Kritik Suicide Tourist - Andreas Schlieter

Veröffentlicht am 3.06.2020 | von Helena Barth

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SUICIDE TOURIST – Filmkritik

Suicide Tourist Plakat
Foto-Credit ©

„Aurora – a beautiful ending“

Max Isaksen (Nikolaj Coster-Waldau) führt ein ausgesprochen routiniertes und kontrolliertes Leben. Er arbeitet als Versicherungsvertreter und achtet besonders auf seine körperliche sowie geistige Gesundheit. Denn er leidet an einem Gehirntumor und diesen versucht er mit allen Mitteln unter Kontrolle zu halten. Als er erfährt, dass seine Bemühungen und seine teilweise asketische Lebensweise keine positiven Auswirkungen auf seine Erkrankung hatten, stürzt er langsam in eine persönliche Existenzkrise und scheint den Ausweg aus dieser in dem Hotel „Aurora“ finden zu können, einer geheimen Einrichtung, die ihren Gästen Sterbehilfe anbietet.

Wie der Titel Suicide Tourist es bereits benennt, thematisiert der Film Selbstmord und Euthanasie- Einrichtungen an abgelegenen Orten, die Menschen auf der Suche nach Sterbehilfe bereisen können. Kein leichte Thematik, die äußerst taktvoll im Film aufgegriffen wird. Präzise und fast schon klinisch zeigt der Film an seiner Hauptfigur wie schwierig es ist über dieses kontroverse Themenfeld zu sprechen. Nikolaj Coster-Waldau spielt seine Figur schwermütig und in sich gekehrt, schafft es jedoch in einigen Szenen eine Prise schwarzen Humor einzubringen, die dem Zuschauer es ermöglicht sich dem sonst sehr verschloßenen Charakter etwas nähern zu können. Doch an sich ist der Zugang zu der Figur und zum Film als Ganzem schwer. Dies wird vor allem durch eine umständliche Inszenierung und schwerfällige Erzählweise mit teilweise unnötigen und verwirrenden Rück- und Einblenden gefördert. Dies lässt den Zuschauer oft orientierungslos zurück.

Zu Beginn gibt sich der Film als Drama mit moralischen und philosophischen Anklängen über das Leben und Sterben. Nach der Hälfte der Filmlaufzeit wird plötzlich eine andere Ebene eingebaut, die sich nicht organisch in das Erzählkonstrukt einfügt. Mit Betreten des Hotels versucht der Film sich als Mystery-Thriller zu etablieren und die teils recht interessanten Ansätze und Gedankenkonzepte, die aufgegriffen wurden, finden nun keine Beachtung. Leider werden diese auch zum Ende des Films nicht erneut aufgegriffen. Dafür blieb auch keine Zeit, denn kurz vor Schluss wird noch eine weitere Ebene erschloßen, die eine Auflösung mit sich bringt. Dies kommt zwar unerwartet, aber leider auch unnötig. Zwar erklären sich gegen Ende einige Handlungselemente von selbst und es wird ersichtlich, weshalb vieles sehr mühselig inszeniert wurde, doch die gewisse Tiefe, die der Film mit sich zubringen versucht, wird nie erreicht. Dabei sind die Bilder und die Atmosphäre, die durch diese vermittelt wird, kühl und gleichzeitig surreal anmutend und wirken so schwermütig wie der Protagonist selbst.

Wer ein Drama und keinen Krimi erwartet und sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen gedenkt, dem kann durchaus empfohlen werden dem Suicide Tourist eine Chance zu geben. Man muss sich jedoch auf einen sehr ambivalenten Film einlassen, der viel Raum für verschiedene Interpretationen gibt. Eine einfache Antwort kann und sollte man bei dem Thema jedoch auch nicht erwarten.

Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen (Dänemark, 2019)
Regie: Jonas Alexander Arnby
Cast: Nikolaj Coster-Waldau, Tuva Novotny, Sonja Richter, Kate Ashfield
Kinostart: 2. Juli 2020, DCM Film Distribution GmbH

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