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Veröffentlicht am 1.08.2017 | von Christian Weining

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RAC – Ego


Foto-© Claire Marie Vogel

We took the backseat out of your old truck
Stayed up all night to watch the dawn
Oh, we kept your Springsteen records on
Head rush, every time we touched
Promised I would fix your broken parts
So I carved a window to your heart
Told me you loved me so completely
Taste of a memory, bittersweet

(RAC – Johnny Cash feat. Scavenger Hunt)

RAC, aka Remix Artist Collective, in Person André Allen Anjos, bringt mit Ego sein zweites Album mit Eigenkompositionen, abseits seines Remix-Schaffens heraus. Bekannt geworden ist Anjos durch seine Remixe für diverse Größen des aktuellen Popgeschehen wie Lana Del Ray, Bloc Party, Phoenix oder auch Lady Gaga. Sein Rezept ist es dabei, vor allem die Vocals in ein Klangbett aus tanzbarer elektronischer Musik zu legen. Das gefällt der Masse, trifft bei Vielen aber auch einen empfindlichen Nerv. Lassen wir das mal soweit dahingestellt. Erfolg hat er damit und das sei ihm gegönnt. Seine Remixe haben jedenfalls auch einen gewissen Wiedererkennungswert.

Bei seinen eigenen Tracks verhält es sich ähnlich. Diese werden gemeinsam mit anderen Künstlern gemeinsam geschrieben und produziert, ganz ähnlich wie bei den Gorillaz. Hier kann man zwischen jeder Menge unbekannterer Künstler auch ein paar bekanntere, wie Rivers Cuomo von Weezer oder die New Yorker Indie Band Joywave finden. Auch hier werden mit einem Fokus auf Lyrics elektronische Stücke gebastelt. Mit wesentlich mehr Detailliebe und Kompositionsleistung als bei den Remixen, doch immer noch denkt man bei den meisten Songs, dass man das doch schon einmal irgendwo gehört hat. Abwechslungsreich sind die Stimmen, die bei jedem Stück von einem anderen Feature übernommen werden und so ist jedes Stück eine alleinstehende Nummer. Der Sound allgemein erinnert jedoch dafür umso mehr an Radio- und Massenprodukte, so dass man nicht wirklich in die Musik eindringt.

Es werden sehr viele verschiedene Stilrichtungen angepeilt, aber letztlich verschwimmt dann doch alles in einem elektronischen Einheitsbrei. Mal eher Synthie Pop, mal eher EDM, mal eher Indie. Groß gedacht, aber leider zu gewöhnlich und daher letztlich der übliche Massenbrei – egal ob Beats, Melodien und Harmonien. Hier und da kommt mal eine Sequenz, die einen Ausbruch erwarten lässt. Aber diese bleiben dann letztlich zu schwach um sich durchzusetzen. So plätschert eine Wohlfühlpop Nummer nach der anderen vor sich hin und man sieht vor seinem inneren Auge einen Pick-Up bei praller Sonne über eine breite amerikanische Straße cruisen, während sich im Auto und auf der Ladefläche coole Boys und hotte Chicks mit Snap-Backs zuprosten: „You got everything you wanted. You got everything you needed. I know it’s hard to believe it, that you got what you wanted”. (The Beautiful Game feat St. Lucia)

Doch wie immer im Leben, gibt es Höhen und Tiefen und so ist zum Beispiel Johnny Cash feat. Scavenger Hunt eine Synthie-Pop Nummer, die angenehm an CHVRCHES erinnert und Spaß macht. Auch No One Has To Know feat. Joywave mit träumerischen Strophen und Ohrwurm Refrain ist ein guter Track, der sich von den sonst eher repetitiven Beats abhebt.

RAC hat sich offensichtlich mit diesem Album für die kommerzielle Variante entschlossen, was aufgrund seiner bisherigen Arbeit nicht wirklich anders zu erwarten war. Es wäre zu einfach, seine Musik deshalb kategorisch abzulehnen, doch der Funke springt bei den meisten der Stücke einfach nicht über. Aber hey – wieder 14 Songs mehr, die auf einer der vielen Wohlfühl-Playlisten gute Füllwerke für den Einheits-Massenbrei bei Spotify und Co abgeben.

RAC – Ego
VÖ: 14. Juli 2017, Counter Records
www.rac.fm
www.facebook.com/remixartistcollective

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