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Veröffentlicht am 25.02.2020 | von Andreas Peters

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CARIBOU – Suddenly

Foto © Thomas Neukum

It’s a light
I can always count on
By my side
The things that I can’t explain
You andI
Youwere always withme
Like a light
From inside

(Caribou – You And I)

2014 veröffentlichte Dan Snaith alias Caribou mit Our Love ein Werk, das nicht nur von seinen Fans überschwänglich gefeiert wurde, sondern auch die Kritikerwelt über die Maßen begeisterte. War dies in seiner ganzen Breite nicht weniger als eine offenherzige Auseinandersetzung mit dem, was Liebe uns allen bedeutet, geht der kanadische Elektronik-Künstler nun noch eine Ebene tiefer und richtet seinen Blick mit dem neuen Album Suddenly auf die Beziehungen des alltäglichen Lebens. Ein wärmendes, intimes und an vielen Stellen ein Album voller überraschender Wendungen, setzt Caribou den Fokus hier voll auf persönliche Dynamiken innerhalb der Familie und die Veränderungen eines jeden Einzelnen, während diese Beziehungen sich weiterentwickeln.

Mit flirrenden Synth-Arrangements und einer zarten Zurückhaltung setzt der erste Track Sister ein. Nur die Stimme von Snaith und die melodische Komposition tragen den Song wie von selbst. Nicht weniger sphärisch, wenn doch mit mehr rhythmischem Schwung präsentiert sich das nachfolgende You And I, das neben einem poppigen, von Leichtigkeit beseeltem Verve, durch bestimmte Überraschungsmomente seine besondere Faszination aufbaut. Als ob der Titel des Albums sich hier musikalisch entkernen würde. Ob bis zur Unverständlichkeit gepitchte Vocal-Samples, abrupte Drum-Fills, oder entfesselte Synth-Passagen, der rätselhafte Vibe der neuen Caribou-Songs ist von einnzigartiger Wirkung. Elemente bauen sich auf, fallen in sich zusammen und werden an anderer Stelle wieder neu zusammengesetzt. Snaith sagt selbst darüber: „You and I existed in some form or other throughout the whole arc of making the record. It also captures a lot of what the record, and the title of the album, are about – the track changes suddenly and unpredictably and it is about a change in my life that happened out of the blue.“ Und so ist kein Track wie der andere. Home etwa, der erste Single-Vorbote zur neuen Platte, verlässt fast vollständig den Rahmen des Elektronischen und zeigt mit kunstvoll arrangierten Gitarrenparts, Streich- und Bläserarrangements eine noch weit poppigere Seite des Kanadiers. Stücke wie Never Come Back oder Ravi wiederum umarmen dann wieder einen Dancefloor-artigen Stil. All dies ist Teil des groß angelegten Kompendiums, welches uns auf Suddenly erwartet. 

Dass Dan Snaith für seine Musik aus unzähligen Inspirationsquellen schöpft und aus einer großen Zahl an Entwürfen dann seine Songs zusammenbaut, wird auch hier wieder mehr als deutlich. Für Suddenly waren es übrigens 900 Entwürfe, die den Grundstein für die Songs legten. Ihm gelingt es dabei, die Drehungen und Wendungen sowohl textlich als auch musikalisch in ein berührendes Werk zu verwandeln, das trotz seines verspielten Charakters eine persönliche Tiefe und Dramatik aufweist, die selbst für ihn außergewöhnlich ist. So entsteht ein Werk, das sich vor allem im Gewöhnlichen abspielt, daraus aber das Außergewöhnliche abzuleiten versucht. „There is a tension between those sudden things which blindside you and the more glacial, gradual day to day changes“, bekennt Snaith. Und rührt damit an etwas sehr Wesentliches.

Caribou – Suddenly
VÖ: 28. Februar 2020, City Slang
www.caribou.fm
www.facebook.com/caribouband

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