Kritik

Veröffentlicht am 21.01.2019 | von Julius Tamm

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ELIZABETH HARVEST – Filmkritik

Es ist die Neugierde, die uns antreibt. Wir wollen entdecken, erkunden, erforschen und erleben. Doch halten wir diese Neugierde nicht unter Kontrolle, kommen wir an einen Punkt, den wir nie erreichen wollten. Ein Zurück ist dann unmöglich. Das Entdeckte, Erkundete, Erforschte und Erlebte lässt uns nicht mehr los. Elizabeth Harvest von Sebastian Guitierrez setzt sich mit dieser Negativ-Erfahrung von Neugierde auseinander und schafft in der dunklen Welt des Horrors ein feministisches Licht.

„I dreamed that I would meet a brilliant man. I would steal his breath away and he in turn would steal me away from everything ugly into his secret world of our own.“ – mit diesen Worten eröffnet Elizabeth (Abby Lee) den Film, während sie mit leerem Blick in die Kamera schaut. Ein etwas skurriler Moment, ist doch ihr Traum von einer geheimen Welt abseits allen Bösens in Erfüllung gegangen. Gerade hat sie den genialen Wissenschaftler Henry (Ciarán Hinds) geheiratet, welcher ihr die Welt zu Füßen legt. In seinem gigantischen Anwesen am Hang eines Hügels bekommt Elizabeth alles, was sie sich vorstellen kann: Schmuck, Klamotten, Geld, Kunst – einfach jeden erdenklichen Luxus. Doch noch immer wirkt die junge Frau abwesend, sogar emotionslos. Wenn sie ihre Lippen zu einem Lächeln verzieht, bleiben ihre Augen stumpf. Das unwohle Gefühl verstärkt sich noch weiter, wenn die Haushälterin Claire (Carla Gugino) und der blinde Butler Oliver (Matthew Beard) den Neuankömmling kritisch, fast unheimlich in Augenschein nehmen. Dass alles nicht so perfekt ist, wie es den Anschein erweckt, wird klar, als Henry seiner Frau das Haus zeigt und vor einer Milchglas-Tür stehen bleibt. Auf die Frage, was sich dahinter verbirgt, verbietet der Wissenschaftler Elizabeth jemals diesen Raum zu betreten. Während ihr Ehemann einen Tag geschäftlich unterwegs ist, hält sie es nicht aus und wagt sich in das verbotene Zimmer. Was Elizabeth dort entdeckt, verwandelt das Paradies in eine Hölle und ihren Ehemann in den Teufel.

Lange Zeit galt im Horror-Genre die Frau als Opfer gesetzt. Nur wenige Ausnahmen wie Texas Chainsaw Massacre oder Shining ließen eine starke weibliche Figur zu, die ihr Schicksal in eigene Hände nimmt. In den letzten Jahren hat sich das zunehmend geändert und Elizabeth Harvest kann ohne Wenn und Aber als feministischer Horrorfilm gezählt werden. Guitierrez schafft es, seine Protagonistin in 105 Minuten eine steile Entwicklung durchlaufen zu lassen. Anfänglich noch getrieben von Reichtum und Wohlstand emanzipiert sich Elizabeth nach und nach von ihrem Mann, der versucht ihr Leben zu diktieren. Sie wird mit der Zeit stärker, klüger und befreit sich von ihren Ketten. Obwohl sich die Story an manchen Punkten etwas zieht und das wissenschaftliche Blabla von Henry überhandnimmt, ist dieser Film doch ein großer Schritt in die richtige Richtung. Er setzt einen neuen Maßstab für das Frauenbild in Horrorfilmen.

Elizabeth Harvest (USA, UK 2018)
Regie: Sebastian Gutierrez
Darsteller: Abbey Lee, Ciarán Hinds, Carla Gugino, Matthew Beard, Dylan Baker
Heimkino-VÖ: 25. Januar 2019, Capelight Pictures

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Über den Autor

Seit 2017 Masterstudent für Medienentwicklung in Darmstadt. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und im Moment für die Frankfurter Rundschau.



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