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Veröffentlicht am 29.03.2018 | von Susan

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HER – Her

I think, I think we could do anything
Our wings are broke
But we’ll keep on gliding
I think, I think we could do anything
Our wings are broke but we’ll keep on gliding

(Her – We Choose)

Während man eben noch sein ganzes Leben wie kleine Bälle jonglierte, fällt in einem kleinen Moment der Unachtsamkeit alles in sich zusammen. Der Schock setzt sich fest und ein ungutes Gefühl sorgt für akute Atemnot. Eigentlich ein Moment, an dem man die Hoffnung verliert und von Brücken springen möchte, gäbe es nicht diese gewissen Menschen, die es mit kleinen Gesten und manch aufmunterndem Wort schaffen, alles ein klein bisschen besser zu machen. So in etwa muss es auch Victor Solf und Simon Carpentier alias Her ergangen sein, als sie sich 2007 kennenlernten und sie sofort eine tiefe Freundschaft und die Liebe zu klassischem Soul und Hip-Hop miteinander verband.

Doch leider wird die Geschichte von Her in den darauffolgenden Jahren nicht nur von den großen Erfolgen, sondern auch von tragischen Schicksalschlägen beeinflusst: mitten in den ganzen musikalischen Highlights der beiden, verlor Simon den Kampf gegen seine Krebserkrankung. Er starb vor wenigen Monaten, im August 2017. 6 Jahre lang hatte er mit der Krankheit gekämpft, stets an seiner Seite sein Freund Victor.

Nach einer Phase der Trauer, stets im Geiste unterstützt von seinem verstorbenen Freund, begab sich Victor wieder ins Studio und arbeitete weiter an ihrem Major-Debütalbum Her, das dieser Tage erscheinen wird. Er verpasste den bestehenden Songs den letzten Schliff und kehrte zwischendurch sogar auf die Bühne zurück. Dabei behielt er stets Simons Stimme und Visionen im Auge, wie der Opener der Platte We Choose zeigt. Schon im Vorfeld hatten sie diesen bezeichnenden Vorboten veröffentlicht; Simons unverwechselbare Stimme legt sich dabei über die extrem geschmeidige Produktion. Dies wird gleichzeitig zum Statement der gesamten Platte: Man darf die Hoffnung nicht verlieren und muss an dem festhalten, was man liebt. Aber auch der darauffolgende Song Five Minutes, bekannt aus der Shot on iPhone-Kampagne von Apple, hat seinen Platz, durch seine einzigartige Coolness verdient. Das Her aber auch romantisch sein können beweisen sie anschließend mit Songs wie Blossom Roses und Good Night, die schnell durch viel Soul einander in die Arme treiben. Anders Wanna Be You, der als tanzbare Hymne, auf keiner Partyplaylist fehlen sollte. Denn eines wird doch schnell bei den 14 Stücken, auch wenn sie sich vom Stil her unterscheiden, sichtbar, alle verfolgen ein und dasselbe Ziel: Hoffnung. Und so verbirgt sich hinter einem dezent verträumten New-Wave-Sound, in dem auch Jazz-Elemente aufflackern, eine filmreife Geschichte zweier besten Freunde, die ein wenig Hoffnung gekonnt in die Welt hinaustragen.

Her – Her
VÖ: 30. März 2018, Barclay
www.difymusic.com/thebandher
www.facebook.com/thebandher

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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