Kritik

Veröffentlicht am 17.12.2019 | von Helena Barth

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THE FAREWELL – Filmkritik & Verlosung

Life is not just about what you do. It’s more about how you do it.

(Nai Nai – The Farewell)

Billi (Awkwafina) durchlebt eine kleine Schaffens- (und Lebens-) Krise. Ihre Familie gibt ihr dabei Rückhalt und Unterstützung, vor allem die in China lebende Großmutter, zu der sie auch von New York aus ein intensives und tiefgehendes Verhältnis pflegt. Als bei eben dieser Großmutter Lungenkrebs im Endstadion diagnostiziert wird, beschließt die Familie ihr davon nichts zu erzählen um ihr ihre letzten Monaten so angenehm und unbeschwert wie möglich zu gestalten. Dies wird nun zum traurigen Anlass die gesamte Familie, die teilweise in Amerika und Japan lebt, nach über 20 Jahren in China wieder zu vereinen. Dabei wird spontan eine Hochzeit als Vorwand genommen, damit die geliebte Großmutter keine plötzlichen Zweifel hegen kann.

The Farewell basiert zu Teilen auf der Lebensgeschichte der Regisseurin Lulu Wang, die selbst als Kind mit ihren Eltern in die USA immigrierte und deren Großmutter ein ähnliches Schicksal erlebte. Diese Lebenserfahrung spiegelt sich in den Charakteren und vor allem in den Dialogen wider, die äußerst authentisch und realitätsnah sind. Die eigentliche Prämisse bezieht sich dabei auf die chinesische Tradition, einem schwersterkrankten Familienmitglied nichts von der unheilbaren Krankheit zu berichten, damit die letzten Momente so lange wie möglich in schönster Erinnerung behalten werden können. Darauf aufbauend wird ein glaubwürdiges Portrait einer (chinesischen) Familie gezeigt, deren Mitglieder während eines gemeinsamen Schicksalsschlages mit generationsübergreifenden Problemen und Erwartungen konfrontiert werde. Der Fokus liegt hierbei eindeutig auf der Figur von Awkwafinas Billi, die zu Beginn vehement die Meinung vertritt der geliebten Großmutter die Wahrheit über ihre Situation zu berichten. Nachdem man Nai Nai, so der chinesische Kosename der Großmutter, besser kennengelernt hat, kann man den Wunsch Billis nur zu gut nachvollziehen, spielt Zhao Shuzhen schlichtweg den Inbegriff der liebevollen und sich sorgenden Großmutter, der man einfach nichts verheimlichen möchte.

Besonders im Zusammenspiel von Enkeltochter Billi und Nai Nai sind die aufrichtigsten und herausragenden Momente des Films. So steht Billi nicht nur stellvertretend für die junge und in gewisser Weise unerfahrene Generation, sondern auch für die amerikanische Wertegemeinschaft im Vergleich zur chinesischen. Awkwafina schafft es in dieser Hinsicht durch ihr minutiöses Schauspiel diese Polaritäten in Form von emotionaler Zerrissenheit wiederzugeben. In dem Spagat zwischen Drama und Komödie zeigt sie gleichzeitig humorvolle sowie tief traurige Momente allein durch ihre Körpersprache auf. Wenn Billi zu einem vor ihrer Großmutter die glückliche und unbeschwerte Enkeltochter spielen muss, dabei sich ihren Unmut jedoch in keinster Weise anmerken lässt, allein der Zuschauer, der in das große Geheimnis eingeweiht ist, kann die eigentlichen Gefühle hinter jeder kleinen Geste erahnen. Hierbei wird die Auffassungsgabe des Zuschauers gefragt, denn auch so authentisch und ungekünstelt der Film sein mag und gerade weil die Handlung nicht überzeichnet wirkt, so wenig wird an sich gehandelt und so plätschert die Handlung teilweise vor sich hin, sodass beim Zuschauer ab und an ein bisschen Sitzfleisch gefordert ist. Ebenso werden doch öfters recht banale und repetitive Gespräche geführt, die zur eigentlichen Handlung nichts beitragen und leider nur dezent humorvoll sind. Und auch wenn mehrere Diskussionsebenen (sowie der West/Ost- Vergleich) aufgegriffen werden, so werden diese bloß kurz angeschnitten, um der erzählerischen Ebene der Familiengeschichte weiterhin genug Platz zu geben. Dieser wird im letzten Drittel des Filmes jedoch nicht weitestgehend genug genutzt, so dass sich ein gewisses eintöniges feel good-Feeling einstellt, wenn es in ruhigen Kamerafahrten endlich auf die große Hochzeitsfeier geht.

The Farewell ist eine detailliert konstruierte Tragikkomödie, die die essentielle Frage stellt, inwiefern das Wohl des Einzelnen über das Wohl der Gemeinschaft gestellt werden kann und diese in einer wirklichkeitsnahen Familiengeschichte unaufdringlich, jedoch markant verwoben wird. Ein be- und anschauliches Drama für die Vorweihnachtszeit, dass durch zahlreiche Szenen an opulent angerichteten Tafeln voller Köstlichkeiten umso mehr Lust auf das nächste Familienessen macht und zeigt, dass Großmütter einfach großartig sind. Nach ihrem schauspielerischen Durchbruch in Crazy Rich Asians zeigt Awkwafina hier wie wandelbar und hervorragend sie spielen kann. Und sie schafft es in diesem fein abgestimmten Genre-Mix, der doch recht typisch für das asiatische Kino ist, grundverschiedene Emotionen und Stimmungen harmonisch und synergetisch wiederzugeben und somit aus einem großen Ensemble hervorzustechen. Jedem, der der Betrachtung eines teilweise wahrhaftigen Portraits nicht abgeneigt ist, ist dieser passiv wirkende Film, der an sich ein stimmiges Ganzes ergibt, zu empfehlen.

The Farewell (USA 2019)
Regie: Lulu Wang
Besetzung: Awkwafina, Shuzhen Zhao, Tzi Ma, Diana Lin
Kinostart: 19. Dezember 2019, DCM

In Kooperation mit DCM verlosen wir zum dieswöchigen Kinostart von The Farewell 2×2 Freikarten für den Film! Ihr wollt gewinnen? Dann schickt uns bis zum 24.12.19 eine Mail mit dem Betreff „The Farewell“ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück liegen an Weihnachten schon die Kinokarten unter eurem Weihnachtsbaum!

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