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Veröffentlicht am 6.12.2019 | von Anne Beier

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SORCHA RICHARDSON – First Prize Bravery

You were right outside
Cigarette alight
When the party slowed
Kerosene arrows
Would it feel the same?
Your mouth around my name
When I caught your eye
It just felt like all that wasted time
We were talking ‚bout it, honey
Now New York City’s never sunny
I saw you standing in the hallway
Oh love, you just keep twisting the knife

(Sorcha Richardson – Twisted Knife)

Sorcha Richardson ist mit 18 Jahren von Irland nach New York gezogen, um Musik zu machen. Jetzt lebt sie wieder in Dublin und hat im Transitprozess ihr wunderbares Album First Prize Bravery geschrieben, das am 8. November erschienen ist. Lange wollte sie sich nicht binden; nur Singles, kein Label, absolute Kontrolle. Mit First Prize Bravery ist sie dann doch bei Faction Records gelandet. Mit von der Partie war wieder Alex Casnoff, der alle Songs des Albums produzierte und seine MusikerInnen zwischen Los Angeles und Dublin davon überzeugt hat, auf dem Album zu spielen. Der Schritt zum Label hat funktioniert, die Freiheit des Umbruchs ist auf dem Debüt zu hören. First Prize Bravery ist von erzählerischer und musikalischer Vielfalt und trotzdem am besten, wenn man es als Ganzes hört. In einer guten halben Stunde und auf zehn Songs beweist Richardson, dass es richtig war, sich vom Schlagzeug zum Gesang zu trauen – in unserem Interview erzählte sie, dass das kein leichter Schritt war.

Das Album ist gerahmt durch das Stück Honey, das in einer zarten Pianovariante als Opener funktioniert und in der düsteren elektronischen Version Honey Heavy gekonnt verabschiedet. Im zweiten Track Don’t Talk About It klingt Richardson selbstbewusst und rotzig, sicher in ihrem Sound. Diese Sicherheit bleibt trotz der sehr unterschiedlichen Lieder bestehen. Dabei arbeitet sie mit einer Vielzahl von Instrumenten, zusammengehalten von ihrer Stimme. Verschwommene Synthies, zerklüftete Gitarren oder ein Tamburin in Oh Oscillator. Die Eingänglichkeit der Songs setzt sich vor allem aus den abwechslungsreichen Rhythmen und dem narrativen Charakter der Lyrics zusammen, die sich zusammen mit ihrer präsenten Stimme zu Erzählungen über Momente und Menschen entfalten. Dabei bleiben besonders zwei Tracks im Gedächtnis, die von Tagen im Garten einer Freundin in Los Angeles handeln: das unbeschwerte High in the Garden und das eloquente Red Lion mit seinen gesummten Back-Vocals und den lässigen Gitarren. Im Gegensatz zu dieser Leichtigkeit stehen die letzten Tracks False Alarm und Twisting the Knife. Sie klingen dunkler, Letzterer besticht vor allem durch das reduzierte Arrangement, das Richardsons ruhige und hier ernste Stimme in den Fokus rückt, ohne eindimensional oder verzweifelt zu wirken.

Das lang erwartete Debütalbum First Prize Bravery ist eine Sammlung von Momenten aus einer Zeit des Umbruchs. Die einzelnen Tracks sind wie Bilder aus einem Fotoalbum, die vielfältigen Arrangements repräsentieren Augenblicke, Interaktionen mit FreundInnen. Sorcha Richardson zeigt, dass es sich lohnt, die kleinen Momente festzuhalten, um das Große zu sehen. First Prize Bravery ist ein intelligentes, reflektiertes und abwechslungsreiches Album. Wir warten sehnsüchtig auf eine Deutschlandtour, im Moment sind nur Auftritte im UK angekündigt.

Sorcha Richardson – First Prize Bravery
VÖ: 08. November 2019, Faction Records
www.sorcharichardson.com
www.facebook.com/sorcharichardsonmusic

YouTube video

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