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Veröffentlicht am 31.08.2021 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – September

Foto-© Daniel Anum Jasper

So langsam wirft der goldene Herbst seine Schatten voraus – und golden wird der September auf jeden Fall was die musikalische Veröffentlichungsfront betrifft: Hochkaräter, die gemeinsame Sache machen, überirdischer Iren-Pop, Schotten in neuem Set-Up, James Blake, Schweden-Happen und hochkarätige Newcomer hüllen uns diesen Monat besser warm ein als es jede Decke kann!

1. Sufjan Stevens & Angelo De Augustine – A Beginner’s Mind (VÖ: 24.09.)

Wenn sich Indie-Ikone Sufjan Stevens und der kalifornische Songwriter Angelo De Augustine einen Monat lang in einer Hütte in der Einöde zurückziehen, kann das nur gut werden! Und so ist es dann auch beim gemeinsamen Album passiert, das sound-technisch, sowie qualitativ an Stevens’ Album Carrie & Lowell anknüpft. Großen Einfluss auf die Songs hatten auch die Filme, die die beiden allabendlich zum Abschluss gemeinsam schauten und die daraufhin in der nächsten Writing-Session häufig in Song-Form reflektiert wurden. So sagt De Augustine beispielsweise über Back To Oz: „This was a song that I had written mostly at home in California. We finished its lyrics after watching Return to Oz. The words reference an erosion of a central character’s internal reality. A loss of innocence is the impetus for a journey to find inner truth. In the film, Dorothy returns to the world of Oz to find its landscape in ruins and its citizens frozen in stone. Only she can find the ruby slippers and return peace to Oz. Only we can save ourselves, but we first have to remember who we truly are.“

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2. James Vincent McMorrow – Grapefruit Season (VÖ: 17.09.)

War das Debütalbum des irischen Songwriters James Vincent McMorrow noch durchzogen von erdigem Folk, hat er sich mit seinen Folgewerken immer weiter hin zum Pop gewandt – und kommt nun endgültig mit seinem fünften Studioalbum im Pop an. Völlig durchdrungen von großen Melodien, elektronischer Sound-Kulisse, R’n’B-Anleihen und mit Poison to You auch mit einer hochdramatischen Ballade an Board – erfüllt es auf jeden Fall alle Regeln des Pop-1×1 – ohne dabei jedoch beliebig, gewollt oder austauschbar zu klingen. Dazu klingen immer wieder die Songwriter- und auch Produzenten-Qualitäten des Iren zu sehr durch die Songs…es bleibt einfach dabei: dieser Musiker kann kein schlechtes Album machen!

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3. We Were Promised Jetpacks – Enjoy The View (VÖ: 10.09.)

Die Schotten von We Were Promised Jetpacks sind seit langen Jahren ein fester Bestandteil der Indie-Szene – und wissen sich seit jeher mit neuen klanglichen Facetten zu kleiden, statt sich nur in ihrem Sound zu suhlen. Umso mehr, da sie sich seit der Veröffentlichung des letzten Albums The More I Sleep The Less I Dream in 2018 im Gute von Gitarrist Michael Palmer getrennt haben und sich nun als Trio neu definieren. Davon zeugt nun auch ihr neues Studioalbum Enjoy The View, das alles andere als reduziert daher kommt, sondern sich voller Elan in neue Klangabenteuer verliert – und das meinen wir unbedingt positiv!

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4. James Blake – Friends That Break Your Heart (VÖ: 10.09.)

Noch immer gilt der Brite James Blake als absoluter Vorreiter des elektronischen Songwriter-Pops, der insbesondere mit seinem selbstbetitelten Debüt den Sound für viele Jahre beeinflusst hat – und danach (so wirkte es zumindest) aus dieser Falle so stilprägend in seinem Sound und mit solch hohen Erwartungen beladen zu sein nicht so wirklich den Anschluss schuf. Nicht, dass seine darauffolgenden Alben wirklich schlecht waren – sie grenzten nur nicht an das Genie, gepaart mit dem Momentum des Debüts. Die bisherigen Singles des neuen Albums lassen hoffen, dass Blake nun endgültig zu alter Stärke zurückgefunden hat, während er nun voll in seinen R’n’B-Produktionen aufgeht.

