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Veröffentlicht am 9.11.2020 | von Christian Weining

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NOVO AMOR – Cannot Be, Whatsoever


Foto © Daniel Alexander Harris

I said, I bet it all goes and I bet it screams your name
And I should’ve known, I know.
I shouldn’t impose, but I’ve got no plans today
Sit it out, sweat it out, let it out.

(Novo Amor – No Plans)

Spätestens seit seiner 2017 erschienenen EP Bathing Beach ist Novo Amor für viele Fans eine verlässliche Quelle für einen emotionalen Indie-Songwriter Sound, von dem so viele nicht genug bekommen können. Auf seinem zweiten Album Cannot Be, Whatsoever beweist er diese Verlässlichkeit erneut: Falsett-Stimme, Gitarren und Keys, opulente Orchestrationen, die auf zarte eingängige Melodien und rurale Folk und Rock Momente treffen.

Hinter Novo Amor steckt der walisische Multi-Instrumentalist Ali John Meredith-Lacey, der den Großteil der zehn Songs auch diesmal wieder mit dem britischen Produzenten Ed Tullett zusammengeschrieben hat – musikalische Brüder im Geiste, wie sie auch auf ihrem 2017 erschienenen gemeinsamen Album nochmal manifestierten.

Meredith-Laceys neues Album hebt sich von der vergangenen Arbeit vor allem durch eine größere Experimentierfreude ab, die sich oft, durch ausbrechende und sich entwickelnde Rock Momente zeigt, ganz besonders bei Opaline, I Feel Better, Guestbook, If We’re Being Honest oder No Plans. Erstes und Letztes lehnen sich da sehr arg an Bon Ivers Stil auf dem gleichnamigen Album Bon Iver an. Verzerrte Stimmen, krachende Schlagzeugeinsätze und epische Aufbauten: Irgendwie vorwärts gerichtete Energie bei all der Zerbrechlichkeit, die allein durch die berührende Falsett-Stimme bleibt und in vielen Teilen der Songs auch nach wie vor die tragende Rolle einnimmt, umhüllt von E-Gitarren, Schlagzeug und Synthesizern. Der sonst sehr trübseligen Stimmung auf Novo Amors Platten tun diese gelegentlichen Ausbrüche und der größere positive Energieaufwand sehr gut. Es scheint fast ein Schritt in eine Zukunft zu sein, die noch mehr zu bieten hat als die neblige Küstenmelancholie Wales, ohne die eigene (musikalische) Herkunft zu verkennen.

In vielen der Stücke scheint Meredith-Lacey Vergangenes zu verarbeiten. Beziehungen, die vielleicht hätten besser laufen können, die er bereut hat oder die ihn noch festhalten. „I miss my friends that I pretend I don‘t need, but dammit! I needed you this week.“ Nimmt man den Album Titel ernst und spiegelt ihn mit der wachsenden positiven Energie der Musik, kann die Message aber auch sein: „Lief nicht alles gut…whatsoever!“

Novo Amors Musik bleibt berührend wie am ersten Tag. Diesmal wagt er den Schritt raus aus einer sehr erfolgreichen Komfortzone, scheint aber mehr als bereit zu sein, diese verlassen zu können.

Novo Amor – Cannot Be, Whatsoever
VÖ: 13. November 2020, Believe Digital
www.novoamor.co.uk
www.facebook.com/iamnovoamor

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