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Veröffentlicht am 21.02.2019 | von Dennis Möller

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JULIA JACKLIN – Crushing


Foto-© Nick McKK

Go your own way
Watch me turn my own head
Eyes on the driver, hands in my lap
Heading to the city, to get my body back

(Julia Jacklin – Body)

Julia Jacklin, das melancholische Sonnenkind aus Australien wartet mit einem neuem Album auf. Die 1991 in den Blue Mountains aufgewachsene Songschreiberin veröffentlichte vor drei Jahren ihr – in der Indie Szene hoch geschätztes – Debütalbum Let The Kids Play. Dort versuchte sie die Mischung aus dreamy indie pop und confessional alt country und es gelang ihr. Das Album überzeugte durch gekonnte Verschmelzung beider Elemente. Die Bildsprache auf Cover und in Videos tat ihr übriges.

Nun also ihr zweites Album Crushing, das während einer langen Tournee entstand und die Zeit auf Achse reflektiert. Julia Jacklin beschäftigt sich intensiv mit ihren Gedanken und hinterfragt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie wirkt dabei wie eine Vorzeige-Generation-Y-Vertreterin. Auch der damalige Albumtitel Let The Kids Play könnte man als Kampfspruch für diese Generation auf Flaggen sticken. Doch Julia scheint die Lust am Spiel verloren zu haben, sie wirkt getrübt von den Anforderungen der Tournee, den Fragen, die man sich auf einer solchen stellt und den Schäden, die diese für eine Beziehung bedeuten kann. In einer Pressemitteilung erklärt sie, dass der Spagat zwischen Tour und Beziehung sie beinahe zerissen hätte. Wie nimmt man noch am Leben teil, wenn man nicht mehr zuhause ist? Lebt man mehr, wenn man auf Tour ist, oder weniger? Alles rauscht an einem vorbei, die Straßenschilder und Spotlights wechseln sich ab, die Tristesse auf Whatsapp bleibt. Und dann kommt der Druck hinzu, ein Album zu schaffen, dass den Spirit des ersten in sich tragen soll. Zwar versucht sie diesen Spirit in einigen Songs wieder aufleben zu lassen; beispielsweise in Pressure To Party, doch wie der Titel schon verrät, fühlt sie sich eher zur Party gedrängt, obwohl ihr gerade nicht danach ist.

“I used to be so worried about seeming demanding that I’d put up with anything, which I think is common—you want to be chill and cool, but it ends up taking so much of your emotional energy,” erklärt Jacklin. “Now I’ve gotten used to calling out things I’m not okay with, instead of just burying my feelings to make it easier on everyone. I’ve realized that in order to keep the peace, you have to speak up for yourself and say what you really want.”

Und was sie will, ist sich mitzuteilen, ihre Sorgen mitzuteilen. In Body erinnert sie sich an eine gescheiterte Beziehung, für dessen Ende sie ihrem Ex, einem Kind die Schuld gibt und ihrem Körper. In Don’t Know How To Keep Loving You besingt sie die Schwierigkeiten, einen Menschen endlos zu lieben, so intensiv wie am Anfang. In When The Family Flies In berichtet sie von dem Ende einer Freundschaft, weil die Familie weiterzieht. Jacklins Stimme berührt all die Themen, die eine junge Erwachsene beschäftigen und das sehr überzeugend. Crushing ist damit ruhiger und demütiger als Let The Kids Play – Das Kind wird erwachsen, will das aber nicht wahrhaben.

Das Album zeigt, dass auch in Sydney oder auf den Blue Mountains die Welt genau so kompliziert ist wie auf der anderen Seite des Globus. Julia Jacklin liefert eine sehr persönliche Platte, die mal still, mal melancholisch ein beeindruckendes Portrait dieser genialen Songwriterin aufstellt. Ob so etwas laut einschlägt, oder leise durch so manch feinfühliges Gehirn läuft, sei klar beantwortet: Dieses Album ist für die Feinfühligen.

PS: Noch ein Tipp für alle Spotify-Nutzer: Julia Jacklin hat eine Playlist auf Spotify veröffentlicht, die Bread Alone heißt und perfekt zu ihren Alben passt. Dort finden sich so einige Geheimtipps, die wie Jacklins Alben, eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen.

Julia Jacklin – Crushing
VÖ: 22. Februar 2019, Transgressive Records
www.juliajacklin.com
www.facebook.com/juliajacklin

Julia Jacklin Tour:
10.04. Blue Shell, Köln
11.04. Molotow Sky Bar, Hamburg
15.04. Privatclub, Berlin
16.04. Milla, München


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