Kritik no image

Veröffentlicht am 16.10.2018 | von Julius Tamm

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DOGMAN – Filmkritik

Es gibt Menschen, von denen eine unbeschreibliche Anziehungskraft ausgeht. Nicht unbedingt auf gute Weise, nein, es ist eine Kraft die Leute selbstzerstörerische und perverse Dinge tun lässt. Eine unverständliche Faszination des Gefährlichen ist es, was diese Menschen ausstrahlen. Nur in den seltensten Fällen kann solchen Personen entkommen werden und nur wenige haben die Kraft, diesen Bruch zu wagen. Was Matteo Garrone mit Dogman auf die Leinwand bringt, ist eine Geschichte über genau solch eine verzerrte Bindung zweier Menschen und dem unwillkürlichen Masochismus, der daraus hervorgeht.

Marcello (Marcello Fonte) ist ein einfacher Mann. Alleine lebt er in einer kleinen italienischen Stadt am Meer und betreibt einen Hundesalon. Bei seinen Nachbarn ist er beliebt und umringt von den haarigen Vierbeinern verbringt er ein beschauliches Leben. Die glücklichsten Momente erlebt er mit seiner Tochter Alida (Alida Baldari Calabria), mit der er immer wieder zum Tauchen raus in die Bucht fährt. Damit er ihr die kleinen Ausflüge und vielleicht auch mal einen großen Urlaub bezahlen kann, verdient sich Marcello noch etwas mit Kokain-Dealen dazu. Was eigentlich sehr unkompliziert läuft, wird von seinem Kunden Simone (Edoardo Pesce) immer wieder durchgerüttelt. Der ehemalige Boxer und Ex-Häftling terrorisiert mit Einbrüchen und Prügelattacken das gesamte Viertel, nichts scheint ihn dabei aufhalten zu können und niemand traut sich ihm in den Weg. Das Schlimmste daran ist, dass er Marcello andauernd zur Mittäterschaft nötigt. Nachdem der kleine Italiener gezwungen wurde, seine Ladenschlüssel auszuhändigen raubt Simone das Goldgeschäft des Nachbarn aus. Von der Polizei verdächtigt, weigert sich aber Marcello den Räuber zu verpfeifen und geht für ein Jahr ins Gefängnis. Wieder in Freiheit und von allen fallen gelassen, ist er fest entschlossen sich Simone entgegenzustellen.

Da ist sie nun, diese giftige Beziehung, die zwei Menschen führen können. Genauso schwierig, wie dieses ungleiche Duo zu verstehen, ist es dem Film von Garrone auf die Schliche zu kommen. Dogman ist ein schwer fassbares Werk, aber auf seine Weise doch gelungen und ergreifend. Während das Publikum über Marcellos mangelnden Willen, Simone zu verpfeifen, nur den Kopf schütteln kann, wird es auf der anderen Seite immer wieder von einer tiefen Emotionalität berührt. Die intimen Momente zwischen Vater und Tochter oder zwischen Hundesalonbesitzer und seinen „Kunden“ sind wie Oasen in dieser sonst kaputten und aggressiven Szenerie. Garrone schafft es den Kontrast zwischen dem Schönen und dem Grausamen durch eine interessante Klangatmosphäre darzustellen. Nur in den seltensten Momenten ist eine zarte Melodie zu vernehmen, während alles andere von der dumpfen Monotonie der Umgebungsgeräusche begleitet wird. Es ist ein besonderes und eigensinniges Werk, das da in die Kinos kommt, skurril und wunderschön zu gleich.

Dogman (IT 2018)
Regie: Matteo Garrone
Darsteller: Marcello Fonte, Edoardo Pesce, Adamo Dionisi, Alida Baldari Calabria
Kinostart: 18. Oktober 2018, Alamode Film

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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