Kritik

Veröffentlicht am 28.08.2019 | von Malte Triesch

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PARADISE HILLS – Filmkritik


Foto-© Manolo Pavon

It’s as if that girl never existed…

(Son – Paradise Hills)

Alles beginnt mit einer Hochzeitsfeier, wie sie auch der große Gatsby opulenter nicht hätte inszenieren können. Eine dramatische Kamerafahrt über das Geschehen führt uns hinauf in das Schlafzimmer zu dem Brautpaar. Was sich dort abspielt wirkt jedoch nur auf den ersten Blick sinnlich und liebevoll. Und mit dem eingangs erwähnten Satz „It’s as if that girl never existed“, gesprochen von Son (Arnaud Valois), dem Bräutigam, endet die Szene abrupt und wir springen zwei Monate in die Vergangenheit. Ohne Erinnerungen daran wie sie eigentlich hier gelandet ist, wacht Uma (die Braut aus dem Intro, gespielt von Emma Roberts) in Paradise Hills auf. Unter der Leitung von der Duchess (charmant unterkühlt gespielt von Milla Jovovich) werden hier, gegen ihren Willen, junge Damen umerzogen, um sich besser in die Gesellschaft als Ganzes einzufügen. Wobei die Gesellschaft als Ganzes nicht wirklich das Zielpublikum der Umerziehung darstellt. Vielmehr und noch wesentlich perfider sind es ihre direkten Gönner, wie Eltern oder Ehemänner, die sowohl den Auftrag als auch das genaue Zeitbild vorgeben. So dramatisch dieser Hintergrund ist, so fantastisch stellt sich Paradise Hills zunächst dar. Wunderschöne Parks, Yoga-Klassen und glamouröse Abendveranstaltungen, bis auf das zwar fantastisch angerichtete, aber leicht reduzierte Essen findet sich zunächst nichts Unbehagliches. Tatsächlich findet sich nichts auf dem Programm, was aktiv eine irgendwie geartete Umerziehung einzuleiten scheint. Während sich ihre vor Ort gefundenen Mitstreiterinnen bis auf die toughe Amarna (gespielt von Eiza Gonzáles, bekannt aus Baby Driver) mit dem Zwangsaufenthalt zu arrangieren versuchen, wächst Umas Misstrauen. Warum muss eine so abgelegene und an sich angenehme Einrichtung so stark bewacht sein, warum darf absolut niemand die Einrichtung vorzeitig verlassen und warum fallen alle Frauen jeden Abend gleichzeitig in einen todesgleichen Schlaf?

Stilistisch irgendwo zwischen Die Tribute von Panem, Sucker Punch und Tim Burtons Alice im Wunderland deutet Paradise Hills am Rande eine utopische Zukunft, erbaut auf dem Rücken einer Zweiklassengesellschaft an. Obgleich durchaus relevant für die Story als Ganzes und die Motivation der Charaktere im Besonderen, wird dies jedoch nur in Nebensätzen erwähnt und nicht wie in Panem gezeigt oder gar erklärt. So kann der Zuschauer sich die Hintergrundgeschichten der Protagonistinnen zwar zusammenreimen, aber nicht nachfühlen. Da eben diese aber im Laufe des Filmes immer wichtiger werden, verliert man zusehends die Beziehung zu den Figuren anstatt diese zu vertiefen. Zwischen grandios ausgestatteter langer Weile und Umerziehungsmethoden aus Fetisch Fantasien verliert sich der Film so ab dem zweiten Akt recht schnell. Es hätte schon einen genialen Twist am Ende gebraucht, um den Plot zumindest nachträglich mit Emotionen aufzuladen, aber genau dieser bleibt dann leider aus. Wir bekommen zwar eine optisch sehr interessante Auflösung, welche aber nicht so recht zum restlichen Film passen will. Genau, wie bei dem grundsätzlichen Plot und seinen Protagonistinnen steckt einfach nicht viel dahinter. So zeigt das Regiedebüt von Alice Waddington zwar Potential, kann aber nur hartgesottenen Fans der drei Vergleichswerke Panem, Sucker Punch und Alice empfohlen werden. Diese können gerne gedanklich noch eine Diskokugel drauflegen.

Paradise Hills (Spanien 2019)
Regie: Alice Waddington
Darsteller: Eiza Gonzáles, Awkwafina, Milla Jovovich, Emma Roberts, Danielle McDonald
Kinostart: 29. August 2019, Concorde Filmverleih

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlandsauf. Seine frühesten Film Erinnerungen sind auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier dochrecht begrenzt oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter. Da man diese erst ab 18 betreten durfte wurde die Arme Frau regelmäßig mit einer, der Wichtigkeit nach gerankten Filmliste voller Namen die ihr nichts sagtenwie „Tanz der Teufel“ oder „Die Brut der Nacht“ dorthin geschickt um die 3 höchst gerankten/ verfügbaren Filme für den nächsten Videoabend auszuleihen. Nebenher bemerkte er irgendwann, dass all die Videospiele und Zeichentrickfilme die ihm besonderes gute gefielenaus Japan kamen. Also wurde der Entschluss gefasst Japanologie zu studieren... zusammen mit BWL... damit man dann hinterher auch was arbeiten kann oder so. Wenn er auch ein sehr schlechtes Gewissen für Geburtstage und Namen hat, kann man sich in seinem Freundeskreis sicher sein pünktlich zu Halloween, May the 4th,St. Patricksday oder einem anderen obskuren „Freiertag“ gratuliert und zu einer entsprechenden Party eingeladen zu werde



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