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Veröffentlicht am 14.03.2018 | von Dennis Möller

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LO MOON – Lo Moon

I used to follow my heart
But now I’m safe in the dark
You used to run to my arms
Oh how that’s lost its charm

(Lo Moon – Real Love)

Es geschah in den späten Monaten des Jahres 2016. Ein Song namens Loveless durchrauschte das Internet und erregte große Aufmerksamkeit. Die Band – bis dahin total unbekannt – avencierte schnell zum Mythos. So titelte das Internetportal noisey.com einen seiner Artikel mit „Who the Hell Are Lo Moon?“ und empfahl die Vorband von MUNA dringend anzuhören. Schaut man auf Wikipedia nach, ist Lo Moon ein Mond des Jupiters mit dem höchsten Vulkanismus in unserem Sonnensystem. Er leuchtet so hell, dass man ihn bereits mit einem Fernglas sehen kann. Die Musik-Trendsetter und -Liebhaber richteten also ihr Fernglas auf den Lo Moon, mit der Hoffnung, etwas über diese neue Band herauszufinden. Und noisey.com wurde fündig. Der Frontmann Matt Lowell gab ein Interview. Es wird bekannt, dass die Band aus drei Musikern besteht: Den bereits genannten Matt Lowell, Crisanta Baker und Sam Stewart. Sie wirken von L.A., Kalifornien aus, stammen aber aus New York, Colorado und England. Die Zeile „Loveless is your answer time will pass“ veranlasst Lowell zu seinem Songtitel, der wie erwähnt, schnell bekannt wurde.

Im Jahre 2017 erscheint schließlich das Video zu Loveless, welches beeindruckend den Vibe des Songs wiedergibt – und die bereits zu erahnende Synthesizer-Welt in passende Farben hüllt. Recht aufwendig produziert, hält es neben spannenden Bildern auch die ein oder andere Klischee-Kiste aus dem 80er-Repertoire bereit: Strand, alte Röhrenfernseher, übertrieben Farbsättigungs-Extasen und natürlich eine Verfolgungsjagd im Mustang. Eine Mischung aus Weltall-Sehnsucht und GTA Vice City. Das Ganze mündet schließlich in eine Session im hellaufgeleuchteten Studio, in welchem nochmal richtig auf die Saiten gehauen wird. Man muss jedoch zugeben: Herausragender Song mit schönem Video. Das schien vielversprechend.

Nach fast zwei Jahren darf man nun das Album hören, welches sich an Loveless messen muss. Dass das nicht einfach war, zeigt die lange Wartezeit und leider auch das Album selbst. Es mangelt an weiteren Smash-Hits. Zwar lässt es sich gut durchhören, doch ermüdet die ewig-atmosphärische Berieselung durch bekannte 80er-Synthesizer-Sounds in Kombination mit Lowells Stimme im ständigen Reverb. Und manchmal fragt man sich, ob diese Sounds wirklich aus einer analogen Maschine kommen, wie die Altehrwürdigen fordern, oder digital rekonstruiert wurden.

Neben Loveless beeindruckt das Stück Camouflage. Es umgibt sich mit sphärischen Klängen, welche Weite vermitteln und erinnert an einige Stücke des unsterblichen Mike Oldfields. Auch der Song-Aufbau ist besonders. So ändert es nach und nach seine Geschwindigkeit und Erzählstimme. Eine echte Trophäe. Weiterhin auffällig ist die Parallele zu der 80er-Band Talk Talk, die Lowell als große Inspiration bezeichnet. Manchmal wirkt Lo Moon wie eine Revival Band von Talk Talk mit eigenen Songs. Und so wurde der Schritt zu eigenen Lösungen, zur Weiterentwicklung ins 21. Jahrhundert nur zögerlich gewagt. Auch wenn die Songs durchaus gut arrangiert wurden und Freude am Experimentieren aufzeigen, wirken sie brav und blass. Zusammengefasst ist Real Love eine nostalgisch-träumerische Liebeserklärung an die Synthie-Romantik der 80er Jahre, die leider einiges an Potenzial verschenkt hat.

Lo Moon – Lo Moon
VÖ: 23. Februar 2018, Columbia
www.lomoonofficial.com
www.facebook.com/lomoon

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