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Veröffentlicht am 11.10.2019 | von Elias Ott

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KIM GORDON – No Home Record

Slated Walls
47 Inch flat TV
Lounging, daybed
American Idea
American Idea
– Copyright!
– Copyright!

(Kim Gordon – Air BnB)

“Being referred to as an ‘icon,’ blah blah blah. What does that even mean?” zitierte die New York Times kürzlich Kim Gordon. Das angesichts ihres Schaffens als Musikerin, Künstlerin und Kuratorin unvermeidbare Etikett einer Ikone hatte sie sich nach einer Kindheit an der Westküste im New York der 1980er Jahre erspielt. Über dreißig Jahre später– einen Großteil davon mit Sonic Youth um Ex-Mann Thurston Moore – kehrte sie schließlich 2016 zurück nach Los Angeles. In der Stadt ihrer Jugend experimentierte sie im Duo Body/Head, veröffentlichte eine Autobiographie (Girl In A Band) – und legt nun ihr allererstes Soloalbum vor: No Home Record. Macht da nicht schon der Titel deutlich, dass sich eine Beschreibung als Alterswerk verbietet?

Allerdings, verkündet zum Einstieg Sketch Artist und verabschiedet mit nichts als einem düsteren, rastlosen Beat die dröhnenden Noise-Gitarren der Vergangenheit. Der Produzent Justin Raisen (Angel Olsen, Yves Tumor) lässt sie nur noch als gezähmten Loop durchschimmern und macht damit viel Platz für Gordons Stimme: „In the day / in the sunlight / dreaming in a tent”. Und auch der hypnotische Trap-Beat von Paprika Pony aus Kalimbas und lauernden Synthesizern beweist: Die 66jährige ist mit aller Selbstverständlichkeit weitergezogen, aber ein festes Lager hat sie nicht aufgeschlagen.

Vielleicht also ein Air BnB? Im gleichnamigen Song, der musikalisch noch unverkennbar an die Arbeiten mit Sonic Youth erinnert, zerlegt Gordon die erlebniskapitalistische Traumwelt wie das krachende Schlagzeug: „Andy Warhol prints on the wall / Cosy and warm / Cosy and warm / Superhost / Superhosted“. Ihre Lyrics berichten knapp über die Beobachtungen, die sie in ihrem neuen, alten Zuhause vornimmt. Wie in Murdered Out, das von der Allgegenwärtigkeit mattschwarzer Farbe erzählt, die erst den glänzenden Schein amerikanischer Sportwagen zudeckte und nun zum Design-Trend geworden ist. Die bereits vor drei Jahren als Single erschienene Zusammenarbeit mit der Warpaint-Drummerin Stella Mozgawa strotzt nur so vor krachender Industrial-Attitüde, die sich in Get Yr Life Back zur verstörenden Absurdität eines David Lynch-Films wandelt. Für die Inszenierungen der Konsumkultur, mit denen sich Gordon durch die tiefen Soundwellen von Don’t Play It kämpft, hat sie jedenfalls nur Spott übrig: „You don’t own me / Golden Vanity/ You can pee in the ocean / It’s free“.

Und so ist sie so frei, für Cookie Butter schließlich doch noch einmal ihr New Yorker Zuhause zu betreten: der minimalistische Loop einer Drummachine arbeitet sich durch den Song, vervollständigt von einer dumpfen Gitarrenschicht und Gordons bloßer Stimme, die im Refrain schlicht die Worte „Industrial metal supplies / Cookie butter“ rezitiert. Ein Song, wie sie ihn auch vor vierzig Jahren hätte aufnehmen können, als sie ihre Lyrics aus ausgeschnittenen Werbeanzeigen zusammenklaubte.

Weil es bei diesen wenigen Reminiszenzen bleibt, löst das – so unerwartet die Bezeichnung klingt – Debüt sein Titelversprechen ein. No Home Record schwelgt weder im Gestern, noch klammert es krampfhaft am Heute. Eine Kim Gordon, das bringt der ikonische Status wohl mit sich, hat das nicht nötig.

Kim Gordon – No Home Record
VÖ: 11. Oktober 2019, Matador
www.kimaltheagordon.com
www.facebook.com/KimGordonOfficial

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