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Veröffentlicht am 3.09.2020 | von Elias Ott

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WIDOWSPEAK – Plum

Feeling less then revealing more
The stone that’s buried: what the fruit is for
You were in bloom in your own time
I was there, but wasn’t mine

I feel nothing
I feel dumb
You’re a peach and
I’m a plum

(Widowspeak – Plum)

Foto © Courtesy of Widowspeak

Wie soll Musik noch mit der absurden Vorlage mitkommen, die die Welt Tag für Tag liefert? Wenn ein Blick in die Nachrichten einen vor die Wahl stellt, seine Instrumente entweder schweigen zu lassen oder in Brand zu setzen? Ein Glück, dass Widowspeak für ihr mittlerweile fünftes Album einen anderen Weg gefunden haben: auf Plum präsentieren Molly Hamilton und Robert Earl Thomas nebst Band Texte für die bittere Realität, aber Musik aus einer kalifornischen Parallelwelt.

Die Songs schmiegen sich an leidgeprüfte Ohren wie eine Katze an den Schoß des Zynikers. Bereits der Titelsong setzt dabei auf bewährte Mittel: dahintreibende Gitarren, beständig tuckernder Bass und Hamiltons süßlich-melancholischer Gesang bestimmen den unaufdringlichen Sound des Albums: „Feel the bruising through the skin / It won’t go back to being green again / Try to hold on to the sweet / Where the softness used to be“.

Wer über so viele beneidenswerte Gelassenheit verfügt, kann für The Good Ones auch mit schlafwandlerischer Sicherheit auf ein einziges, perlendes Riff vertrauen– wenn es gut ist, warum nicht dabei bleiben – bevor die Band mit ein paar Wurlitzer-Akzenten im richtigen Moment Fahrt aufnimmt: „And the light shines on everything you do – you’re one of the good ones“.

Faule Stellen haben Produzent Sam Evian (Cass McCombs, Kazu Makino) und Mischer Ali Chant (u.a. Aldous Harding) dabei gekonnt ausgebügelt. Songs wie Amy erinnern an AIRs La femme d’argent – so dass angesichts der poppigen Makellosigkeit umso mehr die Gefahr des Überfressens droht. Der Kern im süßen Fruchtfleisch („Thestone that’s buried:what the fruitis for“) bleiben jedoch die dahingeraunten Texte. Für eine Kritik kapitalistischer Verwertungslogik muss sich niemand in ähnlich lautenden Seminaren langweilen, sondern bekommt sie auf Money in einem bezeichnend leicht konsumierbaren Zustand geliefert. Breadwinner wiederum hüllt sein bitteres Fazit („Oh, met a man who never worked / Oh, you and I will always work“) in Synthesizer-Schichten ein wie Gestresste sich in Achtsamkeitsübungen und Tracking-Apps. Dabei verkündet Hamilton ihre lakonischen Zeilen nicht von Dreampop-Luftschlössern herab, sondern berichtet aus ihrem Leben wie eine alte Bekannte.

Aber gut, „tune out platitudes like these“. Selten bekam man sie lässiger serviert, womit Hamiltons und Thomas‘ Rezept für Plum wohl voll aufgegangen wäre. Herausgekommen ist ein wenig unkonventionelles, aber angenehm unaufgeregtes Album.

Widowspeak – Plum
VÖ: 04. September 2020, Captured Tracks
https://www.facebook.com/widowspeakband
http://widowspeakforever.com/

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