Reviews International Music © Harriet Meyer

Veröffentlicht am 27.04.2021 | von Elias Ott

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INTERNATIONAL MUSIC – Ententraum


Foto Credit © Harriet Meyer

Ich bin eine kleine Ente
Und gehe jetzt nach Hause
Flap, flap, flap
An meinem Gefieder
Perlt das Wasser ab
Quak!

(International Music – Der Traum der Ente)

Im Rätsel aufgeben waren International Music schon immer gut. Als das Essener Trio 2018 mit seinem Debüt Die besten Jahre die Frage aufwarf, was denn da plötzlich aus den Untiefen deutschsprachigen Indie-Rocks emporgestiegen war, brauchte es für die Antwort nicht weniger als den Erstling der Zwillingsband The Düsseldorf Düsterboys: Nenn mich Musik (2019) lautete die Antwort dort. Doch jetzt sind International Music wieder an der Reihe – und bringen uns auf dem surreal-albernen Nachfolger Ententraum aufs Neue durcheinander. 

Eine satte Stunde voller Verwirrspiele gönnen sich Sänger, Gitarrist und Keyboarder Peter Rubel, Sänger und Bassist Pedro Goncalves Crescenti und Drummer Joel Roters für das verflixte zweite Album. Ihre schluffigen Stimmen empfangen die HörerInnen als Fürst von Metternich, Crescenti quäkt als „Herr Schmidt, Gedankenzähler“ pseudo-philosophischen Nonsens über die Höhle der Vernunft und schnell wird klar: Dass hier nicht bloß der Rausch des kneipen-affinen Vorgängers ausgeschlafen wird, dürfte die einzige Wahrheit sein, die das Album und sein Motto „Truth is not objective“  (Misery) uns in den nächsten Minuten übriglassen. 

Als hätten The Velvet Underground sich an NDW gewagt, so wabert der sanfte Dada-Gesang über den süßen Melodien, den perlenden Gitarrenriffs und dem wohldosierten Geschrammel dahin. Und da eine Albumbesprechung selbstverständlich noch eine eigene Wahrheit in Anspruch nimmt, sei gesagt: Der luftige Sound des Zweitwerks erinnert an die schottischen Jesus & The Mary Chain und deren Just Like Honey, bekannt als Schlusssong in Sofia Coppolas Lost In Translation. Kein Wunder, dass es den Herren nach „ein bisschen Zucker“ verlangt.

Aber das nur für die obligatorische Referenzenzählerei. Es lohnt viel mehr, sich einfach auf den Traum der Ente einzulassen: Hypnotisch wie die Insel der Verlassenheit, punkig wie Spiel Bass oder schlageresk wie die Hymne für den Wassermann – alles wird in fluffiger Melancholie eingeschlagen und kommt doch mit neuen, weirden Details um die Ecke. Aber wie das mit den Träumen so ist – kaum aufgewacht, kann man sich kaum an sie erinnern:  Ganz gleich ob Hoch- oder Trinkkultur, driften Museum und Beauty of the Bar in den Nebel der Beliebigkeit ab, in dem bald auch das langatmige Albumende verschwimmt. Dagegen ruft Kopf der Band (Pedros Version), das als Rubels Version auf dem Vorgänger zu hören war, nochmal dessen verführende Schlichtheit ins Gedächtnis. Doch es ist wohl besser, sich am Panzer der Meta-Ebenen nicht den Schnabel wund zu picken. Sonst geht es uns wie Gedankenzähler Schmidt: Der verwandelt sich schließlich im großartigen Der Traum der Ente in den schlummernden Wasservogel.

Ach ja, International Music mögen sich ein wenig aufgeplustert haben – aber ihr Gefieder glänzt so schön, dass man sich nur zu gern darin verliert. Das zweite Album ist geglückt, die Loblieder werden angestimmt: Die besten Jahre, das weiß („weiß, weiß, Baby ich weiß“) das Trio entgegen aller rätselhaften Verlautbarungen nur zu gut, sind noch längst nicht vorbei.

International Music – Ententraum
VÖ: 23.4.2021 – Staatsakt
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