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5. José González – Local Valley (VÖ: 17.09.)

Der schwedische Songwriter José González vermag es mit sanfter Unaufdringlichkeit stetig zu überraschen, zum nachdenken anzuregen und diskret zu kommunizieren. So auch auf den 13 neuen Songs seines neuen Albums, die gleichzeitig zurückhaltend, wie selbstbewusst wirken, liebevoll ausgestaltet sind und sich inhaltlich mit Themen wie effektivem Altruismus, säkularem Humanismus und Öko-Modernismus beschäftigen. Oder lädt einen auch mal wie bei Swing einfach charmant zum Tanzen ein.

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Newcomer:

1. Thala – Adolescence (VÖ: 17.09.)

Eine Gitarre wabert durch den unendlichen Kathedralen-Hall, eine Stimme gesellt sich dazu, fesselt, umgarnt und packt einen – fertig ist der Dream-Pop-Hit. Doch was wie eine einfache Gleichung klingt, muss auch erstmal passen – und passen tut bei der hiesigen Newcomerin Thala und ihrem Debütalbum nun wirklich fast alles. Verträumt-zuckerwattrige Ohrwürmer reichen sich die Klinge und vor lauter empfundenen Glück läuft man Gefahr sich im Hallraum zu verlieren…Hier und da klingen die Songs vielleicht ein wenig zu ähnlich – und trotzdem selten war ein/e Newcomer*in zuletzt so nah an den großen Vorbildern um Beach House, Mazzy Star oder Cigarettes After Sex wie Thala…

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2. Alli Neumann – Madonna Whore Komplex (VÖ: 03.09.)

Die hiesige Musikerin und Schauspielerin Alli Neumann hat sich für ihr Debütalbum Madonna Whore Komplex gehäutet wie eine Zwiebel – oder eben eine junge Frau, die sich von all den Bildern losgelöst hat, die andere von ihr haben. Weg mit dem Ballast, hin zum eigenen Kern. Aber natürlich wäre Alli nicht sie, wenn sie ihre Emanzipation nicht tanzend begangen hätte. „Wenn das Leben böse ist, muss die Musik halt gut sein“, sagt sie und setzt mit ihrem Debütalbum düsteren Zeiten voll politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen was positiv Flammendes entgegen. Denn obwohl es hier inhaltlich ordentlich ans Eingemachte geht, versprühen die 12 aussagestarken Songs über Sexismus, Identität & Integrität doch auch ordentlich positive Vibes – Trojanisches Pferd, ick hör dir trapsen! Alli spricht an, entlarvt, macht Ansagen. Wehrt sich, ist direkt, setzt eigene Grenzen. Und überall schießt Hoffnung durch.

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3. Spencer. – Are U Down? (VÖ: 10.09.)

Wir sind down mit Spencer.! Zumindest klingt dieses Debüt so erfrischend wie kaum ein anderes im September, hat der von Fader und Pitchfork als einer der neuen Acts für 2021 proklamierte, Spencer Miles Abraham Allen sich doch ausgiebig an allerhand Genre-Ecken bedient, um eine warme Prise R’n’B-Jazz-Indie-Soul zu einem zeitgeistigen musikalischen Chill’n’B-Trip zu verbinden. Fresh!

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Wiederkehrer: Pinegrove – Amperland, NY (VÖ: 15.01.)

Die just erschienene neue Single Orange der US-amerikanischen Indie-Band hat uns wieder zurückgeworfen in den Kanon von Frontmann und Songwriter Evan Stephens Hall und Co. Perfekt dafür ist da natürlich die diesjährige Veröffentlichung Amperland, NY, die aus Neuinterpretationen der vorherigen vier Alben Everything So Far (2015), Cardinal (2016), Skylight (2018) und Marigold (2020) besteht – und auf 21 Songs noch mal zeigt, warum wir diese Band so lieben…

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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