dreifachgesang und eingängigen Beat stolziert der Song so geheimnisvoll und majestätisch wie eine Raubkatze durch faszinierend-friedvolle und teilweise unergründliche Regionen. Inhaltlich zoomt sich Good Thing aus dem Norden raus und fokussiert stattdessen den gesamten Erdball: „Can I say that the world has never been like this, when I know we all sit on a big ball spinning.“ Die Erde dreht sich weiter und mit ihr die Gesellschaft, manche schwimmen mit und manche gegen den Strom, manche wollen Dinge verändern…“for the good thing“? Das ist die große Frage… Und auch wenn sich das „Gute“ aus politischer Sicht derzeit nicht so recht bemerkbar machen will, so steckt es zumindest im darauffolgenden Song Lungs, dessen Struktur aus klarem Hauptgesang, mehrstimmigem Refrain und im Hintergrund schwingenden Cellos so unschuldig und beruhigend wirkt.

Während es in Current Current oder Patience besonders gefühlvoll und melancholisch zugeht, so schäumt der Titelsong Foam mit dumpfen Stimmen und hypnotisierenden Gitarren recht rockig und psychedelisch vor sich hin: “I let the news in and step outside, and then my whole head just foam white.“ Mitreißend und gleichzeitig ein bisschen geisterhaft – so zeigt sich Morning Tea, dessen rauer und lässiger Sound das Abschweifen oder gar Aussteigen aus der Musik verweigert. Nicht ohne Grund verkünden die Sängerinnen Anna, Anja und AlexandraWe are all in“ und beziehen sich damit nicht etwa auf ein gefährliches Pokerspiel, sondern umkreisen Themen wie soziale Abhängigkeit oder gesellschaftlicher Druck. Der Song How Am I Supposed To Set A Thing In Stone schwingt wie eine quietschende Tür zwischen dumpfen, langgezogenen Tönen und lockerem Sprechgesang auf und zu bevor das Album mit Messy so gar nicht „messy“ endet.

Geordnet, ausgeglichen und regelrecht erholt – so fühlt man sich nach 40 Minuten Foam von Serafyn. Und dabei ist die Musik aus Basel nicht einfach nur zart und schön, im Gegenteil, sie ist komplex, tiefsinnig und erfordert Geduld, sie benebelt die Sinne und macht sie gleichzeitig wieder frei, sie ist schillernde Kunst ohne dabei kitschig zu sein.

Serafyn – Foam
VÖ: 10. Februar 2017, Believe Digital
www.serafyn.ch
www.facebook.com/serafynband

Serafyn Tour:
20.04. Brotfabrik, Frankfurt am Main
21.04. Neues Schauspiel, Leipzig
22.04. Wohngemeinschaft, Köln

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