Kritik no image

Veröffentlicht am 28.11.2019 | von Malte Triesch

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Kinotipp der Woche & Filmkritik: ARETHA FRANKLIN: AMAZING GRACE

She can sing anything, anything, my sister Miss Aretha Franklin

(James Cleveland – Aretha Franklin: Amazing Grace) 

Amazing Grace präsentiert in 89 Minuten die Essenz eines zweitägigen Gospelkonzertes von Aretha Franklin, aufgenommen 1972 in der New Bethel Baptist Church in L.A.

Genau darauf solltet ihr euch einstellen, wenn ihr Aretha Franklin: Amazing Grace im Kino anschaut. Der Film läuft zwar offiziell in der Kategorie „Dokumentation“, wird diesem Label aber nur aus technischer Sicht gerecht. Es gibt keine erklärende Einleitung, keine Interviews, keine Analysen. Pfarrer und Gospelsänger James Cleveland macht kurze Ansagen und Arethas Vater C.L. Franklin kommt im Mittelteil auf die Bühne und hält eine ergreifende Rede auf seine Tochter. Sie selbst aber bleibt abseits der spektakulären Songs stumm.

In Summe weniger Publikumsinteraktion als man auf manch gewöhnlichem Konzert bekommt. Dabei ist die Hintergrundgeschichte von Amazing Grace durchaus spannend. Regisseur Sydney Pollack, bekannt z.B. durch Tootsie und Die Firma, hatte nämlich keinerlei Erfahrung im Dreh von Dokumentationen und Live- Aufnahmen. Mit dem Ergebnis, dass die Bild und Ton der Aufnahmen nicht synchron waren und zumindest mit der Technik von 1972 nicht verwendet werden konnten. So wurde an den zwei Tagen zwar das erfolgreichste Gospel-Album aller Zeiten erschaffen, das Filmmaterial hingegen war zunächst unbrauchbar. Fest überzeugt, dass sich dieses doch noch irgendwie auswerten lassen würde, hielt Pollack an den Rechten fest, verwertete das Material aber nie erfolgreich. 2007, schwer an Krebs erkrankt, gab er die Rechte jedoch frei und Komponist und Musikenthusiast Alan Elliott begann mit der Synchronisation und Restauration, welche er wenige Jahre später erfolgreich abschloss.

Dieses Mal war es dann Aretha Franklin, die, aus nicht genannten Gründen, gerichtlich mehrfach Aufführung und Distribution des Films verhinderte. Nach ihrem Tod im August 2018 wurde der Film in Abstimmung mit ihren Hinterbliebenen bereits im November des gleichen Jahres freigegeben und kommt diese Woche in die deutschen Kinos. All dies findet, wie eingangs erwähnt, hier keine Erwähnung. Die einzigen Hintergrundinformationen, die er liefert, sind die Titel ihrer größten Hits und eine minimalistische Angabe zu Zeit und Ort am Anfang des Films. Was ihr bekommt, sind absolut authentische Aufnahmen einer Ausnahmekünstlerin auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ohne schmückendes oder erklärendes Beiwerk. Das kann man vermissen oder sich an der fantastischen Darbietung und dem Fokus erfreuen. Auch bzw. gerade wenn Show und Präsentation am Ende mühelos aussehen steckt dennoch eine Menge Arbeit dahinter. Das gilt in diesem Fall sowohl für den Film als auch für die Performance. 

Aretha Franklin: Amazing Grace (US 2019)
Regie: Allan Elliot, Sydney Pollack
Cast: Aretha Franklin, James Cleveland, Southern California Community Choir, Mick Jagger, C.L. Franklin, Sidney Pollack
Kinostart: 28. November

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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