Kritik

Veröffentlicht am 25.11.2020 | von Julius Tamm

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EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT – Filmkritik

I make something impossible.

(Thomas Edison – Edison – Ein Leben voller Licht)

Wo wären wir heute ohne Elektrizität? Wir könnten gar nicht diese Zeilen auf einem Computer lesen. So alltäglich wie uns heute Strom aus der Steckdose vorkommt, so steinig war der Weg hin zu einer allgemeinen Stromversorgung – ein Prozess der ohne Thomas Alva Edison nicht möglich gewesen wäre. Regisseur Alfonso Gomez-Rejon hat sich mit Edison – Ein Leben voller Licht dem Leben des amerikanischen Erfinders angenommen. Und kreiert einen spannenden Film über einen ungewöhnlichen Wettlauf.

Das Jahr 1880 – mitten in der Industriellen Revolution befindet sich die USA auf dem Weg der Elektrifizierung, einer flächendeckenden Stromversorgung. Genialer Kopf hinter diesem Fortschritt ist Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch), der mithilfe des Industriellen J.P. Morgan (Matthew Macfadyen) eine US-Stadt nach der anderen mit elektrischem Licht ausstattet. Doch das Feld mit Aussicht auf große Gewinne wird ihm nicht kampflos überlassen. Der Fabrikant George Wstinghouse (Michael Shannon) verfolgt das gleiche Ziel wie Edison, nutzt allerdings Wechselstrom-Technologie im Gegensatz zu Edisons Gleichstrom-Netz. Als sich Westinghouse mit Edisons verprelltem Ex-Mitarbeiter Nicola Tesla (Nicholas Hoult) zusammenschließt, scheint das Rennen für Thomas Edison gelaufen zu sein.

Es ist eine elektrisierende Geschichte, die von Gomez-Rejon umgesetzt wurde. Doch so spannend sie auch ist – ihre Einstiegsschwelle ist hoch. Der Film beginnt mitten im Kampf um die elektrische Vormachtstellung, Edison hatte zu dem Zeitpunkt schon zig Technologien wie den Phonografen und die Glühbirne entwickelt, und die Zuschauer*innen werden mit historischen Figuren nur so bombardiert. Ein paar eingeblendete Namen helfen anfangs nicht wirklich, sich zurecht zu finden. Wer nicht schon eine grobe Ahnung von der Thematik hat, fühlt sich wahrscheinlich mitunter im ersten Drittel des Films überfordert. Das führt auch dazu, dass nur schwer eine Verbindung zu den einzelnen Charakteren aufgebaut werden kann, obwohl sie doch so viel zu bieten haben. Der immer arbeitende Tesla, der tragisch seine Frau verliert, der zielstrebige Westinghouse, dessen Ruf durch Schmutzkampagnen besudelt wird oder der fallen gelassene Tesla, der trotz seines Genies arm und alleine sterben muss.

Doch trotz des schwerfälligen Anfangs entwickelt sich der Film zu einer packenden Story – ähnlich wie die Elektrifizierung der USA, denn auch sie begann schleppend. Ist diese anfängliche Hürde nämlich überwunden, beginnt eine emotionale, aufregende und vielleicht auch lehrreiche Reise durch die industrielle Geschichte der Vereinigten Staaten – und damit ist Edison der perfekte Film für einen trüben Sonntag auf der Couch.

The Current War (USA 2017)
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tom Holland, Nicholas Hoult, Michael Shannon, Katherine Waterston, Matthew Macfadyen
Heimkino-VÖ: 27. November 2020, Leonine

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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